Sommer im Hexengarten: Pflanz‘ dir Urlaub!

„Wenn ich die anschaue, fühle ich mich sofort wie in Spanien“ hat eine liebe Freundin zu unseren Mittagsblümchen gesagt. Kann man sich ein bisschen Urlaub einfach auf die Terrasse holen?

Auch wenn im Moment so eine allgemeine Urlaubseuphorie auszubrechen scheint, ich bin mal lieber ganz zurückhaltend mit Urlaubsplanung dieses Jahr. Und wie ich letztes Jahr gelernt habe: Urlaub machen daheim hat auch seinen ganz eigenen Zauber. Obwohl ich sonst schon immer gerne viel draußen unterwegs war, habe ich durch die Ferien zuhause noch einige schöne Fleckchen Erde ganz in der Nähe kennengelernt, die ich vorher nicht kannte. Manche sind inzwischen für mich richtige Sehnsuchtsorte geworden, an die ich im Winter oft gedacht habe und die alle nicht weiter als eine halbe Autostunde weg sind. Und natürlich habe ich den ganzen Winter davon geträumt, wieder auf der Terrasse zu sitzen und Gerüche, Farben, Geräusche des Garten genießen zu können. Jetzt ist es soweit. Und gegen das Fernweh habe ich mir auch ein paar passende grüne Freunde gesucht.

Meine kleine griechische Ecke im Garten 🙂

Einen meiner Lieblinge habe ich euch neulich schon im Beitrag über meine Haustees vorgestellt: den Griechischen Bergtee. Oder inzwischen eigentlich eher: die Griechischen Bergtees. Was mit einem etwas mühsam aus Samen angezogenen Pflänzchen des Parnassischen Bergtees (Sideritis raeseri) angefangen hat (die Bergtees sind nämlich etwas heikel beim Keimen), ist inzwischen zu einer kleinen griechischen Ecke geworden. Aus dem alten Kübel, den mir der letzte Frost dieses Winters endgültig zerlegt hat, ist ein mediterranes Rahmenbeet im Kleinformat geworden. Dort wohnen jetzt zwei Kretische Bergtees (Sideritis syriaca) und daneben ein Diptam-Dost (Origanum dictamnus). Alles liebenswerte pelzige Pflänzchen, die zum Streicheln einladen und vor allem die Trockenheit in der Ecke dort gut wegstecken. Eine kleine Ziestrose kommt bald auch noch dazu, die steht im Moment aber noch ein bisschen regengeschützter. Nicht so mediterran, aber ebenso liebenswert ist der Aufrechte Ziest (Stachys recta). Mit seinen hübschen hellen Blüten ähnelt er den Bergtees in gewisser Weise und wir bestimmt auch helfen, eine meiner schönsten Erinnerungen an Griechenland lebendig zu halten: das Summen unzähliger Bienen in den blühenden Bergwiesen. Habt ihr das schon einmal erlebt, dass außer vielleicht ein paar Vögelchen und gelegentlichen Geräuschen wie einem vorbeifahrenden Auto nichts zu hören ist außer dem Summen der Bienen? Die Tage hatte ich tatsächlich das Glück auf einem Magerrasen diese Geräuschkulisse wiederzufinden. Ein Stückchen davon habe ich in ruhigen Momenten aber auch in meinem Garten 🙂

Ein wichtiges Puzzelsteinchen gegen Frankreichsehnsucht ist für mich zweifelsohne der Estragon. Ich weiß gar nicht, wie wir hierzulande ohne dieses wunderbare Kraut auskommen. Jahrelang habe ich versucht, gute Salatsoße zu machen. Irgendwas hat immer gefehlt, obwohl ich mit vielen verschiedenen Kräutern experimentiert habe. Irgendwann hielt ich es eher für eine Verklärung meiner Geschmackserinnerung, dass in Frankreich sogar die Salatsoße in der Mensa lecker war. Ich meine, wie sollte eine Einrichtung, die einem das Mittagessen mit halbrohen Hacksteaks und als Kartoffeln getarnten Steckrüben zum Abenteuer werden lässt, es schaffen, gute Salatsoße zu machen? Tja, mit den Zweifeln musste ich leben, bis ich mir – damals noch in den Balkonkasten – ein Pflänzchen französischen Estragon ins Haus holte. Da schmeckte plötzlich auch meine Salatsoße richtig. Nachdem mein letztjähriger Versuch, den Estragon im Garten heimisch werden zu lassen, leider von den Schnecken zu Nichte gemacht wurde (ob die auch mit Estragonbutter schmecken?), bin ich dieses Jahr auf Nummer sicher gegangen. Ich habe zwei Pflanzen besorgt. Eine steht außer Schneckenreichweite im Kübel auf der Terrasse, die andere im Tomatenbeet. Ich hoffe sehr, dass sie sich beide gut machen.

Hoffentlich fühlt sich der Estragon hier im Tomatenbeet wohl.

Geografisch etwas weiter und wachstumstechnisch noch etwas ferner in der Zukunft liegen meine botanischen Urlaubserinnerungen an Neuseeland. Durch das eher subtropische Klima der Nordinsel Neuseeland, wo wir damals unterwegs waren, ist das hierzulande natürlich nicht so einfach. Manuka und Pohutukawa als typisch neuseeländische Gewächse wäre bei uns wohl eher so etwas wie Zimmerpflanzen. Zwei, die ich mit Neuseeland verbinde, obwohl sie dort keine ganz einheimischen Gewächse sind, sind Kiwi und Fejoa. Die werden dort in größerem Stil angebaut und als Obst angeboten. Kiwis kennt man ja auch hierzulande, Fejoas (oder Ananasguaven) sind eher unbekannt, dabei wachsen sie bei uns mit Schutz wohl auch in mildem Klima. Einen wuchsfreudigen Kiwibaum haben wir von unseren Vorbewohnern geerbt. Und wenn ich wuchsfreudig sage, ist das eher noch eine Untertreibung. Zuerst dachte ich ja, ich bilde mir was ein, dann habe ich nachgemessen: seine rankenden, pelzigen Triebe schaffen bei guten Wetter sowas wie 30 cm die Woche. Pro Vegetationszeit können es wohl bis zu 9 m sein, die eine Kiwiranke wachsen kann. Kiwis hat es bei uns im Garten letztes Jahr allerdings keine gegeben, weil Kiwis normal zweihäusig sind. Jetzt habe ich im Kübel mit einer angeblich selbstbestäubenden Kiwi-Pflanze aufgerüstet. Mal sehen, was die blüht. Die selben pelzigen Ranken, die übrigens abgeschnitten auf unsere Nachbarskatzen eine ähnliche Wirkung entfalten wie Baldrian, hat das kleine Exemplar jedenfalls. Falls jemand von euch also eine schnellwachsende Berankung für Spalier oder Pergola sucht, die Kiwi könnte das richtige sein. Eine Bekannte von mir hat ihre Terrasse mit Mini-Kiwis überdacht und hat gewöhnlich im Spätherbst eine reiche Ernte an den leckeren kleinen Früchten. Bei meinen Fejoas werde ich wohl, wenn es denn klappen sollte, noch einige Jahre auf die erste Ernte warten müssen. Die habe ich nämlich erst aus Samen gezogen, aber drei muntere kleine Pflänzchen sind es schon geworden. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich machen.

So, dass sind einige meiner grünen Lieblinge, die für Urlaubsfeeling auf der Terrasse sorgen. Habt ihr auch so welche? Oder vielleicht sogar Pflanzen, die ihr aus fernen Ländern mitgebracht habt, quasi grüne Urlaubserinnerungen?

12 Kommentare zu “Sommer im Hexengarten: Pflanz‘ dir Urlaub!

  1. 13. Juni 2021 um 20:39

    Hallo Mirjam

    Mein Estragon hat diesen Winter leider nicht überlebt, leider habe ich nie viel für die SalatSauce benutzt (jetzt brauche ich wieder einen 🙂 ). Eine Ananasguave habe ich seit vielen Jahren nur einmal hat sie geblüht, irgendetwas mache ich falsch.
    Mein griechischer Bergtee blüht bald – also erntereif . Diesen Aufrechten Ziest kenne ich nicht nur den Wald Ziest.
    Aus einem Südtirolurlaub habe ich Brotklee mitgebracht und das ist für mich das beste Brotgewürz. Ich backe einmal die Woche und jedesmal denke ich an Südtirol.
    Autos hören wir fast keine aber wehe wenn ein Nachbar anfängt zu mähen geht das den ganzen Tag – muss ansteckend sein .
    Liebe Grüße
    Claudia

    • mirjam
      18. Juni 2021 um 13:28

      Oh, du hast sogar eine Ananasguave! Wie groß ist sie denn? Ich bin sehr gespannt, ob und wann meine blühen werden. Ich hatte nur gehört, dass sie wohl am liebsten ein zweites Exemplar brauchen, um auch Früchte zu bilden. Vom Brotklee habe ich auch schon bei dir gelesen. Den setzte ich mir auf jeden Fall auf die Merkliste, denn inzwischen habe ich auch einen Sauerteig und backe immer mal wieder Brot. Danke für den Tipp!

      • 20. Juni 2021 um 16:41

        Hallo Mirjam

        Also meine Ananasguave ist mind. 16-17 Jahre alt und sehr buschig und ca. 1.m hoch. Aber nur deshalb weil ich die Pflanze letzten Herbst stark zurückgeschnitten habe. War etwas traurig weil sie wieder nicht geblüht hat.
        🙂 Gruß Claudia

        • mirjam
          26. Juni 2021 um 15:52

          Wow, das muss ja ein richtiger Busch sein. Schade, dass sie nicht blühen mag, aber immerhin scheint sie dich schon lange zu begleiten.

  2. 15. Juni 2021 um 23:25

    Ach wie schön deine grüne Urlaubsreise 🙂 Ich bin mehr den deutschen Sommer gewöhnt als irgendeinen anderen, ich vermisse nicht allzu viel. Allerdings würde ich meine ganzen duftenden Pflanzen wohl sehr vermissen, egal welche. Ein großer Anis-Ysop-Fan bin ich ja auch und Thymian gibts an jeder Balkonecke 😉 Danke für all deine schönen Urlaubsgeschichten, das war eine Freude beim Lesen! Schnellwachsend erlebe ich gerade übrigens meinen Neuzugang, das Geißblatt. Ich bin gespannt, ob es auch schon in diesem Jahr blühen wird, bisher rankt es fröhlich.

    • mirjam
      18. Juni 2021 um 13:25

      Oh ja, ein Geißblatt habe ich auch. Das wartet gerade noch auf’s Einfpflanzen. Damit will ich einen kleines Stück Zaun verschönern und aromatisieren. Ich liebe den Geißblattduft so sehr und frage mich jedes Jahr, warum es kein Parfum gibt, das so gut riecht 🙂
      Sei froh, dass dein Anis-Ysop auf dem Balkon sicher ist. Die Schnecken lieben ihn nämlich. Mein liebevoll angezogenes Pflänzchen haben sie in einer Nacht razte-kahl gefressen. Ich hatte mir dann als Ersatz zwei aus einer Gärtnerei bestellt und extra in einen Kasten auf die Terrasse gesetzt – leider zu nahe an der Wiese. Da waren nach einer Nacht auch schon wieder Löcher in den Blättern. Jetzt stehen sie am Haus und hoffentlich in Sicherheit.

  3. Andreas
    19. Juni 2021 um 21:05

    Hallo Mirjam,

    vielen Dank für die kleine Urlaubsreise. Vor kurzem durfte ich ja schon einmal auf einen nachmittäglichen Kurzurlaub bei Dir vorbeikommen.
    Mein französischer Estragon, den ich mir letztes Jahr als Gewürz für die eingemachten Tomaten zugelegt hatte, treibt dieses Jahr wieder fleißig aus. Als Salatgewürz hatte ich ihn noch nicht verwendet, das muss ich demnächst mal nachholen.
    Meine mediterrane Urlaubsecke im Hof, ein Sandsteintrog mit Lavendel, Silberheiligenkraut und Thymian, ist derzeit etwas renovierungsbedürftig, da der Lavendel alles andere überwuchert hat. Inzwischen habe ich den anderen Pflanzen wieder mehr Platz verschafft und im Herbst werde ich den Lavendel nochmal großzügig zurückschneiden.

    Viele Grüße
    Andreas

    • mirjam
      26. Juni 2021 um 16:03

      Das mit dem Estragon im Salat musst du mal ausprobieren. Der leckere Estragon-Essig-Sud von deinen eingemachten Tomaten war in letzter Zeit eine meiner Lieblingsgrundzutaten für Salatsaucen. Das Rezept brauche ich unbedingt. Diese Steintröge, wie du sie im Hof hast, finde ich auch einfach wunderbar. Sie zaubern so eine verwunschene, entspannte Atmosphäre. Das hat wirklich etwas von fränkischer Toskana 🙂

  4. Iris & Bernd
    20. Juni 2021 um 10:47

    Eine Urlaubsstimmung nach Hause zu verpflanzen, ist wunderbar. Bei uns wächst jedes Jahr aufs Neue die Erinnerung an eine unvergessliche Woche in Frankreich, in einem Dörfchen in der Drôme. Eines Abends, nach einem sanften Regen, war der Innenhof unseres Quartiers von einem unvermuteten Duft erfüllt: Curry. Es war unglaublich intensiv. Das war unsere erste Begegnung mit Currykraut.
    Unwiderstehlich! Kaum hatten wir daheim auf dem Marktstand eines Kräutergärtners eine Currykraut-Pflanze entdeckt, bekam sie in unserem Garten ein neues Daheim.
    Leider gibt es das bezaubernde Anwesen, in dem wir Currykraut für uns entdeckten, nicht mehr. Doch der Duft unserer Pflanze, mittlerweile ein Busch geworden, versetzt uns immer wieder in den Süden Frankreichs.
    Mit einem lieben Gruß in die Runde,
    Iris & Bernd

    • mirjam
      26. Juni 2021 um 15:58

      Das klingt nach einer wunderbaren Urlaubserinnerung. Das schönes ist, dass diese Kräuterbegegnung für euch wohl im Duft des Currykrautes weiterleben wird, auch wenn es den Ort dazu so gar nicht mehr gibt. Düfte haben wirklich eine besondere Gabe, uns in Erinnerungen lebendig werden zu lassen. Mein Currykraut im Kasten treibt auch schon wieder munter Blüten. Die sind nicht nur hübsch und sonnig gelb, sondern kommen auch bei den Insekten gut an 🙂

  5. Doris
    4. Juli 2021 um 20:37

    Liebe Mirjam,
    Pflanzen sind ganz wunderbare Urlaubserinnerungen, das stimmt! Ich habe vor vielen Jahren in Italien von einer netten Freundin einer Freundin Hauswurz-Ableger aus ihrem Garten bekommen. Die begleiten mich seitdem und blühen zuverlässig in jedem Frühjahr. Ich musste mir dieser Jahr allerdings wieder Ableger ziehen, weil die ganze Pflanze ein bisschen schwächelt. Ich hoffe, ich bringe sie weiter heil durch! Dann habe ich noch einen Kaktus aus Zypern, den ich auch sehr gern mag. Der stammt von einem kleinen Markt und wurde selbst gezüchtet. Ich hatte 3, aber mit Kakteen habe ich es nicht so, muss ich gestehen. Ich hoffe, der Kleine ist zäh! Ich hatte auch einen Kaktusableger aus einem Landschulheim, den ich dort auf einer Klassenreise mitgenommen habe. Dieser Kaktus hat mein Abi tatsächlich um viele Jahre überlebt! 🙂 Lauter schöne Erinnerungen …
    Liebe Grüße!
    Doris

    • mirjam
      9. Juli 2021 um 15:04

      Ein Kaktus aus dem Schullandheim – das ist ja wirklich eine langlebige, grüne Reiseerinnerung! Ein sehr nachhaltiges Andenken 🙂 Bei Feigenkakteen muss ich aber auch immer an unsere Abifahrt an die Costa Brava denken. Das war das erste Mal, dass ich Feigenkakteen in der freien Wildbahn gesehen habe, und natürlich musste ich unbedingt Kaktusfeigen pflücken. Wie soll ich sagen. Die Stacheln aus den Fingern waren irgendwann draußen, aber im Rucksack haben sie sich lange gehalten und haben mich auch zu Hause immer wieder an diese Wanderung erinnert.

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