Ein kleiner Strauß zur Sonnwende

Letztes Jahr haben einige von euch mit mir hier ihre ganz persönliche Reise zu den Pflanzen des traditionellen Kräuterbuschens unternommen. Daran habe ich in letzter Zeit oft und gerne wieder denken müssen. Im Moment legen die Kräuter gerade richtig los mit dem blühen und Dank des etwas späteren Frühlings blühen Holunder und Johanniskraut zur heutigen Sonnwende. Denn auch wenn das Wetter bei uns heute nicht so aussieht: Es ist Mitsommer!

Sieben Sonnwendkräuter beieinander

Sieben Sonnwendkräuter beieinander

Aber zurück zum Kräuterbuschen. Um die Sommersonnwende bzw. Johanni (24.6.) rankt sich allerhand Mythisches. Die Farne sollen Blüten treiben, zwischen den Wurzeln des Beifußes soll man glühende Kohlen ausgraben können, die ihrem Träger Glück bringen, und gegen die weniger wohlmeinenden Wesen, die zu dieser Zeit ihr Unwesen treiben, kann man sich natürlich am besten mit den passenden Sonnwendkräutern schützen. Da gerade jetzt die Kraft und Zahl der Heilpflanzen besonders groß ist, hat es mich nicht gewundert, als ich gelesen habe, dass früher in vielen Gegenden auch Johannissträuße gesammelt werden. Ähnlich wie die Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt waren sie sowohl eine Art Hausapotheke als auch Glücksbringer für den kommenden Jahreskreis. Über die Tür gehängt sollten sie das Unglück aus dem Haus fern halten. Auf jeden Fall nehmen sie mit ihrem Duft sicher jede Menge sonnige Energie mit in die dunkle Jahreszeit. Schließlich werden die Tage ab heute wieder kürzer. Da es gestern zur Abwechslung mal nicht geregnet hat, habe ich mich gleich aufgemacht, Kräuter zu sammeln. Sieben Kräuter, die ich besonders mit der Mitsommerzeit verbinde, habem dem Weg in meinen Strauß gefunden:

  • Johannsikraut ist natürlich die Pflanze Sonnwend- und Sonnenpflanze schlechthin. Das trägt sie schon in ihrem Namen.
  • Beifuß gehört auch zu den Kräutern, die einen besonderen Bezug zur Sommersonnwende haben. Dämonen soll er abwehren und zum Sammeln ist jetzt die perfekte Zeit. Die Triebe sind noch nicht so verholzt und bitter, aber voller Aroma.
  • Odermennig ist für mich soetwas wie die kleine Version der Königskerze. Wenn man mit den Fingern über seine Blätter reibt, duftet es wunderbar nach Sommer. Außerdem hilft er als „Sängerkraut“ allen, die ihre Stimme viel brauchen.
  • Margeriten gehören einfach zum Sommer.
  • Baldrianblüten duften ganz anders als die Baldrianwurzeln – süß und lieblich. Für mich ist es auf jeden Fall eine richtige Feenpflanze, die an vertäumt plätschernden Bächlein wächst.
  • Wiesen-Salbei mit seinen wunderbar blauvioletten Blüten blüht bei uns auf jeder Sommerwiese. Außerdem ist er natürlich auch als kleine Schwester unseres Gartensalbeis eine geschätzte Heilpflanze.
  • Eberraute ist mit dem Beifuß verwandt und duftet einfach wunderbar, auch wenn ihre anderen Tugenden leider etwas in Vergessenheit geraten sind.

Von jeder Kräuterart hatte ich ein Stängelchen, damit der Strauß nicht zu groß wird. Diese habe ich zuerst mit einer Schnur zusammengebunden und dann mit Baumwollgarn in drei sonnigen Farben von unten her umwickelt. Die Fadenenden habe ich noch verknotet und geflochten, damit man das Sträußchen auch gut aufhängen kann. Fertig ist der Johannisstrauß! Vielleicht habt ihr ja auch Lust einen zu binden 😀

Cola im Balkonkasten

Wonach duftet dieses Kraut?

Wonach duftet dieses Kraut?

Na, wenn ihr mal raten dürftet, wonach riecht wohl das Kraut auf dem Foto? Die Blätter erinnern vom Aussehen her etwas an den Wermut. Damit wären wir auch schon mal in der richtigen Pflanzenfamilie. Es handelt sich nämlich um die Erberraute (Artemisia abrotanum), früher übrigens ihres Zeichens auch eine geschätzte Heilpflanze. Ich habe sie allerdings nicht wegen des medizinischen Nutzen in den Balkonkasten gesetzt, sondern weil der Duft mich einfach umgehauen hat. Durch gärtnerische Auslese entstand nämlich eine Variante namens Colakraut, die wirklich nach Cola mit Zitrone riecht, und in die hatte ich mich beim Kräuterkaufen einfach verliebt. Jetzt darf jeder, der zu Gast auf meinen Balkon kommt, dran schnuppern und raten 😉

Gesundes Getränk mit Cola-Aroma? Das gibt's doch ;-)

Gesundes Getränk mit Cola-Aroma? Das gibt’s doch ;-)

Als Tee vermischt mit Orangensaft ist sie lecker und auch in Smoothies. So wie der hier auf dem Bild bestehend aus

250 g Erdbeeren
3 kleinen Blättchen Colakraut
etwas Orangensaft

Klar, wie „richtiges“ Cola schmeckt es nicht, aber das Aroma ist wirklich super und geht eindeutig in Richtung Cola, bloß ohne die pappige Süße. Die Pflanze selbst scheint ziemlich unkompliziert und wuchsfreudig zu sein. Da werde ich den Sommer über sicher noch einige Experimente starten können. Hat vielleicht von euch jemand schon Erfahrungen mit diesem Kraut? Für Ideen bin ich offen und dankbar.

Buchvorstellung: Für kleine Elfen und solche, die es werden wollen

Hin und wieder bekomme ich seltsame Emails, ob ich nicht daran interessiert wäre, gegen Geld „Gastbeiträge“ auf meinem Blog online zu stellen, sprich meinen Lesern irgendwelche Werbung unter zu jubeln. Das finde ich schon ziemlich dreist, aber offenbar klappt das Geschäftsmodell. Umso positiver überrascht war ich, als mich vor einiger Zeit eine Mail erreichte, in der mir einfach angeboten wurde, ein Buch zu rezensieren, wenn es mir vom Thema her zusagt. Das ist doch eine ehrliche Sache und beim Thema des Buches konnte ich nicht nein sagen. Es geht darum, Kindern die Welt der Heilpflanzen näher zu bringen.

Ein Buch für kleine Elfen und solche, die es werden wollen

Ein Buch für kleine Elfen und solche, die es werden wollen

„Die Elfenapotheke“ von Maria del Carmen Limberger scheint so eine Art Familienprojekt zu sein, mit dem die Autorin ihre eigenen und andere Kinder mit der Wirkung von Heilpflanzen in kleinen Vorlesegeschichten vertraut machen will. Die Hauptrolle spielen die beiden Elfen Rosalie und Angelina, die sich darum kümmern, dass es allen Tieren und Pflanzen in ihrem Reich gut geht. Und dafür setzen sie natürlich auf die Heilkräfte der Kräuter, die auf ihrer bunten Wiese hinter dem geheimnisvollen Wald wachsen. Egal ob erkältete Maus, heisere Nachtigall oder an Honig überfressener Bär – bei ihnen kann jeder Patient auf Hilfe zählen. Für jedes Leiden kennen sie das richtige Kraut. So wird dem Leser oder natürlich auch Vorleser und Zuhörern in kurzen Geschichten erzählt, welche Heilpflanze bei welcher Krankheit hilft. Danach gibt es noch ein Einzelporträts von acht gängigen Heilpflanzen und einen Rezeptteil, mit Ideen zum Nachmachen, und ein paar Tipps für die Erwachsenen, wie man das Lernen von Kräutern noch spielerisch vertiefen kann. Den Ansatz, durch liebenswerte Geschichten das Verständnis für Heilpflanzen zu wecken, finde ich in dem Büchlein richtig gut umgesetzt. Das bleibt gut im Gedächtnis. Neben dem Text haben mich ganz besonders die Zeichnungen angesprochen. Sie sehen zwar fast aus, als hätte sie ein Kind gemalt, aber gerade bei den Pflanzenporträts fällt auf, dass da viel botanisches Wissen dahinter steckt. Pflanzen so zu zeichnen, dass sie trotz Vereinfachung noch eindeutig zu erkennen sind, ist gar nicht so leicht. Abgesehen davon mag ich Illustrationen, die in denen man noch das liebenswert handgemachte spürt und die nicht aussehen, als hätte sie ein Computer ausgespuckt. Auf jeden Fall hatte ich wirklich Spaß beim Lesen und Anschauen und das Buch hätte mir ganz bestimmt auch als kleines Mädchen schon sehr gefallen. Schade nur, dass es nicht dicker ist. Ich hätte gerne weiter gelesen. Aber vielleicht gibt es ja irgendwann eine Fortsetzung. Auf der Internetseite der Autorin kann man jedenfalls schon mal die Hauptcharaktere kennen lernen. Wie schön, dass es noch Elfen gibt abseits von pinken Glitzerwelten 😉

Frühjahrskur III: Die Haut macht mit

So frisch wie junge Blätter an einem Frühlingsmorgen.

So frisch wie junge Blätter an einem Frühlingsmorgen.

An den ersten fast sommerlichen Sonnentagen darf auch unsere Haut wieder Licht und Luft erleben. Leider hat gerade sie im Winter keine leichte Zeit. Kälte, Dunkelheit, trockene Heizungsluft – das alles mag sie eigentlich nicht. Kein Wunder, dass sie sich besonders auf den Frühling freut. Schöne, makellose Haut mögen wir ja alle, aber kaum jemand denkt bei einem ebensolchen Anblick daran, dass die Haut auch ein wichtiges Ausscheidungsorgan ist und mit ihrer Arbeit sogar die Nieren entlastet. Dabei macht sie aus manchen Notwendigkeiten sogar eine Tugend. Den Harnstoff, den sie ausscheidet, nimmt sie zum Beispiel gleich, um schön geschmeidig zu bleiben. Deswegen helfen Harnstoffcremes auch so gut bei trockener Haut, nur dass man den Harnstoff da eher als Urea deklariert findet 😉

Um den Stoffwechsel anzuregen und die Haut bei ihrer Ausscheidungsarbeit etwas zu unterstützen, bieten sich Bürstenmassagen und entsprechende Einreibungen an, denn die Haut gibt nicht nur Stoffe ab, sondern nimmt sie auch auf. Besonders leicht dringen ätherische Öle in die Haut ein. Zu meiner morgendlichen Badroutine gehört deswegen im Moment mein Schrubbellappen (Häkelanleitung gibt es hier) und mein Frühjahrskuröl. Womit man die Massage durchführt, muss man selbst am besten ausprobieren. Manche schwören auf die klassischen Bürsten aus Wildschweinborsten o.ä. Die gehörten früher bei uns übrigens ganz fest ins Hautpflegeprogramm. Andere mögen lieber Sisallappen. Ich komme am besten mit meinem Massagehandschuh aus Baumwollgarn zurecht. Der ist weder zu sanft noch zu hart und kann bei Bedarf einfach in die Waschmaschine. Massiert wird immer zum Herzen hin. Für mich reicht es morgens völlig aus, die Beine und Arme von den Füßen bzw. Händen aufwärts mit sanften Strichen zu „striegeln“. Da merke ich schon, wie es die Durchblutung anregt. Danach werden sie noch mit dem Frühjahrskuröl eingerieben. Das Rezept hierfür ist:

25 ml Traubenkernöl
25 ml Mandelöl
10 Tr Orange
5 Tr Zypresse
4 Tr Wacholderbeere

Einfach alles in einem Fläschchen mischen und fertig! Es enthält die ätherischen Öle von Orange, Zypresse und Wacholder. Die geben nicht nur einen anregenden Duft, sondern wirken alle drei auch durchblutungsfördern, regen den Lymphfluss an und sollen damit auch gegen Cellulite helfen. Ein klein wenig Eitelkeit ist also auch dabei 😉 Ob es wirklich für ein schöneres Hautbild sorgt, finde ich schwer zu sagen. Auf jeden Fall aber verbessert sich das Hautgefühl sofort und ein bisschen wacher und frischer fühle ich mich danach auch.

Frühjahrskur II: Spargelzeit

Spargel schmeckt auch roh.

Spargel schmeckt auch roh.

Wirksame Heilpflanzen muss man nicht immer als Arzneizubereitung einnehmen, manche darf man auch als leckere Mahlzeit genießen. So zum Beispiel den Spargel. Er gilt in der Volksmedizin als eines der klassischen „Blutreinigungmittel“. Schon Hippokrates empfahl ihn, um Niere und Blase zu reinigen und Wasser zu treiben, und damit hat er auch nach modernen Standards Recht. Gerade das mit dem Wasser treiben, kann man übrigens auch ganz gut im Selbstversuch ausprobieren. Aber besser nicht abends, sonst wird die Nacht vielleicht etwas unruhig. Das ist mir nämlich neulich passiert, als ich einfach nicht widerstehen konnte und es zum Abendessen eine große Portion Spargel gab. Auf jeden Fall passt der Spargel mit seinen wassertreibenden Eigenschaften, dem hohen Gehalt an Ballast- und Mineralstoffen und dem geringen Nährwert (etwa 17 kcal auf 100 g!) prima in die Frühjahrskur. Man muss ihn übrigens nicht mal kochen. Er schmeckt auch roh sehr lecker und ist gesund. Einer meiner neuen Lieblingssalate ist grüner Spargelsalat. Dafür braucht man:

250 g grünen Spargel
1/2 Kopf Radicchio

2 EL Balsamessig
1 TL Dijonsenf
1 EL Öl
etwas Wasser
Salz
Pfeffer

Aus Essig, Senf, ÖL, Wasser und Gewürzen rührt man einfach eine Vinaigrette. Spargel und Radicchio putzt man und schneidet sie in mundgerechte Stücke. Fertig ist der Frühlingssalat 🙂

Gerade das leicht Bittere vom Radicchio passt gut zum Spargel und regt die Verdauungssäfte an. Ziemlich schmunzeln musste ich übrigens über die Menge, die für die arzneiliche Verwendung von Spargel angegeben wird: 45-60g Tagesdosis. Die Menge kriegt man vielleicht in den teuren Restaurants in der Stadt serviert. Bei mir darf es ruhig eine Größenordnung mehr sein 😉 Aber ich esse ja auch nicht jeden Tag Spargel. Wer ihn gerne gekocht ist, muss das Kochwasser übrigens nicht wegschütten. Diese Abkochung kann man auch als durchspülenden Tee für die Frühjahrskur verwenden.

Etwas zu Gewinnen…

Jetzt ist der Frühling wirklich da :-)

Jetzt ist der Frühling wirklich da :-)

… gibt es bei der Haselmaus, weil heute Tag der Erde ist. Also, wenn ihr Lust habt mit zu machen, schaut doch mal hier vorbei. Und entschuldigt bitte, dass es hier so lange nichts neues gab. Nicht dass ich nicht genug Ideen gehabt hätte, aber an Zeit hat es leider etwas gemangelt. Und keine Sorge, die Frühjahrskur ist nicht vergessen. Die Wildkräutersaison geht jetzt gerade richtig los. Genießt den Frühling!