Winter in der Hexenküche: Sommererinnerungen im Glas

Es gibt wohl Studien dazu, dass Kindern, die mit künstlichen Aromen aufwachsen, natürliche Aromen irgendwann nicht mehr schmecken. Wenn der Joghurt mit Erdbeeren einfach nicht schmeckt, wie der Erdbeerjoghurt aus dem Laden, der nie eine Erdbeere gesehen hat, mag das sicher gewöhnungsbedürftig sein. Was ich mich da immer gefragt habe, wenn das zitiert wird: Hat das auch jemand mal andersherum untersucht? Das geht mir nämlich mit manchen Lebensmitteln so, ganz besonders auch mit Marmelade. Die gab’s bei uns daheim eher selten und, wenn, dann selbstgemacht in den Varianten Johannisbeere (aus dem Garten), Himbeere/Brombeere (aus dem Wald) und Powidl (=Pflaumenmus, aus der Feldhecke). Selbst habe ich selten Marmelade daheim. Wenn ich mal auswärts frühstücke, probiere ich immer mal wieder ein Marmeladenbrötchen, nur um festzustellen, dass mir Marmelade nicht so recht schmeckt. Wobei das bei genauerem Hinsehen, nicht ganz zutrifft, sondern mir die gekaufte Marmelade (bis auf unser lokales Hiffenmark) nicht so schmeckt. Bei den selbstgemachten Kreationen sieht das etwas anders aus, bloß die bekomme ich halt seltener.

Wer braucht Duftkerzen, wenn es so etwas gut duftendes wie Quitten gibt?

Dieses Jahr habe ich schon im Frühsommer aus unseren Felsenbirnen eine Art Marmeladen-Grütze bereitet, die es mir angetan hat. Ein Gläschen habe ich sogar geschafft bis jetzt aufzuheben. Im Herbst wurde ich mit Äpfeln und Quitten reich beschenkt und habe ganz fleißig eingekocht. Das meiste in Form von Mus, nach dem ganz einfachen Schema:

10 Teile Apfel (und Quitte), 1 Teil Apfelsaft

Und selbstgemachtes Mus ist einfach eine ganz andere Hausnummer als das aus dem Laden, auch wenn es da einige Sorten „Apfelmark“ gibt, die ich echt gerne mag. Das leckerste Mus, das je in meiner Vorratskammer stand, ist meine Variante 1 Teil Quitte : 2 Teile Apfel. Durch die Quitten kommt noch so ein richtig rosig, sommerliches Aroma mit hinein. Einfach himmlisch.

Analog zur Felsenbirnengrütze wollte ich dann auch noch ein bisschen Quittengrütze einmachen. Da Quitten wohl deutlich besser gelieren als Felsenbirnen ist dann doch eher eine Art Quittenmarmelade mit Stückchen geworden, aber auch sehr lecker in zwei Varianten:

Quittenstückchen in Granatapfelsaft – mmh…

300 g Quitte, klein gewürfelt
300 g Granatapfel- bzw. Apfelsaft
100 g Gelierzucker 3:1
2 EL Zitronensaft

Alles zusammen aufkochen, für vier Minuten sprudeln kochen lassen und dann heiß in saubere Gläser füllen. So lässt sich die Leichtigkeit des Sommers wenigstens geschmacklich für den Winter konservieren.

So kann der Winter kommen 😉

Habt ihr auch eure Lieblingsrezepte, wie ihr die Fülle von Sommer und Herbst ins Glas bekommt? Oder welche anderen Schätze liegen in euren Speisekammern?

6 Kommentare zu “Winter in der Hexenküche: Sommererinnerungen im Glas

  1. Bernd
    20. Dezember 2020 um 15:08

    Liebe Mirjam,

    ja, den Sommer auf diese leckere Weise zu konservieren macht unheimlich Freude. Ich habe das Marmeladekochen erst vor ein paar Jahren für uns entdeckt, als eine Rekordernte Johannisbeeren irgendwie verarbeitet werden musste (unsere schnäubigen Vögel mögen die ja nicht…). Dabei bin ich wie Du mit selbstgemachter Marmelade groß geworden.

    Den Johannisbeeren sei Dank, greife ich seitdem mit Lust zu Früchten und Gelierzucker. Allein der Duft, der dann durchs Haus zieht! Außerdem lädt Marmeladekochen zum Experimentieren ein (einzige Ausnahme für mich: Erdbeermarmelade, Erdbeeren und sonst nichts 🙂 ): Birne und Zimt, Aprikosen und Rum, Pflaumen mit Sternanis und Portwein oder Süßkirschen mit Rotwein und Rosmarin. Manches gelingt besser als anderes, aber das ist ja der Spaß am Ausprobieren.

    Um zum „Winter in der Hexenküche“ zu kommen: Ich habe im vergangenen Januar mal eine Orangenmarmelade „für Faulbären“ kreiert („shocking“, aber das englische Original ist „damn“ aufwändig), mit einem Mix aus Saft und Schalenabrieb von Bitterorangen sowie Saft und Filets von Saftorangen. Fazit: schon ganz okay, aber im neuen Jahr wird der Bitteranteil erhöht.

    Marmeladekochen ist wirklich ein Ganz-Jahres-Vergnügen: Iris als Hüterin unseres Holunders hat im Mai Holunderblütensirup angesetzt, und daraus sind dann unter Hinzugabe von Apfelsaft bzw. Riesling zwei duftend-leckere Gelees entstanden.

    Gerne hätte ich hier auch ein Rezept aufgeschrieben. Aber Marmeladekochen ist bei mir fast immer eine spontane Angelegenheit. Hauptsache, das Verhältnis von Frucht zu Gelierzucker passt. Bisher habe ich mit 2:1 gearbeitet, werde aber, ermutigt von Deinen Erfahrungen, liebe Mirjam, es im nächsten Jahre auch mal mit 3:1 versuchen.

    Ganz liebe Grüße

    von Bernd (und natürlich auch von Iris)

    • mirjam
      28. Dezember 2020 um 19:09

      Lieber Bernd, eure Kreationen klingen alle sehr verlockend. Wenn ich diese Saison nochmal richtig gute Orangen bekomme, will ich mich mal an einer süßen Orangenmarmelade versuchen. Die ist auch sehr aufwändig, da man alles weiße inklusive der Fruchthaut entfernen muss. Aber mir spukt einfach immer noch die selbstgemachte von der einen Zimmerwirtin in Griechenland im Kopf herum. Das war einfach die beste Orangenmarmelade, die ich je gegessen habe. Den 3:1 Gelierzucker verwende ich am liebsten, weil es mit dem einfach noch einen Tick fruchtiger wird. Und wenn du die Kombi bitter-süß gerne magst, kann ich dir die Vogelbeeren ans Herz legen. Das ist nichts für bitter-empfindliche Zungen, aber auch sehr lecker.

  2. Doris
    30. Dezember 2020 um 19:45

    Ihr Lieben,
    bitter-süß ist eine tolle Kombi, die ich sehr gern mag. An Orangenmarmelade habe ich mich allerdings noch nie versucht; sollte ich mal tun! Ich habe mir für meinen Weihnachtsurlaub vorgenommen, die restlichen Schätze aus der TK noch zu Marmelade bzw. Gelee zu verarbeiten. Da lagen noch Johannisbeersaft (schwarze und rote Beeren gemischt) und Birnenmus. Außerdem habe ich noch Äpfel im Keller, die mir eine nette Nachbarin geschenkt hat. Ein paar Pflaumen liegen auch noch auf Eis, fällt mir ein. Ein wirklich festes Rezept habe ich auch nicht, ich probiere immer gern mal rum. Zur Birne habe ich schon eine Spur Ingwer gemischt für ein bisschen „Biss“. Zu den Johannisbeeren gebe ich gern etwas Vanille; kann man auch gut mit einem Schuss Apfelsaft versetzen. Pflaume habe ich vor Jahren mit etwas Whiskey gekocht, das war sehr gut. Ansonsten ist Pflaume mit Zimt natürlich sehr schön, passend zur Jahreszeit. Apfelgelee mit Holunderblüte ist auch super!
    Wie Bernd sagt – nicht alles klappt und ist der Hit, aber so manches eben doch. Es macht einfach Spaß, was auszuprobieren. Ich finde nur, dass die Testergebnisse sich erst nach einer gewissen Lagerzeit richtig erschmecken lassen, wenn die Aromen sich entwickelt haben. Geht euch das auch so? Da bin ich oft positiv überrascht, weil ich beim Kochen noch gar nicht so richtig sagen konnte, ob was jetzt richtig gut ist oder nicht.
    Ich arbeite in der Regel 2:1, nachdem mir die Marmelade mit 3:1 öfters mal schnell geschimmelt hat. Seitdem bin ich vorsichtig und lieber sehr konservativ. 😉
    Liebe Grüße & einen guten Rutsch!
    Doris

    • Doris
      30. Dezember 2020 um 19:46

      Mensch, Quittensaft habe ich ja auch noch …. ooooh, was ein Glück, dass ich so viele Gläser gehortet habe! 😉

  3. Andreas
    17. Januar 2021 um 17:48

    Liebe Mirjam,

    irgendwie hatte ich Deinen Artikel im Dezember verpasst. Einen Teil der Ergebnisse durfte ich ja schon einmal probieren und war sehr angetan davon.
    Vor zwei Jahren hatte meine Nachbarin Quitten im Überfluss und freundlicherweise auch mich mitversorgt. Einen Teil habe ich als Chutney eingekocht, von dem ich leider nicht so überzeugt war, den Großteil habe ich klassisch in Zuckerwasser mit Zimt- oder Vanillestange eingekocht, was ich sehr gern mag (die feste und etwas krieselige Konsistenz, die die Quitten hierbei behalten, sagt aber nicht jedem zu).
    Zu den eingekochten grünen/schwarzen Walnüssen kann ich hoffentlich dieses Jahr einen Artikel schreiben, wenn nicht wieder ein später Frost dazwischen kommt.
    Ansonsten koche ich eher pikant ein wie z.B. Kürbis süß/sauer oder Cocktailtomaten in Weißwein und Weißweinessig mit Estragon oder Fertiggerichte wie Pastasoßen oder Gulasch.

    Viele Grüße
    Andreas

    • mirjam
      24. Januar 2021 um 10:18

      Ich sehe schon, ein paar Rezepte muss ich dir noch abluchsen. Tomaten in Weißweinessig mit Estragon – das klingt köstlich. Ich liebe Estragon. Leider hat meiner dieses Jahr im Garten eher vor sich hin gemickert. Mal sehen, wie das diesen Sommer wird. Zum Glück hatte ich auf dem Feld einen wilden Estragonbusch entdeckt. Das Aroma war ein bisschen anders, aber auch gut. Leider geht mein Estragonessig langsam zu Neige. Quittenkompott ist auch einfach lecker. Davon hätte ich noch was gemacht, wenn mir nicht vorher die Quitten ausgegangen wären. Hoffen wir mal, dass die kommenden Saison eine reiche Ernte beschert.

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