Frisches Rosanaroma – das ganze Jahr über

Mit dem Griechischen Bergtee habe ich euch ja schon einer meiner liebsten kräuterigen Neuentdeckungen des letzten Jahres vorgestellt. Daran will ich gleich mit einer zweiten anschließen. Bei der hat es etwas gedauert, bis ich kapiert habe, was für ein Schätzchen da bei mir zuhause steht. Von den Vorbewohnern unseres Häuschens habe ich so einige Pflanzen überantwortet bekommen. Darunter auch eine Duftgeranie – so nannte sie die Dame jedenfalls. Ich dachte ja erst:“Oh nein – Geranien, wie spießig! Die taugen nicht mal als Futterquelle für Bienen und Schmetterlinge.“ Ein bisschen umgestimmt hat mich dann aber der feine Duft, den ihre Blätter bei Berührung verströmen. Als es kalt wurde, habe ich sie schön brav von der Terrasse ins Treppenhaus zum Überwintern gestellt. Und ich weiß wirklich nicht, warum ich erst recht spät im Winter auf die Idee gekommen bin, mal aus einem ihrer welken Blättchen einen Tee zu kochen. Wow, auf diese Aromabombe war ich nicht gefasst. Ein intensives Aroma irgendwo zwischen Rosenblüten und Zitronenmelisse – einfach genial. Nicht nur pur, sondern auch in Kombination mit anderen Kräutern wie z.B. Anis oder Griechischem Bergtee macht sich dieser Geschmack gut. Warum verkauft einem das keiner? Meine Neugier war angestachelt, ich habe recherchiert und mir auch ein ganz bezauberndes Buch über diese besonderen Pflanzen besorgt („Duftpelargonien auswählen und genießen“ von Miriam Wiegele).

Die Rosen-Pelargonie, wie sie draußen die ersten Sonnenstrahlen nach dem Winter genießen darf
Man sieht es den Blättern nicht an, aber bei Berührung duften sie ganz hinreißend.

Eigentlich ist der Name „Duftgeranie“ botanisch nicht richtig, es handelt sich nämlich um duftende Vertreter der Gattung Perlagonium, also eigentlich Duft-Perlargonien. Verwandt sind sie tatsächlich mit unseren Strochschnäbeln (Geranium), stammen aber aus dem fernen Südarfrika. Eine Vertreterin der Gattung Perlagonium kennt ihr ganz bestimmt aus der Apotheke: die Kapland-Pelargonie (Perlargonium sidoides), aus der ein Extrakt gegen Infekte gewonnen wird. Bei meiner Duft-Perlargonie handelt es sich wahrscheinlich um eine Rosenpelargonie (Perlargonium graveolens, von grave = stark und olens = riechend). Aus dieser Art wird das ätherische „Geranienöl“ gewonnen. Vom Duft her würde es passen, wobei das pflanzliche Original für meine Nase noch einiges angenehmer duftet als das ätherische Öl. Mal sehen, ob sie mir im Sommer mit ihren Blüten genauer verraten mag, zu welcher Sorte sie gehört.

Meine erste Ernte und mein schlaues Büchlein

Aus meinem schönen Büchlein habe ich den Pflegetipp, dass man Duftpelargonien im Februar bis März nach der Überwinterung ruhig kräftig zurückschneiden soll. Mit diesem Rückschnitt hatte ich ein kleines Aromafest auf der Terrasse. Neben einer ganzen Menge frischer Blätter zum Trocknen fielen dabei auch trockene Blätter ab, die noch viel zu gut duften, um sie wegzuwerfen. Sie haben mir ja noch die ganze Zeit meinen Tee bereichert. Mit dieser Ernte kann ich mich nun daran machen, noch ein paar andere Duftperlagonien-Rezepte auszuprobieren. Ein Öl für die Kosmetik ist schon angesetzt.

Auch wenn die „Rosengeranie“ sicher die bekannteste unter den Duftpelargonien ist (und die Einzige, die ich bisher auf dem Schirm hatte), erstreckt sich die Aromavielfalt dieser Pflanzengattung noch in ganz andere Richtungen. Apfel, Pfrisich, Minze, Orange, Zitrone, Kiefer und sogar Weihrauch – da ist für alle Geschmäcker etwas dabei. Von der Pflege her scheinen sie nicht sehr anspruchsvoll zu sein, Wasser und Dünger brauchen sie nicht viel, bloß einen frostfreien Platz zum Überwintern. Und mein Exemplar hat mir den ganzen Winter über schon gute Laune mit ihrem Duft gemacht. Pelargonien sind Blattdufter, d.h. ihre Blätter fangen bei Berührung an, ihren Duft zu verströmen und das selbst im eher kühlen Treppenhaus. In der Intensität habe ich bei anderen Pflanzen eher selten erlebt, nur manche mediterranen Kräuter machen das ähnlich. Der Duft mancher Pelargonien soll sogar Stechmücken verscheuchen. Das teste ich gerne beim nächsten lauen Sommerabend, auch wenn der wohl noch etwas hin ist.

Ist es euch auch schon einmal so gegangen, dass euch eine Pflanze so überrascht hat? So eine Liebe auf den zweiten Blick? Oder vielleicht kennt ihr die Duft-Pelargonien ja schon und habt ein paar tolle Tipps? Ich freue mich auf jeden Fall wie immer über eure Kommentare!

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