Feentrank

Chèvrefeuille - wie der Parfumeur sagen würde ;-)

Chèvrefeuille – wie der Parfumeur sagen würde 😉

Wenn abends aus der Hecke ein lieblicher Duft herüber weht, dann stammt der im Moment recht wahrscheinlich von den Blüten des Geißblattes. Geißblatt ist irgendwie ein sehr unpoetischer Name für eine Blume mit so wunderbarem Duft. Das französische Chèvrefeuille klingt vielleicht für unsere Ohren besser, bedeutet aber haargenau das selbe. Immerhin beschreibt der englische Name Honeysuckle ganz gut, was man mit den Blüten machen kann, nämlich den Nektar „herauszuzeln“. Diesen Genuss sollte man sich nicht entgehen lassen, denn was normalerweise Nachtfaltern mit langen Rüsseln vorbehalten ist, schmeckt auch anderen Leckermäulern. Wenn Feen etwas aus zarten Blütenkelchen trinken, dann bestimmt Geißblattnektar.

Seltsamerweise findet das Geißblatt bei uns kaum Verwendung in der Volksmedizin oder Küche. Bei unseren französischen Nachbarn sieht das anders aus. Dort werden die Blüten traditionell gegen Husten und Halsleiden verwendet und ihr Aroma nutzt man für Gelée und Sirup. Inspiriert davon wollte ich dieses Jahr endlich einmal einen Geißblattsirup probieren und habe mich abends zum Blüten sammeln begeben. Da das Geißblatt fast ausschließlich von Nachtfaltern bestäubt wird, entfaltet es seinen vollen Duft auch erst mit Einbruch der Dunkelheit. Gepflückt werden die frisch geöffneten hellen Blüten. Die älteren sind leicht gelblich und nicht mehr so aromatisch. Für meinen Sirup habe ich folgende Zutaten verwendet:

1 Hand voll Geißblattblüten
150 ml Wasser
100 g Xylit (oder Zucker)
1 EL Zitronensaft

Die feinen Blüten in die Schüssel...

Die feinen Blüten in die Schüssel…

... und noch etwas überzuckert.

… und noch etwas überzuckert.

Zuerst werden die Blüten in einer Schüssel mit etwas Xylit überstreut und mit dem Wasser übergossen. Diese Mischung lässt man am besten abgedeckt über Nacht im Kühlschrank ziehen. So nimmt das Zuckerwasser das Aroma schön an und duftet ganz verführerisch. Wer mag kann davon auch schon einen Schluck mit etwas Wasser verdünnt kosten. Das ergibt schon eine wunderbare Limonade. Für den Sirup werden die Blüten abgeseiht und leicht ausgedrückt. Das aromatische Wasser wird mit dem Rest des Xylits zu einem Sirup gekocht und zum Schluss kommt noch der Zitronensaft dazu. Den Sirup füllt man am besten noch heiß in ein sauberes Fläschchen. Fertig ist der Dufttraum zum Trinken!

Bisher habe ich Sirup ja immer mit normalem Haushaltszucker gekocht. Diesmal wollte ich versuchen, ob es mit Xylit auch geht. Das ist ein Zuckeraustauschstoff, der für meinen Geschmack wesentlich mehr nach Zucker schmeckt als die meisten anderen Süßstoffe. Obendrein hat er den großen Vorteil sehr zahnfreundlich zu sein, da ihn die Kariesbakterien gar nicht gerne mögen. Mit meinem ersten Versuch bin ich sehr zufrieden. Schmeckt gut, gibt einen normalen Sirup und übertönt das Aroma der Geißblattblüten nicht. Um die ging es in meinem Experiment ja hauptsächlich. Sehr zu meiner Freude schmeckt der Sirup wirklich so, wie die Blüten duften. Ein richtiger Elfentrank also 😀

Nur eine kleine Warnung: Die roten Beeren des Geißblattes sind anders als die Blüten giftig und es heißt, nur junge Mädchen können Geißblattblüten pflücken, ohne sich bald zu verlieben 😉

6 Kommentare zu “Feentrank

  1. 5. Juni 2015 um 11:27

    Liebe Miri,

    das ist ja ein tolles Rezept. Hoffentlich finde ich honeysuckle und kann das nächste Woche mal ausprobieren. Übrigens soll eine Geißblatt-Räucherung (gibt es zumindest als Räucherstäbchen) gut für die Erinnerung und für Erinnerungsarbeit sein!

    Ich benutze übrigens auch Xilit (Birkenzucker) und bin damit sehr zufrieden…

    LG

    Saxia

    • mirjam
      8. Juni 2015 um 20:49

      Liebe Saxia, dann drücke ich dir die Daumen, dass du Geißblatt findest. Allein der Duft wird deine Suche schon belohnen.

  2. 7. Juni 2015 um 21:33

    Oh das klingt köstlich!! Gerade habe ich noch den Holler im Zucker, absobald Geisblatt blüht werde ich dein Rezept ausprobieren!!
    Danke für den Tip!!
    Liebe Grüße aus dem Siegtal von der Dryade

    • mirjam
      8. Juni 2015 um 20:50

      Gerne 😀 An den Holler werde ich mich auch noch machen. Der blüht im Moment so schön.

  3. 13. Januar 2016 um 17:01

    Diesen Post habe ich jetzt gerade zufällig entdeckt. Ich bin beeindruckt, denn ich wäre nie auf die Idee gekommen, aus Geißblattblüten einen Sirup zu machen. 🙂 Das eröffnet ja wieder völlig neue Möglichkeit für den kommenden Sommer und mein Geißblatt im Garten. Danke für diesen Tipp!

    • mirjam
      13. Januar 2016 um 22:10

      Das ist echt ganz seltsam, dass wir Geißblattblüten bei uns gar nicht so auf dem Schirm haben. Mich hat da auch erst ein französisches Kräuterbuch drauf gebracht. Lohnt sich doch immer wieder, mal über den Tellerand zu schauen 😉

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