Sommer im Hexengarten: Der Balkonkürbis

Ja, ich weiß, eigentlich ist schon Herbst, um genauer zu sein heute seit heute um 15:30 Uhr. Aber dieses Jahr folgen die Beiträge bei unserem „Sommer im Hexengarten“ dem selben altbekannten Gesetz für Beitrageinsreichungen bei wissenschaftlichen Tagungen: zum Ende hin steigen sie exponentiell an 😉

Atessa hat uns auf den letzten Metern noch ein leckeres Gurkenrezept, nämlich eine Gurken-Minz-Suppe mit Sauerteigfladenbrot gezaubert sowie ein Minzgel gegen allerlei Hautwehwehchen. Und gestern durfte ich mich noch über eine Mail mit einem weiteren Gastbeitrag freuen und das auch noch von einem Neuen hier im Bunde, einem bisher heimlichen, aber sehr treuen Leser. Andreas teilt nämlich mit uns sein Geheimnis, wie man Kürbisse auch auf dem Balkon kultivieren kann und was bei ihm dort sonst noch so wächst. Aber lest und vor allem seht selbst.

Liebe Miri,

nachdem ich mehrere Jahre nur mitgelesen habe, schaffe ich es endlich auch einmal, etwas beizutragen. Eigentlich wollte ich über eingelegte Walnüsse schreiben, aber da hat mir dieses Jahr ein später Nachtfrost einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei uns gibt es heuer praktisch keine Walnüsse und auch das Obst hat es schwer getroffen. Also bekommt nun mein Balkonkürbis seinen Auftritt.

Ich hatte schon mehrmals Hokkaidokürbisse auf dem Balkon gezogen. Meist hat es für einen großen Topf Suppe oder einen gefüllten Kürbis gereicht. Leider habe ich in diesem verrückten Frühjahr versäumt, rechtzeitig Kürbispflänzchen am Küchenfenster zu ziehen. Zum Glück bekam ich aber ein (vermeintliches ;-)) Hokkaidopflänzchen geschenkt.

Kürbisse benötigen viel nährstoffreichen Boden, um richtig wachsen zu können Außerdem sind sie Starkzehrer, laugen also den Boden so sehr aus, dass man im nächsten Jahr in der gleichen Erde keine Kürbisse mehr ziehen sollte. Mein Ysopstrauch, der mageren Boden braucht, fühlt sich aber in ehemaliger Kürbiserde sehr wohl. Also füllte ich den größten Blumentopf, den ich finden konnte mit 20 Litern Kompost und 20 Litern Blumenerde und pflanzte den Kürbis ein.

noch wirkt er ein wenig verloren in seinem riesigen Topf

Dem Kürbis schien es zu gefallen und bald war er schon auf ein vielfaches seiner Größe angewachsen. Was mich ein bisschen wunderte, war, dass sich die Ranken nicht so einfach biegen und verlegen ließen, wie ich es von Hokkaidos gewohnt bin. Nach einigen Wochen hatte erden Topf komplett überwuchert und blühte prächtig. Die Bienen und vor allem die Hummeln freuten sich – endlich Blüten in vernünftiger Größe. Ich habe schon oft gehört, man sollte die männlichen Blüten (die ohne Knubbel am Blütenstiel) abschneiden, um den Ertrag zu steigern, aber nachdem Der Kürbis bei mir genauso Balkonschmuck ist, wie Nutzpflanze, lasse ich alle Blüten stehen.

Kürbis statt Geranie 😉
Hummeln lieben Kürbisblüten

Da mein Balkon an der Nordwestseite des Hauses liegt, wuchs der Kürbis vor allem auch in diese Richtung, um möglichst viel Sonne zu bekommen. Auch die Früchte wuchsen so außerhalb des Balkons. Da die Ranken bei weitem nicht so biegsam waren, wie gewohnt konnte ich auch nichts daran ändern. Nachdem er zuerst drei Früchte trug, steckte der Kürbis schließlich alle Energie in eine Frucht, die anderen Früchte verkümmerten sichtlich und waren schließlich kaum mehr zu finden. Wie gewohnt brauchte die Pflanze sehr viel Wasser – ca. 5 bis 7 Liter an heißen, trockenen Tagen. Zur Mittagszeit sieht man auch an den Blättern deutlich, wieviel Wasser sie verdunsten.

Der Kürbis in der Mittagssonne – im Vordergrund meine „halbwilden“ Möhren

Als die Frucht wuchs, bemerkte ich schnell, dass ich dieses Jahr wohl keinen Hokkaido gepflanzt hatte. Wo Hokkaidos normalerweise schon fast von Anfang an orange sind, sah mein Kürbis diesmal eher wie eine kugelförmige Zucchini mit hell- und dunkelgrünen Streifen aus. Auch wurde die Frucht wesentlich größer, als normale Hokkaidos. Ein Netz, das ich geknüpft hatte, um den hängenden Kürbis zu sichern und das für einen Hokkaido vollkommen ausgereicht hätte, hat er einfach gesprengt. Schließlich sicherte ich ihn mit einem Apfelkorb, den ich an das Balkongeländer band.

Ein Kürbis kennt keine Furcht 😉
…aber sicher ist sicher!

Nach und nach nahm die „dicke Zucchini“ dann aber doch eine schöne orange Farbe an. Vor einer Woche war sie schließlich komplett orange. Die Pflanze hatte ihre ganze Energie in die Frucht gesteckt und war inzwischen verkümmert und vom Mehltau befallen. Mit Leiter und Taschenmesser erntete ich den Kürbis und entfernte den Apfelkorb wieder vom Balkongeländer. Der Korb war übrigens bis zum Schluss nicht erforderlich, die Ranke hielt den Kürbis ausreichend fest. Trotzdem war ich froh über die zusätzliche Sicherung, die mich ruhiger schlafen ließ. 😉 Der reife Kürbis sieht eher nach einem Halloween- (Schnitz-) Kürbis, als nach einem Hokkaidokürbis aus. Ich bin aber kein Kürbisexperte und lasse mich gerne belehren. Sachdienliche Hinweise nimmt Miri entgegen.

Erntezeit

Derzeit überlege ich noch, ob ich den Kürbis als Kürbis-Barbecuesoße und Kürbis süß-sauer einkoche, oder ihn meinem Neffen für Halloween spende. Halloweenkürbisse – falls es einer ist – sollen geschmacklich eher mau sein.

Nächstes Jahr klappt es hoffentlich mit den eingelegten Walnüssen und außerdem sollen Stachelbeersträucher auch in Töpfen gut wachsen…

Ist das nicht unglaublich, wie so eine Kürbispflanze in einem Topf so eine riesige Frucht produzieren kann? Und ich glaube, dass sowohl Andreas als auch Atessa entweder ein gut gehütetes Geheimnis im Umgang mit Kürbisgewächsen (botanisch gehören Gurken nämlich auch zu der Familie) besitzen oder doch ein bisschen zaubern können. Bei mir sind die bisher nämlich weder im Topf noch in meinem Rahmenbeet etwas geworden. Die Geschichte meiner beiden Gurkenpflanzen im Garten erinnert eher an Romeo und Julia. Gestorben sind sie beide in der Blüte ihrer Jahre…

Lieber Andreas, ich bin zwar kein Kürbisexperte, aber Hokkaidos sehen schon anders aus. Aber deine leckeren Kürbis-Barbecuesoße würde ich sehr gerne auch selbst mal nachkochen. Vielleicht magst du mir bzw. uns das Rezept dafür verraten? Ich bin sonst kein großer Fan von Barbuecuesoßen, aber deine ist wirklich eine Klasse für sich. Und für die Stachelbeersträucher drücke ich die Daumen! Ich liebe Stachelbeeren und habe erst vor Kurzem ein Sträuchlein in den Garten gesetzt. Wie groß die Stachelbeeren wohl bei dir werden, wenn schon die Kürbisse so gedeihen?

Tja, jetzt ist es echt schade, dass der Sommer schon herum ist. Ich habe mich immer so über eure Beiträge und die muntere Diskussion dazu gefreut. Einen Abschlussbeitrag mit Rückblick und einer Überraschung bekommt ihr dann die Tage noch. Aber an dieser Stelle schonmal ein ganz großes und herzliches Dankeschön an alle die mitgewirkt haben!

Sommer im Hexengarten: Ein ganz besonderes Hexengärtchen

Heute, ganz kurz vor dem Ende unseres Sommers im Hexengarten darf ich euch noch etwas ganz Besonderes vorstellen. Ich habe für euch einen Einblick in einen Hexengarten, wie ich ihn in all den Jahren auf diesem Blog noch nicht hatte. Und je mehr ich die Bilder betrachte, komme ich zu dem Schluss, dass seine Gartengestalterin ganz sicher zaubern können muss. Anders bekommt man so einen Garten nicht hin, oder? Ich bin wirklich ganz hin und weg. Aber seht euch einfach selbst an, was die liebe Iris mit uns teilen möchte:

In diesem Jahr ist mir unser Garten im Frühling und Sommer auf eine ganz besondere Weise ans Herz gewachsen. Ich freue mich sehr, hier davon erzählen zu dürfen – einen ganz herzlichen Dank, dass ich bei Dir zu Gast sein darf, liebe Mirjam!

Unsere Blumen, Sträucher und der Apfelbaum haben mich dazu inspiriert, sie mit Nadel, Garn und Stoff nachzuempfinden. Ich habe sie dadurch mit mehr Aufmerksamkeit und mit einem neuen Blick betrachtet und sie so noch näher kennenlernen können.

Begonnen habe ich mit meinem kleinen textilen Garten, als im Frühjahr so viele Türen und (Garten)Tore verschlossen bleiben mussten. Er startete als Beitrag zu einer Aktion, bei der es galt, ein tellergroßes Gärtchen zu gestalten. Eine wunderbare Idee: der bunte Vorrat von Stoffen und Garnen, den ich in vielen Jahren gehortet hatte, wartete ja schon lange auf seinen Einsatz. Und das war erst der Anfang: meine kleine Gärtnerin und ich hatten so viel Freude am „Pflanzen“, dass der textile Garten längst über seine ursprüngliche kleine Form hinausgewachsen ist 😊.

Sogar eine „Backsteinmauer“ gibt es jetzt, in deren wärmendem Schutz Blumen üppig blühen und dichter Efeu rankt – so, wie ich es in englischen Gärten immer bewundert habe.

Und inspiriert von unserem Garten „wachsen“ in dem kleinen Gärtchen nun Kriechglockenblumen im Sonnenschein. Der gehäkelte Rosenstock mit den gelben Blüten fand seinen festen Platz und wird nun auch von Bienen besucht (jeweils ist ein Detail aus dem Textil-Gärtchen zu sehen und daneben eine Inspiration aus unserem Garten).

Die Lilien in leuchtendem Orange und der weiße und blaue Lavendel finden sich auf der zweiten Bildfolge. Ebenso die Wegwarte, deren blaue Blütensterne neben dem Stamm eines Apfelbaums leuchten.

Die kleine Gärtnerin freut sich übrigens sehr, beim „Sommer im Hexengarten 2020“ dabei zu sein! Extra zu diesem Anlass hat sie sich sogar einen Rock mit Grüntönen zugelegt. An der Halskette hängt ein grünes Steinchen und die grünen Gartenhandschuhe sind sowieso immer mit von der Partie. Soviel Grün bringt bestimmt Glück beim Gärtnern 😉 und das können wir gut brauchen.

Denn es ist noch Platz in dem kleinen Hexengärtchen aus Garn und Stoff – vielleicht für einen lila Sommerflieder, der Schmetterlinge anlockt? Oder für Rosmarin und Thymian?

Die kleine Gärtnerin und ich sind jedenfalls gerade dabei, noch zusätzliche Beete anzulegen und an der ersten Hauswand rankt auch schon der Efeu hoch.

Ganz herzliche Grüße,
Iris

Also, liebe Iris, Hut ab! Und vielen Dank, dass du deinen kleinen Zaubergarten mit wunderbaren Bilder hier vorstellst. Ich finde das ziemlich unglaublich, was du da gezaubert hast. In einer Kategorie ist dein Textilgärtchen ganz sicher Spitzenreiter: beim Verhältnis Gartenglück pro Fläche 😉 Was meint ihr?

Sommer im Hexengarten: Die aromatherapeutische Blumenvase

Dieses Jahr füllt sich bei mir nicht nur der Garten wie von Zauberhand mit unerwarteten schönen Früchten, sondern auch der Blog 🙂 Bei Atessa erfahrt ihr, was sich alles auf ihrem Hexenbalkon getan hat (und auch, wo ihr euch hinstellen könnt, falls ihr hofft, mit aromatischen Minitomaten beworfen zu werden).

Und gerade erreichte mich noch ein ganz besonderer Beitrag von Doris. Denn will ich zum Einstand ins Wochenende gleich mit euch teilen. Es kann gut sein, dass es das letzte Wochenende in dieser Saison wird, das sich so sommerlich anfühlt, obwohl der Herbst schon deutliche Zeichen in die Natur setzt. Hier der Blick Doris‘ aromatherapeutische Blumenvase:

Ob es wohl im Tai Chi eine Übung wie „Den Sommer festhalten“ gibt? Wahrscheinlich nicht, im Tai Chi fließt ja eigentlich alles von einem Zustand in den nächsten. Das Sommerende kommt mindestens immer so unerwartet wie Weihnachten, geht euch das auch so? Gerade blüht und gedeiht noch alles, und dann ist die Natur schon wieder auf dem absteigenden Ast. Gestern habe ich die Zucchini aus dem Beet genommen. Die Kürbisse sind reif, aber die Pflanze blüht noch so schön. Vielleicht kann ich sie noch ein paar Tage genießen, bevor die Blätter komplett braun und vom Mehltau dahingerafft sind. Eines der vielen schönen Sommerdinge ist es, – mehr oder weniger – verschwenderisch Blumen und Blüten für Drinnen zu haben.

Mein Garten ist kein “richtiger” Blumengarten – manches wächst, manches nicht, und insgesamt fehlt mir auch der Platz, aber es ist von einigem was da. Die Dahlie ist über 10 Jahre alt. Bald steht ihr Winterschlaf schon wieder an – ich mag noch gar nicht dran denken! Wie gesagt, es gibt durchaus Blühendes in meinen Beeten, nur reicht es leider nie selten für wirklich voluminöse Blütensträuße. Manche Blumen schneide ich auch gar nicht oder nur sehr spärlich, so wie meine Rudbeckia zum Beispiel. Aber sobald Goldrute und Herbstanemone blühen, ist alles im grünen Bereich. Damit kriegt man auch richtig große Vasen voll, was für ein Luxus!

Das ist aber wirklich die Ausnahme. In der Regel reicht es nur für kleinere Handsträuße. Naja, die Fülle im muss man halt irgendwie „hertricksen“ – Floristen machens ja auch nicht anders. Aber: Bei Fleurop habe ich noch nie das Bouquet „Suppengrün“ gesehen. Das habe wahrscheinlich nur ich im Angebot.  😉 Wieso? Ganz einfach: Bei mir kommt fast alles in die Vase, was sich annähernd dafür eignet. Gut, keine Petersilie, weil die bei mir einfach nicht wächst, aber alles Grüne und Aromatische, was der Garten hergibt. Wie zum Beispiel mein Salbei:

Mein Salbei wuchert und hat neben den silbrig-grünen Blättern auch wunderschöne blaue Blüten. Also: Ab in die Vase damit. Pfefferminze eignet sich auch gut, Lavendel sowieso, Melisse auch. Von allem bleibt aber natürlich immer genug für die Bienen und Hummeln übrig. Der normale grüne Salbei war schon im Garten, als wir vor vielen Jahren eingezogen sind. Das habe ich damals wie ein gutes Omen empfunden, und so stecke ich immer gern die Nase in meine Blumendeko, wenn Salbei drin ist. Das erdet, vor allem am Schreibtisch, wenn es mal wieder drunter und drüber geht. Der zweifarbige Salbei wächst fast noch schneller als sein grüner Bruder. Salbei hält sich erstaunlich gut im Wasser. Ich kann oft einfach nur die Blüte austauschen und habe eine weitere Woche Freude an meinem Sträußchen. Die Gladiolen habe ich vor dem Windbruch gerettet, sie waren einfach zu hoch und zu wackelig.

Kräuter sind so vielseitig einsetzbar und einfach natürlich schön. So ein bisschen Sommer auf dem Schreibtisch tröstet über so manche Arbeitsspitze hinweg, kann ich euch sagen. Was kommt denn bei euch so in die Vase rein?

Sommer im Hexengarten: Mein Zitronentöpfchen

Nach so vielen bunten Beiträgen über Samenschätzkästchen (hier und hier), Minzgestrüpp, Vogelfreunden, Baumpralinen, Kräuterseife und fleißigen Kombuchapilzchen ist bei Atessa nach dem frischen Gurkensalat jetzt die Sauer-Gurken-Zeit ausgebrochen, gleich mit zwei leckeren Rezepte, einmal salzig-spritzig und einmal süß-sauer. Da verzeihe ich den Hang zum Dill gerne 😉 Und ich möchte euch heute ein paar meiner grünen Lieblinge auf der Terrasse vorstellen, nämlich die aus meinem Zitronentöpfchen.

Bei Pflanzen ist doch manchmal so wie bei Menschen: Es gibt einfach solche, die machen einem gute Laune, sobald man sie sieht. Eine von diesen Kandidatinnen bei mir auf der Terrasse ist definitiv die Zitronenverbene. Inzwischen ist sie auch bei uns als Teekraut relativ bekannt, aber so verbreitet wie in Frankreich ist sie doch noch nicht. Dort rangiert sie als Verveine auch bei den ganz normalen Teebeuteln in der selben Beliebtheitsklasse wie Minze und Kamille. Und ich kann es gut verstehen. Sie wirkt verdauungsfördernd und leicht beruhigend. Für mich ist ihr Aroma ein absoluter Gute-Laune-Kick, sicher auch unterstützt durch die vielen schönen Frankreicherinnerungen. So hat meine kleine Zitronenverbene im Frühling einen besonderen Ehrenplatz auf der Terrasse bekommen, im „Zitronentöpchen“ zusammen mit Zitronenthymian und Kreta-Melisse. Die drei scheinen sich auch ganz gut zu verstehen, wobei die Verbene eindeutig die wüchsigste unter ihnen ist und dem Thymian inzwischen etwas den Platz streitig macht. Ganz übel nimmt er es ihr wohl nicht, da er inzwischen zart rosa blüht. Die Zitronenverbene habe ich inzwischen schon mehrfach geschnitten und ihre Blätter getrocknet. Beides ist wirklich easy.

Farbe und Duft machen schon einfach gute Laune 🙂 Und hier seht ihr schön, dass ein abgeschnittenes Zweiglein einfach zu drei neuen führt.

Wenn man ihr einen Zweig kappt, dann entwickelt sie an der Schnittstelle bald neue Triebe – fast immer drei an der Zahl. Denn die Drei scheint schon von ihrer Blattsymmetrie her eindeutig die Lieblingszahl zu sein. So lässt sie sich gut in eine buschige Form bringen und trägt einem den Eingriff nicht nach. Genauso einfach ist das Trocknen der Blätter. Ich pflücke sie einfach vom Zwei und lege sie auf ein Küchentuch. Nach zwei, drei Tagen sind die Blätter so trocken, dass sie schon in die Dose für den Wintervorrat können. Zum Glück behalten sie anders als die Melisse ihr zitroniges Aroma auch nach dem Trocknen.

Zitroneverbeneneistee mit einem Schuss Pfirsichsaft – so lässt sich der Sommer auf der Terrasse aushalten

Ganz angetan bin ich auch vom Zitronenthymian und seinem Verwandten, dem Orangenthymian. Ich mag zwar auch den ganz klassischen Thymian sehr gerne, aber die beiden fruchtigen Varianten stehen ihm mit ihrem etwas zarteren Aroma auch in nichts nach. Für’s nächste Gartenjahr habe ich da auch schon einen Kandidaten entdeckt, der mich mit seinem Duft überzeugt hat. Auf einem Kalkmagerrasen, natürlich im Naturschutzgebiet, wo man nichts pflücken darf, habe ich eine Thymianart entdeckt, die lecker nach Bergamotte duftet. Ganz sicher bin ich mir mit der Bestimmung noch nicht, es könnte aber der Steppenthymian sein. Jedenfalls würde er sich bestimmt auch bei uns im Garten wohl fühlen.

Und dann ist da noch die Kreta-Melisse mit ihren hübschen, satt-grünen Blättern, die noch ein bisschen fruchtiger duften als die der gewöhnlichen Zitronenmelisse. Da bin ich noch am überlegen, ob ich eine Methode finde, ihr Aroma zu konservieren. Ansonsten bleibt sie eben ein Sonnenkind, deren Aroma im Wasserkrug oder als Limonade sofort Sommergefühle weckt. Auf jeden Fall freue ich mich immer wieder über meinen Zitronentopf mit den Gute-Laune-Pflanzen. Habt ihr auch solche Gute-Laune-Punkte bei euch im Garten oder auf dem Balkon? Oder Pflanzenkombis, die sich einfach gut vertragen? Ich bin gespannt!

Sommer im Hexengarten: Vogelfreu(n)de im Garten

An dieser Stelle muss ich einfach mal loswerden, wie sehr ich mich dieses Jahr über den „Sommer im Hexengarten“ freue. Tolle Beiträge und eine rege Diskussion in den Kommentaren – so macht bloggen richtig Spaß. Und für eure schönen Inspirationen möchte ich mich besonders bedanken. Nach einem Kästchen, das als Samenschatzkästchen umgestaltet werden möchte halte ich noch Ausschau, und mein erster Kombucha fermentiert schon vor sich hin. Sehr aufregend. Letzterer ist zusammen mit einem anderen fermetierfreudigen Freund bei mir eingezogen, über den ich euch auch bald berichten möchte. Aber jetzt sind erstmal Bernd & Iris dran. Mit einem ganz bezaubernden Beitrag zu ihren Vogelfreu(n)den im Garten:

Morgens und abends sitzen wir am Esstisch, blicken in den Garten und bekommen großes Kino geboten. Die Hauptdarsteller in wechselnder Besetzung: „unsere“ Vögel. Seit einiger Zeit lassen sich die gefiederten Freunde in wachsender Zahl hier blicken. An einem Sonntag haben wir mal ein Dutzend verschiedene Art in unserem Garten gezählt, und im Frühsommer tauchten Amseln, Grünfinken, Meisen, Rotkehlchen und Spatzen mit Nachwuchs auf.

Für den Garten als Revier spricht nach unseren Beobachtungen neben den Gehölzen als Rückzugsort (vor allem Eiben) die großzügige Versorgung mit Wasser. Dazu hatte uns ein Freund geraten, wofür wir ihm noch heute dankbar sind. Wir haben inzwischen sieben Trinkstellen: eine große Tränke auf einem Gestell, eine Hängetränke im Apfelbaum, drei tönerne Blumentopfuntersetzer verschiedenen Durchmessers und zwei kleine flache Tongefäße.

Ob allein oder in Gesellschaft: Vögel genießen die Wasserstellen

Vor allen an den größeren Tränken herrscht richtig Betrieb. Mindestens ebenso unverzichtbar wie die Wasserstellen selbst sind offenbar die Stecken neben ihnen. Was mal ein Anzeiger für Pflanzstellen war, dient nun als Anflugstation: zum Beobachten, ob die Tränke landebereit ist, oder eben zum Abwarten, bis am Wasser wieder Platz ist.

Apropos Platz: Wenn’s ums Baden geht, haben sich Meisen, Grünfinken und Spatzen schon als gesellig erwiesen und die jeweils andere Art neben sich in der „Wanne“ geduldet. Bienen hingegen, so ist uns aufgefallen, ziehen an den Tränken Abstand vor. Für die Insekten ist das Wasser ja genauso wichtig wie für die Vögel, manche pumpen die Erfrischung in sichtlich großen Schlucken in sich rein.


Ringeltauben waren die Dauergäste in unserem Holunder. Grünfinken und Spatzen „weiden“ den Rasen im Familienverband ab. Der Stieglitz nascht im Verborgenen.

Kleinere Insekten als Bienen & Co., die durch den Garten schwirren, landen öfters in einem Spatzenschnabel. Es ist verblüffend zu sehen, wie schnell die Sperlinge vom Boden aus nach Beute in die Luft schießen. Aber sie sind auch anderweitig geschickt, wenn es ums Futter geht: Da wir auf das letzte Rasenmähen vor dem Sommer verzichtet haben, konnten noch Gräser wachsen – ein gefundenes Fressen für die Spatzen. Faszinierend zu sehen, wie sie die Stängel biegen und dann die mittlerweile vertrockneten Rispen durch den Schnabel ziehen, um an ihre Leckerei zu kommen.

Erstmals in einem Sommer sind dieses Jahr regelmäßig Stieglitze zu Gast, obwohl wir keine Disteln haben und die ausgesäten Karden noch heranwachsen. Dafür haben sich diese Finken nach der Blüte über die Samenstände von Lavendel und Wegwarte hergemacht.

In den benachbarten Gärten in unserem Viertel stehen einige hohe Bäume. Ihnen verdanken wir noch eine besondere Vogelbeobachtung über unserem Garten: die ersten Flüge zweier junger Waldohreulen!

Mit einem herzlichen Gruß
Iris & Bernd

Ganz herzlichen Dank euch beiden für diesen schönen Einblick in euer Gartenleben! Wie ihr so schön schreibt, lässt sich ein Garten schon mit recht unaufwändigen Dingen für geflügelte Mitbewohner wertvoll gestalten. Mal auf’s Rasenmähen verzichten, Samenstände stehen lassen und natürlich eure wunderbaren Wasserstellen. Bei uns im Garten haben wir bisher nur eine, die aber vor allem von Insekten und den Nachbarskatzen rege genutzt wird. Unsere netten Feldwespen sind an den heißen Tagen in jeden Blumentopuntersetzer gekrabbelt, um dort zu trinken. Eine ist mir besonders aufgefallen, weil sie mehrmals am Wasserhahn saß, nachdem ich mir dort Wasser in die Gießkanne gefüllt habe. Da werde ich mir gerne ein Beispiel nehmen und einfach noch ein paar Untersetzer aufstellen. Vielen Dank für diese Anregung!

Sommer im Hexengarten: Vom Pralinenbaum

Unser Garten war in den letzten Monaten wirklich so eine Art Wundertüte. Fast jede Woche erschienen neue Pflanzen, stellte sich die Frage „Was wird das wohl, wenn es mal blüht?“ und ließ sich in nach und nach bei den meisten beantworten. Frühlingsblumen, Kirschblüten, Bergflockenblumen, wilde Orchideen, Königskerzen und jede Menge andere schöne Überraschungen hielt er bereit und auch an tierischen Begegnungen sparte er nicht. Verliebte Weinbergschnecken, eine Fasanendame, Glühwürmchen, Blattschneiderbienen und ein ganzer Chor an Grillen – immer gab es etwas neues zu entdecken. Auch wenn die Kirschbäume zwar hübsch blühen, ließ ihre Ernte doch etwas zu wünschen übrig. Ganz anders als bei einem meiner absoluten Lieblinge: der Felsenbirne. Über ihren zarten Blütenflor durfte ich mich schon im Frühling freuen und dann im Juli über ihre leckere Früchtchen. Ich verstehe absolut, warum man Felsenbirnen als Ziergehölze pflanzt. Hübsch sind sie von der Blüte über die violetten Früchte bis zum roten Herbstlaub. Was ich aber gar nicht verstehe ist, warum die meisten Menschen nicht wissen, wie lecker ihre Früchte schmecken. „Und die kann man wirklich essen?“ war bisher die häufigste Reaktion, wenn ich mit Freunden unterwegs welche gepflückt habe. Die meisten scheinen allerdings genug Vertrauen in meine Pflanzenkenntnisse zu haben, um sie selbst zu kosten. Und schmecken tun sie auch den meisten.

So lecker und doch recht unbekannt – die Felsenbirnen.

Ich mag ihr Aroma ganz besonders gerne, saftig süß und mit einem Hauch Marzipan. Deswegen heißt die Felsenbirne mancherorts wohl auch Pralinenbaum. Sie haben nur einen Nachteil, der mir dieses Jahr mit einem eigenen Baum zum beernten noch mehr aufgefallen ist: man muss schnell sein. Die Vögel mögen sie sehr gerne und ich dachte schon, ich muss mit ihnen um die Wette pflücken. Tatsächlich waren die Vögel aber das kleinere Problem, denn sie ernteten genauso wie ich um die Wette gegen die Überreife. Wenn Felsenbirnen nämlich einmal reif sind, „verhutzeln“ sie sehr schnell und fallen ab. Der Gartenweg lag schnell voller völlig eingeschrumpelter Früchtchen. Ob daher auch der Name Rosinenbaum kommt? Dass man die Früchte gut zu einer Art Rosinenersatz trocknen kann, glaube ich jedenfalls sofort. Statt Felsenbirnen-Rosinen herzustellen, habe ich mich auf einen anderen Versuch eingelassen, ihr leckeres Aroma über die kurze Erntezeit hinaus zu retten. Ich habe sie zusammen mit Granatapfelsaft zu Grütze eingekocht. Dazu habe ich folgenden Zutaten verwendet:

Meine Felsenbirnenernte aus dem Garten – also das, was nicht vorher direkt im Mund gelandet ist 😉

270 g Felsenbirnen
200 g Granatapfelsaft
100 g Gerlierzucker (3:1)
2 EL Zitronensaft

Die Felsenbirnen werden zuerst von ihren Stielchen befreit und dann zusammen mit den restlichen Zutaten im Topf aufgekocht. Man lässt die Grütze so lange kochen, wie der Gelierzucker braucht, um zu gelieren (steht auf der Packung). Da kann man einen Teil der Felsenbirnen mit einer Gabel etwas zerdrücken. Danach kommt das Ganze heiß in saubere Gläser und hält sich so ähnlich lange wie Marmelade. Außer dass ich es wesentlich schneller konsumiere als Marmelade. Auch wenn Grütze eines der seltsameren Worte der deutschen Sprache ist, ich liebe sie einfach. Egal ob die klassische rote Grütze, Kirschgrütze, gelbe Grütze, Pfirsichgrütze – die haben bei mir alle keine lange Halbwertszeit. Im Joghurt, zu Vanilleeis und -pudding, auf Pfannkuchen und Waffeln oder einfach pur, eine gute Grütze wertet so manchen Nachtisch auf. So auch meine exklusive Felsenbirnen-Granatapfelgrütze, von der es wohl kaum ein Gläschen in den Wintervorrat schaffen wird. Aber auch nicht schlimm, da muss ich eben Ausschau nach neuen Grützemöglichkeiten halten 😉

Frühsommergenuss ins Glas gepackt für später
Wer braucht schon fertigen Fruchtjoghurt, wenn man ihn auch in der Geschmacksrichtung Felsenbirne-Granatapfel selber mischen kann?

Falls ihr sie noch nicht kennt, könnt ihr euch die Felsenbirnen jedenfalls schonmal für die nächste Saison vormerken. Aber vielleicht habt ihr ja noch Tipps zu anderem, leckerem Wildobst. Ich würde mich freuen.