Kräuterbuschen VI: Die grünen Feen

Hier entfaltet der Beifuß gerade seinen Blätter.

Hier entfaltet der Beifuß gerade seinen Blätter.

Eine Pflanzengattung, die ihr Ansehen als „Frauenpfanze“ schon im botanischen Namen trägt, darf natürlich auch im Kräuterbuschen nicht fehlen, nämlich die Artemisia. Der Bezug Artemis, der Schutzgöttin der Frauen und Kinder, kommt nicht von Ungefähr, denn schon in der Antike schätze man die verschiedenen Beifußarten (so heißt die Gattung Artemisia auf Deutsch) als Heil- und Zauberpflanzen. Allen voran war der Gewöhnliche Beifuß (Artemisia vulgaris) eines der Mittel der Wahl bei vielen Frauenleiden. Besonders heil- und zauberkräftig galt er am Johannistag gepflückt. An diesem Tag band man sich auch Gürtel aus Beifuß, tanzte mit ihnen ums Johannisfeuer und warf sie anschließend hinein. So sollte man seine Leiden los werden. Wenn man am Sonnwendtag (oder Johannistag) mittags nach dem ersten und vor dem letzten Schlag des Mittagsläutens oder in der Geisterstunde die Wurzeln einer Beifußstaude ausgrub, sollte man mit etwas Glück drunter „Beifußkohlen“ finden, die Glück bringen und alle Krankheiten vertreiben. Auch als Räuchermittel ist der Beifuß seit Alters her in Gebrauch. Übrigens nicht nur bei uns. Denn der Prairie Sage, der eine wichtige Rolle als Räuchermittel bei vielen nordamerikanische Indianervölkern spielt, ist auch kein Salbei (sage heißt Salbei), sondern eine Beifußart.

Die grüne Fee

Die grüne Fee

Noch eine andere Artemisia-Art spielt bei uns in Heilkunde und Brauchtum eine wichtige Rolle: der Wermut (Artemisia absinthium). Allerdings ist er als eine der Hauptzutaten des Absinths ziemlich in Verruf gekommen, dabei ist er – natürlich in richtiger Dosierung – eine sehr wertvolle Heilpflanze inbesondere bei Beschwerden des Verdauungssystems. Salbei enthält übrigens ebenso das gefürchtete Thujon. Mit seinem stark aromatischem Duft galt auch der Wermut als dämonenabwehrend. Bauern räucherten ihre Ställe mit ihm, um das Vieh vor Verhexung zu schützen, und in die Wiege gelegt sollte er Kinder vor Geistern schützen. So gehört er in vielen Gegenden auch in der Kräuterbuschen.

2 Kommentare zu “Kräuterbuschen VI: Die grünen Feen

  1. 21. August 2015 um 15:50

    Den Beifuß habe ich seit einiger Zeit im Garten, und inzwischen liebe ich ihn sehr. Da fällt mir ein, dass ich noch einen Kräuterschnaps damit ansetzen wollte. Vor vielen Jahren habe ich in Kalifornien „sage“ gesammelt, so viel, dass ich immer noch einen kleinen Vorrat davon habe. Das ist mein größter Räucherschatz.

    • mirjam
      21. August 2015 um 17:29

      Beifußschnaps klingt spannend. Ich mag das Aroma vom Beifuß sehr gerne. Als Kräuterwein mit etwas Honig schmeckt er mir besonders gut 🙂

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