Griechischer Bergtee heiß und kalt

Hoffentlich geht es euch in diesen verrückten Zeiten halbwegs gut. Wenn mir vor einem Jahr einer gesagt hätte, dass es mal eine staatlich verordnete Reisesperre gibt, ich hätte es bestimmt nicht geglaubt. Aber dieses Jahr bleibt uns statt Osterurlaub wohl nur die Erinnerung an vergangene Reisen und das kleine Glück Zuhause und in der Natur. Deswegen will ich euch heute eine kleine Geschichte von letztem Jahr erzählen.

Manchmal zweifle ich ja stark daran, ob Neugier eine Tugend ist, aber manchmal beglückwünsche ich mich dann doch dafür. So zum Beispiel bei meiner Reise nach Griechenland letztes Frühjahr. Unsere erste Station war das zauberhafte Delphi. Ich war wirklich schock-verliebt in diese wunderbaren blühenden Berge mit den geschichtsträchtigen Orten. Ein bisschen habe ich hier und auf der Haselmaus schon davon erzählt und denke immer noch oft und gerne an diese Reise. Und dort in Delphi habe ich auch meinen neuen Stern am Kräuterteehimmel kennen gelernt. In einer kleinen Taverna sah ich, wie der Wirt den Leuten am Nachbartisch eine Glaskanne mit länglichen Pflanzenteilen drin brachte. Von der Neugier gepackt fragte ich ihn, als er bei uns abräumte, gleich nach diesem Tee und bekam so auch eine Kanne Τσάι του βουνού (sprich Tsái tou vounoú , also Tee des Berges, so viel hatte ich verstanden). Was soll ich sagen, ich war begeistert. Richtig, richtig lecker. Wieder im Hotel musste ich natürlich gleich ein bisschen recherchieren, was das für ein Kraut ist, und fand heraus, dass es sich um den Griechischen Bergtee handelt, also eine von mehreren Arten der Gattung Sideritis, die zu Deutsch den etwas seltsamen Namen Gliedkaut trägt. Je nach Gegend werden unterschiedliche Arten von Bergtee verwendet und sie tragen dann auch so schöne Bezeichnungen wie zum Beispiel Olympischer, Parnassischer, Taygetischer oder Kretischer Bergtee.

Delphi – beeindruckende Berge, alte Heiligtümer und jeden Menge Blütenschätze

Schon Dioskurides schreibt in seiner Materia medica im 1. Jahrhundert von verschiedenen Pflanzen, die er Sideritis nennt. Seine Beschreibung spannelangen, vierkantigen Stängel und Blättern und Blüten ähnlich denen des Andorns passt ganz gut zum Bergtee und er schreibt ihm die Kraft zu, Wunden zu heilen. Damit ist er im Vergleich zu manchen heutigen Quellen sehr zurückhaltend, was die Wirkung angeht. Ich war schon ein bisschen erstaunt, was diese leckere Teepflanze, die dort in den griechischen Bergen offenbar gut wächst und sich sammeln lässt, laut einigen Internetseiten alles für Wunder wirken soll. Sogar Alzheimer, Demenz, Depressionen und ADHS waren darunter. Was für eine Wunderpflanze. Bei genauerem Hinsehen waren hinter diesen Angaben leider nicht so viele wissenschaftlich belegte Fakten, wie ich mir gewünscht hätte, aber das kommt ja bei „gehypten“ Heilpflanzen und Superfoods öfter vor. Was übrig blieb, war aber immer noch ein Kraut, das bei Erkältungskrankheiten und leichten Verdauungsstörungen auf jeden Fall eine gute Option darstellt, und bei dem es sich lohnt die aktuelle Forschung weiter im Auge zu behalten. Immerhin zeigt tatsächlich eine Studie an älteren Menschen, dass Griechischer Bergtee die kognitive Leistungsfähig verbessern und Angstzustände vermindern könnte (https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30042362).

Wilde Ringelblumen mit Besucher

Besonders schade an solchen Hypes finde ich, dass zum Teil die Pflanzen und ihre Habitate darunter zu leiden haben. Ein großer Teil der Bergtee-Ernte stammt wohl nach wie vor aus Wildsammlung und das führt bei einigen Arte schon zur Beeinträchtigung der natürlichen Vorkommen. Damit will ich jetzt bestimmt nicht sagen, dass Wildsammlung generell schlecht ist. Ein paar dieser Sammlerinnen sind mir in Delphi selbst begegnet. Ich saß in einer der traumhaft schönen Blumenwiesen, um Orchideen und andere Blütenschätze zu fotografieren, als ein paar ältere Damen mit ihrem Auto anhielten und mit Körben ausstiegen. Eine kam in meine Richtung und hatte schon kurz Angst, dass sie mich vielleicht von ihrer Wiese verscheuchen will. Aber sie grüßte nur freundlich und rief ihren Kolleginnen zu, dass es hier nur Margeriten gebe und keine Kamille. Daraufhin fuhren sie weiter. Die Damen brauchen die Kräuter, die sie in den Bergen sammeln, bestimmt, um ihre Rente aufzubessern und sahen auch nicht aus, als würden sie großen Schaden an Pflanzenpopulationen anrichten. Allerdings ist es auch ein großer Unterschied, ob da für’s Dorf und die Touristen gesammelt wird oder für einen boomenden Exportmarkt. Und schließlich lassen sich einige Bergteearten auch anbauen.

Die Wiese mit „nur“ Margeriten…
… und so vielen wilden Orchideen und anderen Blütenschönheiten, dass mir das Herz vor Freude überging.

Wieder zurück daheim habe ich mir auch gleich noch mehr Bergtee aus Bio-Anbau besorgt und ihn den ganzen Sommer begeistert als Eistee getrunken, weil er auch kalt super lecker ist. Dafür nehme ich:

1 l Wasser
4-5 Blütenstände Bergtee oder entsprechend viele TL zerkleinerte Droge
200 ml Fruchtsaft

Das Kraut wird mit dem kochenden Wasser überbrüht und ich lasse es so lange ziehen, bis es nur noch lauwarm ist. Dann gieße ich den Tee durch ein Sieb in eine Flasche/Karaffe und stelle ihn in den Kühlschrank. Vor dem Trinken einfach den Fruchtsaft zumischen. Meine Lieblingskombination war wahrscheinlich die mit Apfel-Birnen-Saft, aber eigentlich haben sie alle von Orange über Traube bis Ananas gut geschmeckt. Durch seinen charakteristischen, aber nicht sehr aufdringlichen Geschmack macht sich der Bergtee hier super.

Bergtee in der Kanne

Jetzt in der kalten Jahreszeit ist mir der Bergtee einer der liebsten Guten-Abend-Tees nach dem Abendessen. Der Verdauung schadet er meiner Erfahrung nach nicht, schmeckt mit und ohne Honig und die entspannende Wirkung mag bei mir vielleicht schon durch den Geschmack hervorgerufen werden: für mich schmeckt er halt nach Urlaub. Da er sich wohl auch recht anspruchslos in Topf und Garten ziehen lässt. Ein paar Samen vom Parnassischen Bergtee (Sideritits raeseri), den ich dort am Fuße des Parnass zum ersten Mal getrunken habe, habe ich schon auf dem Fensterbrett ausgesät. Ein ganz kleines Bergteepflänzchen reckt auch schon seine Blätter ans Licht. Mal sehen, ob ich dann im Sommer auch ein Foto dieser hübschen Pflanze nachreichen kann.

So klein und schon ein Bergtee

4 Kommentare zu “Griechischer Bergtee heiß und kalt

  1. 1. April 2020 um 20:38

    Hallo Mirjam
    Wieder so schöne Fotos. Den griechischen Bergtee habe ich schon lange im Garten.Der Tee ist so zart und tut bei Erkältungen richtig gut. Ganz winterhart ist er nicht -ich hoffe er hat dieses Mal überlebt.

    Bleib gesund
    Liebe Grüße
    Claudia

    • mirjam
      2. April 2020 um 07:26

      Oh, das ist ja spannend! Wo genau wächst er denn bei dir? Hat er sich selbst vermehrt oder hilfst du da nach? Und wie ergiebig ist denn die Ernte von einer Pflanze? Ich bin dankbar für jeden Tipp 🙂

  2. 2. April 2020 um 11:40

    Hallo Mirjam
    Er wächst in meiner Kräuter Spirale. Im Winter wird er abgedeckt mit tannenzweigen ( er ist noch abgedeckt ). Ich ernte immer alle Blüten. Das reicht dann das ganze Jahr. Einmal habe ich ihn selbst aus Samen gezogen und einmal habe ich eine Jungpflanze gekauft .
    Lg Claudia

    • mirjam
      3. April 2020 um 12:38

      Ganz herzlichen Dank, liebe Claudia, für deine Infos! Die Kräuterspirale ist natürlich ein guter Ort. Ich hoffe, dass er sich bei uns im Weinbauklima mit kalkigem Boden im Garten wohl fühlt. Das solle eigentlich passen. Ich bin schon sehr gespannt!

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