Sommer im Hexengarten: Überraschungen

Inzwischen hat sich das Jahreszeitenrad schon deutlich Richtung Herbst bewegt. Und woran erkennt man, dass jetzt wirklich Herbst ist? Ganz einfach: die Woche wurde ich zum erst Mal wieder von einem Laubbläser geweckt. Dann muss jetzt wohl Herbst sein, oder? 😉

Zum Abschluss des Sommers hat mich noch ein schöner Beitrag von Andreas erreicht, in dem er uns von seinen grünenden und blühenden Überraschungen des Sommers berichtet:

Hallo Mirjam,
 
der Sommer neigt sich schon wieder dem Ende zu und ich wollte doch schon längst etwas geschrieben haben… Gefühlt hat der Herbst bereits begonnen und endlich regnet es auch. Dieses Jahr lief aus Zeitmangel (mal wieder) vieles auf dem Balkon und im Hof nicht so, wie geplant. Dafür hatte die Natur einige Überraschungen für mich parat.
 
Zwei Süßkartoffeln, aus denen ich eigentlich noch etwas kochen wollte, haben ausgetrieben. Aus Neugierde habe ich sie in einen Topf auf dem Balkon gepflanzt, in dem bisher nur ein wild aufgegangener Muskatellersalbei wuchs. Wie sich herausgestellt hat, sind Süßkartoffeln Kletterpflanzen mit schönen herzförmigen Blättern. Als sie anfingen, die Tomaten nebenan zu kapern, habe ich ihnen schließlich eine eigene Tomatenstange gegönnt und inzwischen sind sie an der Dachrinne angekommen und suchen sich einen Weg Richtung Dach. Damit könnte ich nächstes Jahr vielleicht das Balkongeländer begrünen.


Einige Töpfe auf dem Balkon blieben dieses Jahr leer – zumindest habe ich nichts hineingepflanzt. Das Kanadische Berufkraut, die Bergweideröschen, meine „Halbwilden“ Möhren und gelegentlich ein Muskatellersalbei kamen aber auch von alleine, um den Balkon zu begrünen. Auch wenn das Berufkraut nicht besonders eindrucksvoll aussieht, mag ich es trotzdem mit seinen hunderten winziger Blüten. Das Bergweideröschen hat da schon deutlich besser sichtbare, aber immer noch sehr kleine rosa Blüten. Inzwischen ist es größtenteils abgeblüht und die Blütenstengel sind aufgeklappt, um den Samen fürs nächste Jahr freizugeben.

Auch den Topf, in dem ich Deine Alantsamen ausgesät hatte, haben die andern Wildkräuter komplett überwuchert, vom Alant war keine Spur zu sehen. Vor einiger Zeit sind dann aber große Blätter in leuchtendem Hellgrün aufgetaucht, die meine Pflanzen App mit 70% Wahrscheinlichkeit als Beinwell identifiziert hat. Ich wüsste aber nicht, wo der Beinwell herkommen sollte (und Wahrscheinlichkeiten unter 90% sind bei der Pflanzen App ohnehin mit Vorsicht zu genießen) und sie sehen schon verdächtig nach Alantblättern aus. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr, wenn der Alant blüht.

Höchstwahrscheinlich kein Beinwell

Mein selbstgebasteltes Bienenhotel wurde bisher schnöde ignoriert, was aber wohl daran liegt, dass ich es viel zu spät aufgehängt habe. Auch hier kann ich mich aufs nächste Jahr freuen. Dafür blüht mein Oregano seit fast zwei Monaten und zieht Schwärme von winzigen Wildbienen an. Vielleicht kann die jemand für mich identifizieren. Leider sind die Bilder etwas unscharf, da die Bienen wirklich klein sind und der Wind das Fotografieren nicht gerade leichter gemacht hat. Eine Biene hat das Bienenhotel inzwischen doch angenommen und in einem der kleinsten Röhrchen genistet, wahrscheinlich eine dieser Minibienen.

Von meinem Heinz Tomatenstock (eine Sorte, die zur Ketchupproduktion verwendet wird, mittelgroß, dattelförmig und mit wenigen Samen), den ich letztes Jahr geschenkt bekam habe ich Samen gewonnen und ausgesät. Auch wenn ich bei einer industriell verwendeten Sorte ziemlich sicher war, dass es sich um F1 Hybriden handelt und irgendetwas herauskommt, scheint diese Sorte samenfest zu sein. Die Früchte der neuen Stöcke sehen zumindest genauso aus, wie die Früchte des letztjährigen Stocks.
Auch von einer gelb/orange getigerten Paprika aus dem Supermarkt hatte ich Samen gewonnen, hier steht die Überraschung noch aus, da die beiden Stöcke erst vor kurzem geblüht haben. Ich hoffe, es reicht noch für Früchte.
 
In einem Blumentopf im Hof ging etwas auf, was ich wegen der Blattform zuerst für eine Fuchsie hielt und weiterwachsen lies. Als die Pflanze größer wurde, war es ziemlich eindeutig, dass es keine Fuchsie war. Meine Pflanzen App hat sie mit 77% Wahrscheinlichkeit als schwarzen Nachtschatten analysiert, ich denke aber eher, dass es eine Wonderberry ist, die von der abstammt, die Du mir letztes Jahr geschenkt hast. So sehr mag ich Überraschungen allerdings auch nicht, dass ich die Früchte probieren würde. 😉

Ganz sicher keine Fuchsie

In einer schmalen Spalte zwischen dem Pflaster und dem Haus meines Bruders erschien eines Tages eine kleine Petunie. Sie war zwar nur ungefähr 10 cm Groß, hat uns aber den Sommer über immer wieder mit schönen Blüten erfreut.

Auch die Fuchsien, die ich letztes Jahr umgetopft hatte, haben es mir dieses Jahr gedankt und den ganzen Sommer über prächtig geblüht. Bei einer der Fuchsien erschienen aber plötzlich fremde Blätter. Hier hatte es sich eine Clematis bequem gemacht und begann, die Fuchsie zu überwuchern. Wahrscheinlich stammt sie von einer großen alten Clematis ab, die auf der Terrasse meines Bruders wuchs, wo die Fuchsie letztes Jahr stand und die dieses Jahr nicht mehr aus dem Winterschlaf erwacht ist. Heute habe ich die beiden Pflanzen schließlich getrennt, der Fuchsie einen größeren Topf verpasst und die Clematis vorerst mit einem provisorischen Klettergerüst alleine in den alten Topf gepflanzt, bis ich mir überlegt habe, wo sie in Zukunft wachsen soll. Dort, wo die alte Clematis wuchs, wächst inzwischen ein ebenfalls wild aufgegangener Holunder.

Zwei der Fuchsien, inzwischen ohne Clematis

Zu guter Letzt hatte mein Bruder noch einige Datura (Engelstrompeten) Zweige von seinen Pflanzen übrig, als er sie im Frühjahr zurückgeschnitten hatte. Die fünf größten haben wir in einen größeren Blumentopf gesteckt und ich habe sie immer gut feucht gehalten. Laut meinem Bruder haben die Zweige normalerweise ungefähr 50% Chance, dass sie anwachsen. Diesmal hatten wir 100% Erfolgsquote (auch wenn es bei einem Zweig fast nicht geklappt hätte)! Zwei der Zweige haben inzwischen Blüten getrieben und ich darf mich überraschen lassen, ob sie rot oder gelb werden.
 
So langsam geht das Gartenjahr aber dem Ende zu. Gestern habe ich im Anbau Platz geschaffen, damit ich die Topfpflanzen demnächst frostfrei unterbringen kann. Aber das nächste Jahr hat sicher wieder viele Überraschungen parat.
 
Viele Grüße
Andreas

Die grünen Überraschungen gehen ganz bestimmt nicht aus. Ein ganz herzliches Dankeschön, lieber Andreas, dass du uns an deinen Gartenwundern teilhaben lässt. Es ist so schön zu sehen, was sich da alles zeigt, wenn nicht jeder Spross, der ungeplant keimt, gleich ausgerupft wird, und auch Gemüse, das für den Suppentopf gedacht war, seine Schönheit zeigen darf 🙂

7 Kommentare zu “Sommer im Hexengarten: Überraschungen

  1. Iris + Bernd
    25. September 2022 um 17:52

    Hallo Andreas,

    wow, Du bist echt experimentierfreudig. Wer hätte gedacht, dass eine Süßkartoffel sich zu einer prächtigen Rankpflanze entwickeln kann. Sieht toll aus! Und die Idee ist im Hinterkopf abgelegt :).

    Zur Frage „Alant oder Beinwell“: Es ist tatsächlich Alant. Wir haben Dein Foto mit einem frischen Alant-Spross im Garten verglichen. Alant setzt sich überall durch. Unsere Jungpflanze ist in einer Pflasterfuge aufgetaucht, etwa anderthalb Meter von der Mutterpflanze entfernt.

    Vielen Dank dass Du Deine Überraschungen mit uns teilst. Ja, was wäre ein Garten ohne das Unerwartete. Bei uns hat sich vor Monaten im Rasenrand neben dem Rosmarin ein Ruccola niedergelassen. Dank des jüngsten Regens ist er nun zu einem kleinen Busch herangewachsen und blüht nach Kräften.

    Liebe Grüße
    Iris + Bernd

    • Andreas
      28. September 2022 um 21:14

      Hallo Iris und Bernd,

      danke für die Bestätigung! Dann freue ich mich schon mal auf den blühenden Alant nächstes Jahr. Hoffentlich wird der auch ein Dauergast wie die wilden Möhren und der Muskatellersalbei.

      Hab mir gerade mal Bilder von Rucolablüten angeschaut, hätte nie gedacht, dass der so prächtig blühen kann. Manche Pflanzen sieht man leider immer nur als Nahrungsproduzenten an.

      Viele Grüße
      Andreas

  2. Doris
    25. September 2022 um 20:46

    Hallo Andreas,

    da rührt sich ja was bei dir, toll! Die Süßkartoffel hat ja wunderschöne Blätter. Das hat ja mit der normalen Kartoffeln so gar nichts zu tun. 😀 Nein, ein Beinwell ist das wirklich eher nicht, sondern tatsächlich ein Alant (ich kann dir aber gern einen Beinwell schicken, der überwuchert bei mir nämlich alles, wenn ich ihn lasse!). Men Alant hatte letztes Jahr ja auch keine Blüten, aber dieses Jahr schon – nachdem er erstmal auf 2 m Höhe angewachsen war. Berufkraut und Weidenröschen gehen bei mir auch immer wieder auf. Diesen Sommer sind unheimlich viele Nachtkerzen aufgegangen, unglaublich, nur leider viele davon in den Pflasterfugen. Die habe ich rausgenommen, aber in einem meiner Beete ist auch eine drin. Die bleibt stehen (oder ich versuche noch, sie umzusetzen), genau wie die im Erdbeertopf.

    Dankeschön für diesen schönen Einblick. Die kleine Petunie ist so süß. Unglaublich, wo und wie die Natur Wege findet, oder?
    Einen guten Herbststart!

    Viele Grüße,
    Doris

    • Andreas
      28. September 2022 um 21:25

      Hallo Doris,

      ich bin mal gespannt, was mein Alant nächstes Jahr so macht. Er wächst zumindest in einem großen Topf, der auch schon mal für einen Kürbis ausgereicht hat. Beinwell würde mir aber auch gut gefallen. Vielleicht kannst Du mir über Mirjam Samen zukommen lassen. Aber nur, wenn es nicht zu viel Aufwand macht! Nachtkerzensamen hatte ich vor Jahren von meinem ehemaligen Nachbarn bekommen, davon ging leider keine einzige Pflanze auf. Bei den Nachtkerzen fasziniert mich besonders, wie blitzartig sie die Blüten öffnen (wer das noch nicht gesehen hat: das geht wirklich binnen Sekunden!).

      Auch Dir einen schönen Herbstanfang!
      Viele Grüße
      Andreas

      • Doris
        2. November 2022 um 19:57

        Hallo Andreas,

        entschuldige meine späte Antwort; irgendwie ist die Zeit so schnell verflogen. Bei mir im Garten haben Nachtkerzen und Königskerzen ausgesät. Ich bin sehr gespannt, was das nächstes Jahr wird. 🙂 Ich grabe dir gern ein paar Beinwellwurzeln aus; der muss sowieso wieder mal eingedämmt werden. Samen habe ich leider keinen; ich wüsste noch nicht mal, wie man den gewinnt, ehrlich gesagt. Bei mir verbreitet der sich ganz brutal über die Wurzeln. Sag mir einfach Bescheid, es ist wirklich kein Problem. Die warmen Oktobertage sind jetzt vorbei, glaube ich – bei uns hat es sich heute im Laufe des Tages ordentlich abgekühlt.

        Viele Grüße!
        Doris

  3. 29. September 2022 um 11:09

    Hallo Andreas

    Wow bei dir ist aber viel los, toll. Es ist auf jeden Fall Alant und ich glaube er wird dich ab jetzt immer begleiten. Bei mir kommt er überall, seine Blüten sind wunderschön. Ich habe vor Jahren eine Wurzel ausgegraben, aber immer wenn ich Husten habe vergesse ich meine Alantwurzel 🙁
    Meine Enkel haben mich gefragt warum heißt es Berufskraut ist der Beruf der Pflanze Kraut? Google hat mir geholfen: die Pflanze besäße die Kraft, Menschen vor dem „Berufen“, d.h. dem Verhexen und Verfluchen durch Hexen und Zauberer zu schützen. Das heißt lieber Andreas du wirst gut beschützt .
    Bei mir wächst das normale kleine Weidenröschen und wird regelmäßig geerntet für Tee im Winter.
    Die Fuchsien hast du aber im Haus überwintert, oder?
    Ist die Petunie wild gekommen? Ein wunderschönes Foto
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Andreas
      3. Oktober 2022 um 21:16

      Hallo Claudia,

      darüber würde ich mich freuen, wenn der Alant mich von nun an begleiten würde. Einige solcher Begleiter habe ich ja schon.
      Irgendwie ist der Beruf der Pflanze ja schon Kraut. 🙂
      An Tee hatte ich beim Weideröschen noch gar nicht gedacht, muss ich mal recherchieren.
      Ja, die meisten Topfpflanzen werden im ehemaligen Stall überwintert, der inzwischen eine Glasfront hat. Wobei Stall größer klingt, als der 4×4 m Raum eigentlich ist, aber für die Blumen ist es ideal. Nur die Hortensien bleiben draußen. Die würde ich nur reinstellen, wenn wir wochenlang starken Frost hätten, was schon seit einigen Jahren nicht mehr passiert ist.
      Danke 🙂 die kleine Petunie ist wild aufgegangen. Sowohl meine Schwägerin und mein Bruder als auch ich hatten immer wieder mal Petunien, davon wird sie wohl abstammen.

      Viele Grüße
      Andreas

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