Etwas Hildegard und eine Kastanienleckerei

Zu Weihnachten hatte ich mir selbst ein kleines Geschenk gemacht: Eine Ausgabe der Physica von Hildegard von Bingen. Die kannte ich bisher nur in Auszügen und war schon lange neugierig darauf, was denn so dran ist an dem ganzen Hype um die Hildegardmedizin. Das Buch war definitiv seine Anschaffung wert. Selten habe ich in ein und dem selben Werk so viele Dinge gefunden, die spannend sind, gleich neben solchen, die doch zu erheblichem Schmunzeln führen. Interessant ist auch zu sehen, was die ganze heutige „Hildegard-Industrie“ aus ihren Rezepten und Empfehlungen macht. Zu allererst war ich etwas enttäuscht, dass der von heutigen Hildegard-Fans so hoch gelobte Dinkel (und ich liebe Dinkel auch) im Originalwerk nur einen kleinen Absatz hat. Ja, sie schätzt ihn zwar als Getreide, aber als Wundermittel preist sie ihn nicht gerade. Eines ihrer absoluten Allheilmittel dagegen scheint die Esskastanie zu sein. Das beginnt schon mit der Aussage: „Alles, was an ihm (dem Kastanienbaum) ist, ist nützlich und auch seine Frucht ist nützlich gegen jede Krankheit, die im Menschen sei“. Sein Holz empfiehlt sie als Stärkungsmittel, Rinde und Blätter gegen Viehseuchen und die Früchte sollen bei Kopfschmerzen (wem das Gehirn vor Trockenheit leer ist), Herz-, Milz-, Magen- und Leberproblemen helfen. Für letztere soll man mit Honig zerstoßene Esskastanien essen. Das brachte mich auf eine Idee, nachdem ich zuvor mit Kastanienmehl experimentiert hatte und von seinem Geschmack begeistert war. Ähnlich wie die Kastanie schreibt Hildegard auch dem Mandelbaum wärmende Eigenschaften zu, die Leber und Lunge unterstützen sollen. Nach dem ziemlich gewöhnungsbedürftigen Bärwurz-Birnhonig wollte ich mal was Leckeres frei nach Hildegard für die Frühjahrskur ausprobieren und heraus kam: Maronipan.

Lecker und vielleicht auch ein bisschen gesund

Man nehme:

70 g Kastanienmehl
30 g gemahlene Mandeln
4 EL flüssigen Honig
Rosenwasser

Zuerst verknetet man Kastanienmehl, Mandeln und Honig miteinander und gibt dann noch so viel Rosenwasser dazu, bis ein schön geschmeidiger Teig entsteht. Diesen kann man dann wie Marzipankartoffeln zu Kugeln rollen oder in sonst eine Form bringen. Das tut dem Geschmack keinen Abbruch.

Im Feldversuch erwiesen sich die Maronipankugeln wohl als gesellschaftstauglich. Alle fanden sie lecker. Ob man damit jetzt wirklich der Leber etwas gutes tut, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall geben sie für Frühjahrskur und/oder Fastenzeit sicher eine halbwegs gesunde Leckerei ab, wenn einen doch mal die Lust auf Süßes packt 😉

Wer übrigens denkt, Hildegard konzentriert sich bei ihren Heilmitteln auf Kräuter und Edelsteine, wie es viele Hildegardbücher glauben lassen wollen, hat weit gefehlt. Bei den Kräutern hat sie ja bisweilen schon eigenwillige Rezepte und Ansichten, über die Wirkung der Steine kann man sich sicher auch streiten, aber für unsere Wahrnehmung besonders seltsam wird es bei den Heilmitteln tierischer Herkunft. Die nehmen einen nicht weniger prominenten Platz in ihrem Werk ein als Pflanzen und Steine. Eigentlich schreibt sie zu fast jedem einheimischen Tier, gegen welche Gebrechen man es verwenden kann. Zum Beispiel empfiehlt sie pulverisierte Wespen zusammen mit Bärwurz gegen giftige Stoffe im Essen. Warum das wohl nicht als Entgiftungskur populär geworden ist?

2 Kommentare zu “Etwas Hildegard und eine Kastanienleckerei

  1. 8. März 2017 um 21:00

    Jaja, die Hildegard … Ich glaube, die wird heutzutage auch gern mal missverstanden, weil man denkt, so jemand kann doch nicht z. B. Tiere zu Gesundheitszwecken missbraucht haben. 😉 Pulverisierte Wespen bräuchte ich nun auch nicht, aber das ist möglicherweise noch eines der harmloseren Rezepte.
    Wo bekommt man denn Kastanienmehl??? Die Maronipankugeln hören sich echt toll an und sehen auch noch so gut aus. Wenn sie dann auch noch gesund sind, was sollte dem Genuss im Wege stehen?

    • mirjam
      9. März 2017 um 07:32

      Ja, die pulverisierten Wespen gehören tatsächlich noch zu den harmlosen Sachen bei Hildegard. Das Kastanienmehl gibt es bei uns im Bioladen bei den glutenfreien Sachen. Ich habe es inzwischen sogar in einem Supermarkt gesehen, der inzwischen viel glutenfreie und regionale Produkte anbietet. Ansonsten könnte man das Maronipan sicher auch mit zerstampften Maronen machen.

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