Leckeres (Un)Kraut

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie gut man Dinge übersehen kann, die man nicht kennt. Und wie man sie dann überall sieht, sobald sie einem mal aufgefallen sind. So ging es mir mit einem Kräutlein, das im Garten in einigen Blumenkübeln sprießt und bei genauerem Hinsehen noch an vielen anderen Stellen. Mit dem Bestimmungsbuch konnte ich es als das Behaarte Schaumkraut (Cardamine hirsuta) identifizieren – eine kleine Schwester des bekannten Wiesenschaumkrauts (Cardamine pratensis) also. Nachdem ich an einem Waldquell vor einigen Jahren seine andere Verwandte, das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara), entdeckt und lieben gelernt hatte (das Attribut „bitter“ passt kein bisschen zu seinem Geschmack), musste ich meine Topfbewohnerin natürlich auch gleich einem Geschmackstest unterziehen. Und den hat sie auf Anhieb bestanden. Die Zugehörigkeit zur der Familie der Kreuzblütler, zu denen auch Senf, Radieschen & Co gehören, lässt sich nicht leugnen. Kresseartig, deutlich milder als das Bittere Schaumkraut, aber sehr lecker. Es schmeckt schon einfach so zum Naschen super oder auf dem Brot mit Butter oder Frischkäse.

Ein paar Blättchen von behaarten Schaumkraut werten das Frühstücksbrot auf…
… und ein paar mehr dürfen es auch sein 😉

Und das Beste daran? Seit ich weiß, wie es aussieht, wächst es einfach überall. Naja, wahrscheinlich ist da auch schon vorher gewachsen, aber erst jetzt bemerke ich es. Kennt ihr das auch? Ich finde das schon ein bisschen verrückt, wie sehr unser Wissen unsere Wahrnehmung beeinflussen kann.

Ganz unscheinbar hat sich das Behaarte Schaumkraut im Topf angesiedelt und so bei mir den Sprung vom „Unkraut“ zur Nutzpflanze geschafft.

Auf jeden Fall hat mich dieses Erlebnis wieder zu dem Vorsatz geführt, wieder einmal mit noch offeneren Sinne durch die Natur zu gehen bzw. in ihr zu verweilen. Da gibt es noch so viel zu entdecken. Jetzt im Frühling natürlich auch viele leckere, frische Pflanzen. Was denn eure Favoriten und/oder Geheimtipps in Sachen Frühlingskräutern? Ich bin gerade echt in Entdeckerlaune.

Griechischer Bergtee heiß und kalt

Hoffentlich geht es euch in diesen verrückten Zeiten halbwegs gut. Wenn mir vor einem Jahr einer gesagt hätte, dass es mal eine staatlich verordnete Reisesperre gibt, ich hätte es bestimmt nicht geglaubt. Aber dieses Jahr bleibt uns statt Osterurlaub wohl nur die Erinnerung an vergangene Reisen und das kleine Glück Zuhause und in der Natur. Deswegen will ich euch heute eine kleine Geschichte von letztem Jahr erzählen.

Manchmal zweifle ich ja stark daran, ob Neugier eine Tugend ist, aber manchmal beglückwünsche ich mich dann doch dafür. So zum Beispiel bei meiner Reise nach Griechenland letztes Frühjahr. Unsere erste Station war das zauberhafte Delphi. Ich war wirklich schock-verliebt in diese wunderbaren blühenden Berge mit den geschichtsträchtigen Orten. Ein bisschen habe ich hier und auf der Haselmaus schon davon erzählt und denke immer noch oft und gerne an diese Reise. Und dort in Delphi habe ich auch meinen neuen Stern am Kräuterteehimmel kennen gelernt. In einer kleinen Taverna sah ich, wie der Wirt den Leuten am Nachbartisch eine Glaskanne mit länglichen Pflanzenteilen drin brachte. Von der Neugier gepackt fragte ich ihn, als er bei uns abräumte, gleich nach diesem Tee und bekam so auch eine Kanne Τσάι του βουνού (sprich Tsái tou vounoú , also Tee des Berges, so viel hatte ich verstanden). Was soll ich sagen, ich war begeistert. Richtig, richtig lecker. Wieder im Hotel musste ich natürlich gleich ein bisschen recherchieren, was das für ein Kraut ist, und fand heraus, dass es sich um den Griechischen Bergtee handelt, also eine von mehreren Arten der Gattung Sideritis, die zu Deutsch den etwas seltsamen Namen Gliedkaut trägt. Je nach Gegend werden unterschiedliche Arten von Bergtee verwendet und sie tragen dann auch so schöne Bezeichnungen wie zum Beispiel Olympischer, Parnassischer, Taygetischer oder Kretischer Bergtee.

Delphi – beeindruckende Berge, alte Heiligtümer und jeden Menge Blütenschätze

Schon Dioskurides schreibt in seiner Materia medica im 1. Jahrhundert von verschiedenen Pflanzen, die er Sideritis nennt. Seine Beschreibung spannelangen, vierkantigen Stängel und Blättern und Blüten ähnlich denen des Andorns passt ganz gut zum Bergtee und er schreibt ihm die Kraft zu, Wunden zu heilen. Damit ist er im Vergleich zu manchen heutigen Quellen sehr zurückhaltend, was die Wirkung angeht. Ich war schon ein bisschen erstaunt, was diese leckere Teepflanze, die dort in den griechischen Bergen offenbar gut wächst und sich sammeln lässt, laut einigen Internetseiten alles für Wunder wirken soll. Sogar Alzheimer, Demenz, Depressionen und ADHS waren darunter. Was für eine Wunderpflanze. Bei genauerem Hinsehen waren hinter diesen Angaben leider nicht so viele wissenschaftlich belegte Fakten, wie ich mir gewünscht hätte, aber das kommt ja bei „gehypten“ Heilpflanzen und Superfoods öfter vor. Was übrig blieb, war aber immer noch ein Kraut, das bei Erkältungskrankheiten und leichten Verdauungsstörungen auf jeden Fall eine gute Option darstellt, und bei dem es sich lohnt die aktuelle Forschung weiter im Auge zu behalten. Immerhin zeigt tatsächlich eine Studie an älteren Menschen, dass Griechischer Bergtee die kognitive Leistungsfähig verbessern und Angstzustände vermindern könnte (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30042362).

Wilde Ringelblumen mit Besucher

Besonders schade an solchen Hypes finde ich, dass zum Teil die Pflanzen und ihre Habitate darunter zu leiden haben. Ein großer Teil der Bergtee-Ernte stammt wohl nach wie vor aus Wildsammlung und das führt bei einigen Arte schon zur Beeinträchtigung der natürlichen Vorkommen. Damit will ich jetzt bestimmt nicht sagen, dass Wildsammlung generell schlecht ist. Ein paar dieser Sammlerinnen sind mir in Delphi selbst begegnet. Ich saß in einer der traumhaft schönen Blumenwiesen, um Orchideen und andere Blütenschätze zu fotografieren, als ein paar ältere Damen mit ihrem Auto anhielten und mit Körben ausstiegen. Eine kam in meine Richtung und hatte schon kurz Angst, dass sie mich vielleicht von ihrer Wiese verscheuchen will. Aber sie grüßte nur freundlich und rief ihren Kolleginnen zu, dass es hier nur Margeriten gebe und keine Kamille. Daraufhin fuhren sie weiter. Die Damen brauchen die Kräuter, die sie in den Bergen sammeln, bestimmt, um ihre Rente aufzubessern und sahen auch nicht aus, als würden sie großen Schaden an Pflanzenpopulationen anrichten. Allerdings ist es auch ein großer Unterschied, ob da für’s Dorf und die Touristen gesammelt wird oder für einen boomenden Exportmarkt. Und schließlich lassen sich einige Bergteearten auch anbauen.

Die Wiese mit „nur“ Margeriten…
… und so vielen wilden Orchideen und anderen Blütenschönheiten, dass mir das Herz vor Freude überging.

Wieder zurück daheim habe ich mir auch gleich noch mehr Bergtee aus Bio-Anbau besorgt und ihn den ganzen Sommer begeistert als Eistee getrunken, weil er auch kalt super lecker ist. Dafür nehme ich:

1 l Wasser
4-5 Blütenstände Bergtee oder entsprechend viele TL zerkleinerte Droge
200 ml Fruchtsaft

Das Kraut wird mit dem kochenden Wasser überbrüht und ich lasse es so lange ziehen, bis es nur noch lauwarm ist. Dann gieße ich den Tee durch ein Sieb in eine Flasche/Karaffe und stelle ihn in den Kühlschrank. Vor dem Trinken einfach den Fruchtsaft zumischen. Meine Lieblingskombination war wahrscheinlich die mit Apfel-Birnen-Saft, aber eigentlich haben sie alle von Orange über Traube bis Ananas gut geschmeckt. Durch seinen charakteristischen, aber nicht sehr aufdringlichen Geschmack macht sich der Bergtee hier super.

Bergtee in der Kanne

Jetzt in der kalten Jahreszeit ist mir der Bergtee einer der liebsten Guten-Abend-Tees nach dem Abendessen. Der Verdauung schadet er meiner Erfahrung nach nicht, schmeckt mit und ohne Honig und die entspannende Wirkung mag bei mir vielleicht schon durch den Geschmack hervorgerufen werden: für mich schmeckt er halt nach Urlaub. Da er sich wohl auch recht anspruchslos in Topf und Garten ziehen lässt. Ein paar Samen vom Parnassischen Bergtee (Sideritits raeseri), den ich dort am Fuße des Parnass zum ersten Mal getrunken habe, habe ich schon auf dem Fensterbrett ausgesät. Ein ganz kleines Bergteepflänzchen reckt auch schon seine Blätter ans Licht. Mal sehen, ob ich dann im Sommer auch ein Foto dieser hübschen Pflanze nachreichen kann.

So klein und schon ein Bergtee

Aromabalsam für Hände und Seele

Handlich, duftend und immer mit dabei

Ich weiß nicht warum, aber im Winter habe ich meistens trockene Handrücken, obwohl ich sonst nicht besonders zu trockener Haut neige. Der momentane Händewasch-Marathon macht das natürlich nicht besser. Da ist also reichhaltige Pflege von Nöten. Aus England hatte ich vor ein paar Jahren ein wunderbar duftendes, recht festes Handbalsam von einem Imker mitgebracht. Das mochte ich nicht nur so gerne, weil es meine „Problemzone“ Handrücken so schön gepflegt hat, sondern auch weil mir sein Duft in einigen Situationen das Leben leichter gemacht hat. Damals bin ich noch jeden Tag mit der Bahn gependelt und – wie soll ich es sagen, ohne gemein zu klingen – es gibt einfach Leute, die riechen nicht so gut. Dumm ist es dann, wenn sich so jemand dann ausgerechnet neben einen setzt. Man kann sich ja etwas abwenden, aber die Nase zuhalten geht natürlich schlecht. Da ist so ein duftendes Balsam Gold wert, denn sich die Hände damit einzucremen und eine Hand nachdenklich in der Nähe der Nase abzustützen, ist so einer Situation eine völlig unverfängliche Sache. Und nicht nur dort. Egal ob ich gerade eine kleine Duftaufmunterung brauche, weil irgendetwas nicht so läuft, oder mir etwas im wörtlichen oder übertragegen Sinne stinkt, mein Handbalsam steht mir als Aromatherapie für unterwegs so unauffällig wie treu zur Seite. Ihr könnt es euch sicher denken: inzwischen habe ich mein eigenes Rezept dafür und rühre es selbst. Schwer ist es wirklich nicht und besteht auch nur aus folgenden Zutaten:

2 g Sheabutter
2 g Bienenwachs
10 g fettes Öl
einige Tropfen ätherisches Öl

Sheabutter, Bienenwachs und fettes Öl werden zusammen in einem Wasserbad erwärmt, bis alles geschmolzen ist. Dann rührt man die ätherischen Öle unter und füllt das Balsam in entsprechende Behältnisse.

Kostbare Essenzen im Einsatz für das Aromabalsam

Für unterwegs eignen sich handliche Metalldöschen oder Cremetiegel gut (die auf dem Foto hatte ich mal als Pralinendöschen auf einer Hochzeit bekommen). Man kann das Balsam aber auch in Lippenstifthülsen füllen. Als Duftmischung mag ich besonders gerne

  • Rose-Orangenblüte (1 Tr Rose, 1 Tr Neroli)
  • Rose-Lavendel (1 Tr Rose, 2 Tr Lavendel)
  • Südsee-Schönheit (1 Tr Frangipani, 2 Tr Benzoe)
  • festes Parfum (einige Tropfen Lieblingsparfum)

Ich dosiere die ätherischen Öle meist recht sparsam, aber je nach persönlichem Geschmack kann man natürlich auch mehr für einen intensiveren Duft nehmen. Aber lieber vorsichtig herantasten. Als fettes Öl nehme ich gerne

  • Jojobaöl pur
  • halb-halb Jojoba- und Mandelöl
  • 7 g Mandelöl, 3 g Nachtkerzenöl (besonders nährend)

Aber im Prinzip eignet sich dafür auch jedes andere fette Öl. Wenn es auf den Duft ankommt, sollte man natürlich keine mit einem zu starken Eigengeruch nehmen (Olive, Kokos), es sei denn er soll zur Duftkomposition beirtagen. Ich bin mir sicher, da findet jeder seinen Lieblingsduft. Was ich noch nicht ausprobiert habe, was aber sicher auch super funktioniert, ist einen duftenden Ölauszug als Basis zu nehmen (Rosenöl, Lavendelöl, Vanilleöl, Tonkaöl o.ä.). Dann braucht man vielleicht nicht einmal zusätzlich ätherische Öle. Der Kreativität bei den Zutaten ist also keine Grenze gesetzt – Hauptsache der Duft streichelt die Seele. Was sind denn eure Wohlfühldüfte oder -duftkombinationen? Sprich die, die ihr gerne immer dabei hättet?

Darf’s ein bisschen Meer sein?

Gesund und einfach schön – die Meeresbrandung

Wellenrauschen, die Füße im feuchten Sand, frischer Wind in den Haaren, Salzgeschmack auf den Lippen – so ein Spaziergang am Meer ist einfach eine Wohltat für Körper und Seele. Leider ist das nächste richtige Meer über 500 km von meinem Heimatort entfernt und das ist wirklich etwas zu weit für regelmäßige Strandspaziergänge. Kein Ersatz, aber eine kleine Entschädigung dafür ist der Gradierpavillon in Bad Mergentheim. Dort fließt die stark salzhaltige Sole einer Thermalquelle über ein Geflecht aus Weiß- und Schwarzdornzweigen und reichert die Luft im Pavillon so mit heilsamen Salzwassertröpfchen an (hier ein paar Impressionen: https://www.bad-mergentheim.de/de/gesundheit/kuranlagen/gradierpavillon-id_2092/). Der Pavillon hatte es mir so angetan, dass ich mir dachte, dass muss ich doch auch irgendwie Zuhause hinkriegen. Gerade in der Erkältungszeit könnte so eine Salzbrise zur Vorbeugung von Atemwegsinfekten sicher nicht schaden. Deswegen habe ich mir einen „Aroma Diffuser“ für ätherische Öle zugelegt. Der tut ja auch nichts anderes, als Wasser zu feinen Tröpfchen zu vernebeln. In der Gebrauchsanleitung steht zwar, dass man ihn nur mit Wasser und ätherischen Ölen betreiben soll, aber das Salzwasser mit und ohne ätherische Öle vernebelt mir bisher auch sehr brav ohne Schaden genommen zu haben.

Der richtige Salzgehalt

Salzwasser selbst herzustellen ist auch keine Kunst. Man nehme abgekochtes Wasser und eine entsprechende Menge Salz und löse das Salz im Wasser. Fertig! Nur mit der Konzentration muss man Acht geben. Dafür sollte man mit einer Waage arbeiten. Ein paar Zahlen zum Merken wären hier:

  • 0,9 % Salzgehalt (also 9 g Salz auf Liter Lösung) entsprechen einer isotonen Salzlösung. Sie ist zu unserem Blutplasma iso-osmotisch, sprich wenn sie in Kontakt mit unseren Zellen z.B. auf der Nasenschleimhaut kommt, entzieht sie den Zellen weder Wasser noch Mineralstoffe.
  • 3,5% Salzgehalt (35 g Salz auf Liter Lösung) hat Meerwasser im Durchschnitt. Es ist also deutlich salziger als unser Blutplasma und zieht uns quasi das Wasser aus den Zellen, wenn es auf unsere Schleimhäute gelangt. Das macht unter anderem die Wirkung des „Reizklimas“ am Meer aus, löst auch Schleim und wirkt gegen Krankheitserreger.
  • Mit 35,6% Salzgehalt (356 g pro Liter Lösung) ist eine Salzlösung gesättigt, d.h. mehr Salz lässt sich einfach nicht darin lösen.

Mit etwa 28% Salzgehalt ist das Tote Meer also gar nicht mehr so weit weg von der gesättigten Salzlösung und macht das Schwimmen schwer, weil wir deutlich mehr Auftrieb haben als in Süßwasser. Die Ostsee gehört übrigens zu den weniger salzhaltigen Meeren. In ihr findet man einen Salzgehalt von 0,2 – 2%. Das Mittelmeer ist mit 3,6 – 3,9% etwas salzhaltiger als der Durchschnitt.

Hier noch einmal plastisch: eine isotone Kochsalzlösung bekommt man aus 0,9 g Salz und 99,1 g Wasser, eine in Meerwasserkonzentration aus 3,5 g Salz und 96,5 g Wasser und eine gesättigte aus 35 g Salz und 65 g Wasser.

Während man für die Nasenspülung immer eine isotone Salzlösung mit 0,9% herstellen sollte (sonst zieht es einem echt alles aus der Nase, nicht sehr angenehm), verwende ich für meine Nebellampe gerne auch die Meerwasservariante mit 3,5%. Da „riecht“ man beim Einatmen das Salz und schmeckt es auf den Lippen – so wie in der Meeresbrandung eben.

Salz gleich Salz?

Als Wasser für meine Salzlösungen nehme ich abgekochtes Leitungswasser. Beim Salz bin ich etwas wählerischer. Im Prinzip kann man auch ganz normales Speisesalz nehmen, das besteht chemisch wie das Meersalz hauptsächlich aus Natriumchlorid (zu deutsch Kochsalz), also dem Stoff, denn ich will. Allerdings enthält Speisesalz oft noch Rieselhilfen, Jod und Fluor und die brauchen wir zum Inhalieren nicht. Die nächste Option ist natürlich Meersalz, wie man es im gut sortierten Lebensmittelhandel auch ganz ohne Zusätze bekommt. Was Meersalz sehr wahrscheinlich leider auch enthält, ist allerdings Mikroplastik. Das wäre dann also ganz Original wie am Meer. Ich verwende deswegen am liebsten so genanntes Steinsalz, also Salz, das aus einem Salzbergwerk stammt und sich vor vielen Millionen Jahren in einem Urmeer abgelagert hat. Die Dinos und ihre Vorfahren haben dankenswerterweise noch keine Plastiktüten ins Meer geworfen. Unter die Kategorie Steinsalz fällt auch das hochgelobte Himalayasalz. Dabei handelt es sich übrigens genauso um Natriumchlorid wie bei ganz normalem Salz. Seine teils rötliche Färbung hat es durch „Verunreinigung“ mit Eisenoxid (=Rost). Wer sich gerne mit Steinsalzkristallen umgibt, dem kann ich einen Besuch in einem unserer Salzbergwerke nur anraten. Bei meinem Besuch in dem Salzbergwerk in Bad Friedrichshall bekamen wir für ein paar Euro neben einer netten Führung durch einen echten Bergmann und jede Menge gesunder Salzluft auch noch Steinsalzbrocken „so viel, wie ihr halt haben wollt“ aus dem Abraumhaufen. Damit hätten wir viele Salzkristalllampen bauen können 😉

Kein Ersatz für’s Meer, aber doch ganz stimmungsvoll und gut für eine Salzbrise zwischendurch

Den Spaziergang am Meer ersetzt mein Nebelbrunnen mit Salzwasser natürlich nicht, aber als wohltuende und vorbeugende Inhalation will ich ihn wirklich nicht mehr missen. Videos und CDs mit Meeresrauschen gibt es ja genug. Vielleicht sollte ich mich noch daran machen eine ätherische Ölmischung mit Meeresduft zu kreieren? Oder habt ihr noch Tipps, wie man sich noch mehr Meer ins Wohnzimmer holen kann?

Buchschätzchen für Lavendelfreunde

Vor einiger Zeit habe ich ein ganz besonderes Büchlein als Rezensionsexemplar vom pala Verlag bekommen: „Lavendelschätze“ von Elke Puchtler. Und wie der Name schon sagt, ist es natürlich ein Buchtipp für Freunde des duftenden Krautes. Der Untertitel „Von Pflanzen, Düften und Menschen. Gartenpraxis, Heilkraft, Entspannung, Rezepte“ beschreibt schön treffen den Inhalt des Buches. Neben ganz praktischen Kapiteln kommen schöne persönliche Geschichten der Autorin rund um ihre ganz offensichtliche Lieblingspflanze nicht zu kurz.

Mit guter Lektüre und Tee – so lässt sich der Winter genießen

Zu den ganz praktischen Teilen gehört eine Einführung in die Botanik des Lavendels und, wie man ihn im Garten oder Topf anpflanzen und pflegen kann. Ich wusste ja, dass es mehr als eine Sorte Lavendel gibt, aber dass es ihn in Blütenfarben von weiß über rosa bis hin zu vielen verschiedenen Violettönen gibt, war mir nicht so bewusst. In der übersichtlichen Tabelle von Frau Puchtler sollte jeder „seine“ Sorte finden, ob für die Kräuterhecke, den Balkonkasten, winterhart oder eher für warme Gegenden. Ein besonderes Herzstück des Buches sind sicher die vielen Lavendelrezepte für die Küche in süß und deftig (viele davon sind übrigens auch ohne Lavendel bzw. mit anderen Kräutern sehr lecker) und für Gesundheit und Wohlbefinden. Wie man eigenes Lavendelöl richtig ansetzt, erfährt man hier ebenso, wofür der Lavendel als Heilpflanze alles gut ist. Jede Menge schöne Ideen zum Nachmachen.

Besonders berührt hat mich aber gerade auch die persönliche Beziehung, die die Autorin mit dem Lavendel verbindet. Sie steht wirklich mit Herz und Seele dahinter. Sie nimmt uns mit auf ihre Lavendelreisen quer durch Deutschland und – wie könnte es anders sein – in die Provence. Allerdings nicht auf die großen Lavendelfelder, die wir alle als Postkartenmotiv kennen, sondern in die Berge der Drôme, wo auch der wilde Lavendel wächst. Das hat mir wirklich etwas Fernweh beschert, denn während meines Studium durfte ich ein Jahr nicht weit von dort in Grenoble verbringen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie wir ein Wochenende mit den Laborkollegen im südlichen Vercors verbracht haben und die eine einheimische Doktorandin auf der ganzen Autofahrt dorthin damit aufgezogen wurde, dass sie nicht davon abzubringen war, dass man dort schon „la lumière du Midi“, also das Licht des Süden spürt. Woran es genau liegt, kann ich nicht sagen, aber ich fand sie hatte Recht. Irgendwie wirkt das Licht dort anders und ganz offensichtlich gedeihen dort schon Mittelmeerkräuter mit einem so intensiven Aroma, wie man es bei uns kaum findet. Ich kann mir gut vorstellen, dass der wilde Lavendel von dort etwas ganz besonderes ist. Das möchte ich zu gerne selbst einmal erleben und erschnuppern.

Naja, zumindest gibt Frau Puchtler dem Lavendel im heimischen Garten in Deutschland auch sehr positive Zukunftsaussichten. Wenn das Klima bei uns wärmer und trockener wird, gehört er sicher zu den Gewinnern dieser Veränderung. Ich bin zwar kein Freund von Neujahrsvorsätzen, aber die Tatsache, dass in meinem Garten bisher kein Lavendel wächst, wird sich diese Saison ganz sicher ändern.

Alles in allem hatte ich viel Freude beim Lesen der „Lavendelschätze“. Habt ihr denn vielleicht noch ein paar Buch- oder Internettipps zum Thema Kräutergarten? Ich bin im Moment nämlich noch fleißig am Schmökern voller Vorfreude auf mein erstes Gartenjahr.

Quittenöl und Verwertung von Weihnachtsgebäck

Eine einsame Apfelquitte hatte ich noch aus dem Herbst. In meinem „Freiluftkühlschrank“ hatte sie sich aber super gehalten und jetzt in den Weihnachtsferien wollte ich endlich etwas ausprobieren, dass ich schon seit einigen Jahren im Hinterkopf habe: Quittenöl. In ihrer Schale hat die die Quitte nämlich Wachs und ätherische Öle, die die Frucht lange frisch halten und für unsere Haut sehr pflegend sein sollen. Um diese wertvollen Stoffe aus der Quittenschale auf unsere Haut zu bekommen, lässt sich aus den Quittenschalen ein Ölauszug machen. Dafür habe ich verwendet:

eine Apfelquitte
50 ml Mandelöl

  • Zuerst reibt man mit einem Küchentuch den Pelz von der Quittenschale. Darunter ist sie leuchtend wachsig gelb und duftet wunderbar fruchtig.
  • Mit einem Sparschäler schält man die Quittenschale ganz dünn ab, so dass möglichst nur Schale und kein/kaum Fruchtfleisch dabei ist.
  • Die Quittenschalenstreifen werden klein geschnitten und für ein paar Stunden zum Antrocknen auf ein Küchentuch gelegt.
  • Dann kommen die Quittenschalnestückchen zusammen mit dem Öl in sauberes Glas und dürfen an einem warmen, vorzugsweise dunklen Ort etwa 2 Wochen ziehen.
  • Die Schalenstückchen müssen nun noch abgesiebt werden und fertig ist das herrlich duftende Quittenschalenöl.

Das Quittenöl lässt sich pur als Hautpflege verwenden oder als Creme, Salbe oder Lippenpflege weiterverarbeiten. Auf jeden Fall sollte man es nicht zu lange erwärmen, nicht dass der feine Duft und die Inhaltsstoffe davon kaputt gehen. Der Duft des Öls ist die Mühe mit dem sorgsamen Schälen wirklich wert. Mal sehen, was ich aus dem feinen Öl vielleicht noch mache oder ob ich es hauptsächlich pur verwende.

Quitten-Apfel-Spekulatius-Genuss

Die Quitte ohne ihre Schale habe ich natürlich auch nicht weggeworfen, sondern zu einem Quitten-Apfel-Spekulatius-Trifle verarbeitet und dabei auch noch Weihnachtsgebäck verbraucht, das Weihnachten überlebt hatte. Dafür braucht man:

1 Quitte
3 Äpfel
400 ml Apfelsaft
4 EL Speisestärke
4 EL Honig
1 Zitrone (Schale zum Verzehr geeignet)
200 g Spekulatius (oder anderes Weihnachtsgebäck zum „Entsorgen“)
600 g griechischen Joghurt

  • Äpfel und Quitte schälen, Kerngehäuse entfernen und in Würfelchen schneiden.
  • Die Speisestärke mit etwas Apfelsaft in einer Schüssel anrühren und den restlichen Apfelsaft mit den Apfel- und Quittenstückchen und dem Zitronensaft und -abrieb in einem Topf zum Kochen bringen. Ich habe in einem Teebeutel noch etwas Glühweingewürz mitgekocht.
  • Wenn der Saft kocht, die Speisestärkemischung mit einem Schneebesen unterrühren und noch eine Weile weiterkochen lassen, bis der Saft schön angedickt ist. Danach vom Herd nehmen und den Honig unterrühren.
  • In eine Auflaufform oder Dessertgläschen abwechselnd Apfelmasse, Joghurt und zerbröselte Kekse schichten und im Kühlschrank für etwa eine halbe Stunde ziehen lassen. Fertig ist die Weihnachtsplätzchenverwertung 😉
Unsere Silversternachspeise: Quitten-Apfel-Spekulatius-Trifle

Weil es mir so gut geschmeckt hat und eigentlich echt schnell zubereitet ist, werde ich das sicher auch noch mit anderen Obst- und Kekssorten ausprobieren. Gerade für Kekse, die schon eine Weile herumstehen und nicht mehr ganz so knusprig sind, ist das eine super Verwertung.