Winter in der Hexenküche: Pfeffernüsse und Pfaffenkappen

Plätzchen backe und esse ich eigentlich das ganze Jahr gerne, aber im Advent und zwischen den Jahren haben sie natürlich einen ganz besonderen Stellenwert und gehören einfach dazu. Höchste Zeit mit dem Plätzchenbacken anzufangen, wo doch schon 3. Advent ist. Da habe ich mich über den Beitrag von Andreas besonders gefreut, in dem er uns gleich zwei alte Familienrezepte verrät. Sehr lecker sind übrigens beide. Ich hatte in den letzten Jahren schon das Glück, sie von ihm zu kosten. Da gemeinsames Backen dieses Jahr nicht so ganz dem Geist der Zeit entspricht, können wir uns ja auf’s Rezepte teilen verlegen. Los geht’s 🙂

Liebe Mirjam,  
Bei Deinem „Winter in der Hexenküche“ Event bin ich gerne mit dabei. Auch den Zeitrahmen finde ich eine gute Idee. Mich nervt diese „Ab September essen wir Lebkuchen und ab 27.12. haben wir von Weihnachten und dem Winter die Nase voll!“ Einstellung sehr.  
Bei Winter und Küche denke ich spontan an Weihnachtsplätzchen (oder -Kekse, wenn Euch das lieber ist). Früher hat uns meine Tante reichlich mit Plätzchen versorgt, seit einigen Jahren bin ich selbst eingestiegen, denn Weihnachtsplätzchen müssen einfach selbstgebacken sein. Gerne auch von Freunden oder Familie, nur gekauft geht gar nicht! 😉 Inzwischen gehört das Backen (natürlich mit Weihnachtsmusik) bei mir fest zur Adventszeit dazu. In diesem verrückten Jahr musste das gemeinsame Backen mit Freunden natürlich ausfallen und ich werde mich wahrscheinlich auf drei Sorten beschränken, aber ganz verzichten möchte ich nicht.   

Neben einigen alten und modernen Rezepten, die ich immer wieder wechsle habe ich zwei alte Familienrezepte, die jedes Jahr dabei sein müssen. Temperatur und Backdauer sind auf meinen Ofen abgestimmt, da ist jeder Ofen etwas anders. Anfangs hatte ich „Versuchsreihen“ mit vier oder fünf Plätzchen gemacht und im Minutenabstand ein Plätzchen nach dem anderen aus dem Ofen geholt, um die beste Backdauer herauszufinden.   Als erstes, meist schon im Lauf des Novembers, backe ich Pfeffernüsse nach dem Rezept meiner Tante. Peffernüsse sind kein reines Weihnachtsgebäck und brauchen einige Wochen Lagerzeit, bis sie am besten sind. Anfangs sind sie ziemlich hart, schmecken aber auch so schon gut. Äpfel mit in der Blechdose zu lagern ist übrigens nicht nötig, sie werden auch von alleine weicher. Es handelt sich um ein „großes“ Rezept und die einfache Menge reicht meist über den Winter.

Pfeffernüsse

Zutaten:
6 Eier
1 Pfund Zucker
½ Pfund Farinzucker
¼ Pfund Butter
1 Teelöffel Kakao
1 Teelöffel Nelken
1 Teelöffel Zimt
1 Esslöffel Anis
2 Messerspitzen Pfeffer
15g Hirschhornsalz
1 ½ Pfund Mehl
1 gehäufter Teller gemahlene Nüsse (= 200g)
½ Päckchen Lebkuchengewürz (ein ganzes schadet aber auch nicht)  

Zubereitung:
Zutaten verrühren (nicht mit dem Rührgerät, sondern mit dem Kochlöffel) und durchkneten, Teig über Nacht kühl stellen. Wieder etwas warm werden lassen und nochmal gut durchkneten. Nicht zu dünn ausrollen, mit einer runden Plätzchenform ausstechen. Oberseite mit Wasser bepinseln und mit einer Prise Zucker oder Farinzucker bestreuen. Mit Farinzucker bekommen sie einen leichten Karamellgeschmack. Bei 200° Umluft ca. 10 Minuten backen.

Anmerkungen:
Reicht für eine große Plätzchendose.
Wenn sie aus dem Ofen kommen, riecht es durch das Hirschhornsalz etwas streng. Das ist normal und wirkt sich nicht auf den Geschmack aus.
Sie sind am Anfang etwas hart. Am besten schmecken sie, wenn sie einige Wochen in einer Blechdose gelagert werden.
Das zweite Rezept, das keinesfalls fehlen darf, sind Pfaffenkappen nach dem Rezept meiner Großmutter mütterlicherseits. Zumindest mein jüngster Neffe wäre sehr betrübt, wenn ich keine machen würde. Hier mache ich meist das dreifache Rezept und musste manchmal schon nachbacken, weil sie zu schnell weg waren. Mein Neffe wünscht sie sich seit einiger Zeit auch zu Ostern, so dass ich am Palmsonntag nochmal Weihnachtsplätzchen backe (auch mit Weihnachtsmusik ;-)). Die Plätzchen sollten sehr groß sein, in etwa wie ein Lebkuchen. Ich finde, dass sie nicht so gut schmecken, wenn sie kleiner sind, da sie dann nicht so weich bleiben.  

Paffenkappen

Zutaten:
150 g Zucker
60 g gemahlene Mandeln
350 g Mehl
2 Eier
150 g Butter
170 g Hiffenmark (Hagebuttenmarmelade) – ca. ½ Glas
Andere Marmelade geht auch, aber mit Hiffenmark schmeckt es am besten.

 Zubereitung:
Alle Zutaten bis auf die Butter verrühren. Butter einarbeiten und gut durchkneten. Nicht zu dünn ausrollen, dann Kreise mit ca. 7,5 cm ausstechen (z.B. mit einem Colaglas vom Mäc), in die Mitte einen Klecks Hiffenmark und wie einen Dreispitz zusammenklappen.
Bei 150° Umluft ca. 18 Minuten backen. Die Plätzchen sollten nur an den Rändern leicht braun werden.  

Liebe Grüße,
Andreas

Oh, da läuft mir schon das Wasser im Mund zusammen, wenn ich nur die Bilder sehe. Und ich liebe Hiffenmark. Das ist eine der wenigen Marmeladensorten, die ich kaufe. Einerseits ist das von unserer Regionalmarke recht lecker, andererseits ist es eine recht mühselige Arbeit mit den Hagebutten. Das macht mir jetzt richtig Lust auf’s Backen 🙂 Vielen lieben Dank, Andreas!

Vielleicht wundert ihr euch, warum der Adventskranz eine andersfarbige Kerze hat. Dazu hat mir Andreas die Geschichte auch erzählt. Traditionell orientierten sich die Kerzenfarben auf dem Adventskranz an den liturgischen Farben der Adventssonntage. Da der Advent früher wie die Zeit vor Ostern eine Zeit der Besinnung und Buße war und auch eine Fastenzeit, ist die zugeordnete Farbe violett. Nur der 3. Adventssonntag hat wie der 4. Sonntag der Fastenzeit die liturgische Farbe Rosa, also ein aufgehelltes Violett, um die Freude auf das anstehende Fest auszudrücken (der 3. Advent heißt auch Gaudete = Freuet euch). So waren die Kerzen 1, 2 und 4 des Adventskranzes violett und die dritte rosa. Also weit ab von dem uns gewohnten „weihnachtlichen“ Farbschema grün-rot-gold. Mancherorts hat es sich erhalten, dass die 3. Kerze immer noch eine andere, meist hellere Farbe hat. Bei den meisten richtet sich die Kerzenfarbe wohl eher nach dem Geschmack des Aufstellers, da gibt es ja alles. Aber die vorweihnachtliche Fastenzeit ist auch recht in Vergessenheit geraten 😉

6 Kommentare zu “Winter in der Hexenküche: Pfeffernüsse und Pfaffenkappen

  1. Iris & Bernd
    13. Dezember 2020 um 15:35

    Die Plätzchen sehen aber wirklich köstlich aus 😀 ! Vielen Dank, lieber Andreas, für das Teilen Deiner Familienrezepte.

    Natürlich sind selbstgebackene Plätzchen einfach die allerbesten, aber wir müssen zugeben, daß wir in diesem Jahr noch nicht dazu gekommen sind. Aber jetzt fühlen wir uns doch angestachelt, wenigstens zwischen den Jahren noch ein Blech oder zwei zu backen 🙂 .
    Den Begriff „Hiffe“ kannten wir gar nicht. Ist das ein fränkisches Wort? Ja, diese Marmelade ist echt lecker!

    Und die Erklärung, warum die eine Kerze eine andere Farbe hat als die anderen, war uns auch neu und ist wirklich interessant.
    Vielen Dank dafür.

    Herzliche Dezembergrüße,

    Iris & Bernd

  2. Andreas
    14. Dezember 2020 um 14:42

    Hallo Iris und Bernd,

    ja, Hiffen (bzw. Hippen) für Hagebutten ist fränkisch. Ich kann Euch nur empfehlen, zumindest noch ein wenig zu backen. Wenn ich mich mal überwunden habe, anzufangen, finde ich es immer sehr beruhigend und gut für meine Stimmung.

    Viele Grüße
    Andreas

    • Iris & Bernd
      20. Dezember 2020 um 15:03

      Hallo Andreas,

      Dein „Schubs“ hat gewirkt 🙂 Wir haben uns an diesem Wochenende endlich aufgerafft und Plätzchen gebacken: Iris Haferflockenplätzchen mit Cranberries und Bernd Mandelplätzchen nach einem Rezept seiner Mutter (die den Rührteig immer durch einen Fleischwolf mit einer Blende für Plätzchenformen drehte, was einfacher war und schönere Ergebnisse brachte als das jetzige Wurschteln mit einer improvisierten Spritztüte). Der Anfang ist gemacht…

      Herzliche Adventsgrüße!

      • Andreas
        31. Dezember 2020 um 15:39

        Hallo Iris und Bernd,

        klingt lecker! Schön, dass ich Euch motivieren konnte. 😉 Den Fleischwolf kannte ich bisher nur von Spritzgebackenem (bei uns traditionell mit gemahlenen Haselnüssen).

        Viele Grüße
        Andreas

  3. Doris
    30. Dezember 2020 um 19:54

    Na, sind die Plätzchen schon alle? 😉 Deine Bäckereien haben sehr gut ausgesehen, Andreas, und Hiffenmark ist was sehr Feines. Die Geschichte zu den Adventskranzkerzen war interessant, das wusste ich noch gar nicht.
    Tja, Weihnachten ist ja nun vorbei. Ein paar richtige Platzerl haben wir von Nachbarinnen bekommen (köstlich!); bei mir ist leider sämtliche Adventsbäckerei dem Arbeitsendspurt zum Opfer gefallen. Dafür haben wir recht viel gekauften Lebkuchen gefuttert (aber erst ab Ende November!). Mein Mann hat in einen Fleischwolf investiert diesen Advent. 🙂 Den brauchen wir am meisten fürs Hundefutter, aber: Er hat einen Aufsatz für Spritzgebäck. Hurra! Damit steht der Spritzgebäckproduktion im nächsten Advent fast nichts mehr im Wege. Hoffentlich geht es dann in der Arbeit nicht wieder so rund …

    Viele Grüße!
    Doris

    • Andreas
      31. Dezember 2020 um 15:46

      Hallo Doris,

      nein, ist noch genügend da, muss ja auch noch über einen Monat reichen. 😉 Das mit dem Stress vor Weihnachten, wenn alles noch unbedingt dieses Jahr fertig werden muss, kenne ich leider auch. Hatte auch schon ein- oder zwei Jahre, in denen ich deswegen nichts gebacken habe.
      Spritzgebackenes ist ein absoluter Klassiker – müsste ich nächstes Jahr auch wieder mal machen. Irgendwer in der Familie leiht mir sicher einen Fleischwolf.

      Viele Grüße
      Andreas

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