Leckeres (Un)Kraut

Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie gut man Dinge übersehen kann, die man nicht kennt. Und wie man sie dann überall sieht, sobald sie einem mal aufgefallen sind. So ging es mir mit einem Kräutlein, das im Garten in einigen Blumenkübeln sprießt und bei genauerem Hinsehen noch an vielen anderen Stellen. Mit dem Bestimmungsbuch konnte ich es als das Behaarte Schaumkraut (Cardamine hirsuta) identifizieren – eine kleine Schwester des bekannten Wiesenschaumkrauts (Cardamine pratensis) also. Nachdem ich an einem Waldquell vor einigen Jahren seine andere Verwandte, das Bittere Schaumkraut (Cardamine amara), entdeckt und lieben gelernt hatte (das Attribut „bitter“ passt kein bisschen zu seinem Geschmack), musste ich meine Topfbewohnerin natürlich auch gleich einem Geschmackstest unterziehen. Und den hat sie auf Anhieb bestanden. Die Zugehörigkeit zur der Familie der Kreuzblütler, zu denen auch Senf, Radieschen & Co gehören, lässt sich nicht leugnen. Kresseartig, deutlich milder als das Bittere Schaumkraut, aber sehr lecker. Es schmeckt schon einfach so zum Naschen super oder auf dem Brot mit Butter oder Frischkäse.

Ein paar Blättchen von behaarten Schaumkraut werten das Frühstücksbrot auf…
… und ein paar mehr dürfen es auch sein 😉

Und das Beste daran? Seit ich weiß, wie es aussieht, wächst es einfach überall. Naja, wahrscheinlich ist da auch schon vorher gewachsen, aber erst jetzt bemerke ich es. Kennt ihr das auch? Ich finde das schon ein bisschen verrückt, wie sehr unser Wissen unsere Wahrnehmung beeinflussen kann.

Ganz unscheinbar hat sich das Behaarte Schaumkraut im Topf angesiedelt und so bei mir den Sprung vom „Unkraut“ zur Nutzpflanze geschafft.

Auf jeden Fall hat mich dieses Erlebnis wieder zu dem Vorsatz geführt, wieder einmal mit noch offeneren Sinne durch die Natur zu gehen bzw. in ihr zu verweilen. Da gibt es noch so viel zu entdecken. Jetzt im Frühling natürlich auch viele leckere, frische Pflanzen. Was denn eure Favoriten und/oder Geheimtipps in Sachen Frühlingskräutern? Ich bin gerade echt in Entdeckerlaune.

6 Kommentare zu “Leckeres (Un)Kraut

  1. 9. April 2020 um 08:30

    Mir geht es auch oft so, dass ich etwas erst sehe, wenn ich weiß dass es existiert 😀 Es ist doch erstaunlich, wie selektiv unsere Wahrnehmung doch ist. Selbst wenn man versucht auf Dinge zu achten, fallen sie einem häufig nicht auf. Nach diesem Behaarten Schaumkraut werde ich jetzt auch mal Ausschau halten!

    • mirjam
      13. April 2020 um 15:58

      Das entdeckst du bestimmt 🙂

  2. Astrid
    12. April 2020 um 22:54

    Hallo Mirjam! das Wiesenschaumkraut kenne ich zwar (und finde ich sooo schön), aber dieses Behaarte ist mir noch nie aufgefallen! (konnte das Schaumkraut wohl wegen Corona auch nicht zum Friseur?!) Vor ein paar Tagen jedoch habe ich es in einem alten Sandkasten vor unserem Haus in Massen entdeckt, dank deines Beitrags 🙂 Bislang habe ich es noch nicht „geernet“, da ich noch die zu schnell geschossenen Radieschen-Jungplanzen auf mein Brot streue 😉 Eine super Verwertung! Ein Lieblings-Wildkraut habe ich nicht, aber falls du Tipps zur Verwertung von Löwenzahn (und deren Wurzeln) hast, dann würde ich mich freuen, Liebe Grüße! Astrid

    • mirjam
      13. April 2020 um 15:52

      Na, was für ein Glück, dass sich Pflanzen wohl nicht mit Corona anstecken können. Ob die Pflanzenfriseure wohl offen haben dürfen? 😉 Das Wiesenschaumkraut mag ich auch sehr gerne. Die zart-rosa Blüten sind einfach zauberhaft und wecken bei mir sofort Frühlingsgefühle. Radieschen-Jungpflanzen sind aber vom Geschmack her gar nicht sooo weit weg, gehören ja zur selben Pflanzenfamilie. Für deinen Löwenzahn habe ich tatsächlich einen Tipp: für Tee trocknen. Bei der Wurzel ist das etwas mühsam. Die muss man vor dem Trocknen sauber machen und in Scheiben schneiden, aber es lohnt sich. So leckeren Löwenzahntee wie damals aus den mühevoll aus dem Rasen gestochenen Löwenzahnwurzeln bei meinen Eltern im Garten habe ich nirgends bekommen. Die gekaufte Ware besteht meistens fast nur aus Blättern, die deutlich bitterer sind. Für eine stoffwechselanregende Teekur ist die Löwenzahnwurzel mein Liebling. Viel Spaß beim Ausbuddeln!

  3. Goldeule
    13. April 2020 um 14:56

    Wir haben gerade an diesem Wochenende wieder einmal gemerkt, daß wir es einfach ganz wunderbar finden, wenn unsere Kräuter auch unseren geflügelten Gästen schmecken. Wir haben uns also direkt in die Sonne vor unseren Rosmarinbusch gesetzt (er blüht wirklich überbordend in diesem Frühling) und gelauscht… ein Summen und Brummen, ganz wunderbar! Auch eine Art Ostermeditation 🙂 ! Und der Schopflavendel trägt tatsächlich schon dicke Knospen, während sich beim Frühjahrs-Bergbohnenkraut auch schon das erste zarte Blütenrosa zeigt.

    • mirjam
      13. April 2020 um 15:58

      Kräuter sind einfach wunderbar! Daran haben die Zwei- wie die Sechsbeiner ihre Freude. Zu meinem Erstaunen blüht mein Rosmarinbüschchen im Topf auch schon. Vielleicht täuscht mich meine Erinnerung, aber ich denke, sonst war er normal etwas später dran. Die Bienchen interessieren sich für meinen Rosmarin leider noch nicht so, obwohl das Wildbienenhäuschen mit dem regen Flugverkehr direkt daneben steht. Dafür summt es im Kirschbaum ganz eifrig. Ich mag es auch so gerne, ihnen einfach zu lauschen.

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