Sommer im Hexengarten: Duftwunder

„Man bereut nie, was man getan hat, sondern immer, was man nicht getan hat“ soll der römische Kaiser und Philosoph Marc-Aurel gesagt haben. Vielleicht kann man das nicht so pauschal sagen, aber dran ist auf jeden Fall was. Mir ging es in puncto Duftgeranien so. Meine erste Begegnung mit Duftgeranien hatte ich im Parc Floral de Paris, einem der Botanischen Gärten in Paris, der wunderschön draußen im Wald von Vincennes liegt. Neben Staudenbeeten, Kräutergärten, einem Schmetterlingshaus, einem Bonsai-Wäldchen und anderen grünen Sehenswürdigkeiten gibt es dort auch eine große Geraniensammlung. Verschlungene Pfade fürhen dort durch hunderte Töpfe mit allen nur erdenklichen Geraniensorten und natürlich auch jeder Menge Duftgeranien. Und was habe ich gemacht? Gestaunt, wie viele Geranien es gibt, ihre kleinen eher unaufdringlichen Blüten bewundert und ihre fantasievollen Namen. Und was habe ich nicht gemacht? Dran gerochen! Zu der Zeit wusste ich nämlich einfach nicht, dass es auch Duftgeranien gibt, und habe wahrscheinlich im Geranienwald das entsprechende Infoschild dort übersehen. Meine Liebe zu den Duftgeranien habe ich erst ein paar Monate später durch eine geschenkte Rosengeranie entdeckt. Und wenn ich mir vorstelle, wie viele ich dort direkt vor der Nase gehabt hätte zum Erschnuppern, da passt der Spruch von Marc-Aurel leider zu gut.

Meine kleine Duftpelargoniensammlung 🙂

Von meiner Rosengeranie hatte ich euch hier ja schon einmal berichtet. Eine meiner liebsten Teezutaten ist sie immer noch und wirft auch reichlich Ernte ab. Da es die Duftgeranien oder eigentlich botanisch korrekter Duftperalgonien in unterschiedlichsten Duftrichtungen gibt, habe ich dieses Jahr nicht widerstehen können und mir noch drei weitere Sorten ins Haus bzw. auf die Terrasse geholt. Und ich liebe sie alle. Es macht einfach sofort gute Laune, ihnen über die Bläter zu streicheln und den Duft zu genießen.

Blüht fleißig und hat ganz streichelzarte Blätter, die herrlich nach Apfel duften – die zierliche Apfelduftperalrgonie

Die erste ist eine kleine zierliche Apfelduft-Pelargonie, deren Blätter wirklich nach Apfel duften. Seit sie bei mir eingezogen ist, blüht sie unablässig mit zierlichen weißen Blüten. Sie wohnt jetzt mit meiner Orangen-Verbene zusammen in einem Kübel und scheint sich dort sehr wohl zu fühlen. So wie es aussieht scheint sie sogar Samenstände auszubilden. Insektenmagnete sind ihre hübschen Blüten zwar nicht, aber es hat sich doch immer mal wieder ein Bienchen darum gekümmert (sie steht auch gleich neben dem Wildbienenhäuschen).

Die Blätter sehen nicht nur hübsch aus, sondern duften auch ganz fruchtig-lecker

Eines der gärtnerischen Highlights in diesem Frühjahr war wieder der Besuch in unserer Lieblings-Spezialitäten-Gärtnerei. Im Fokus waren zwar Tomaten- und Chilipflänzchen, aber dort gibt es auch eine schöne Auswahl an Duftpelargonien. Da musste ich mir natürlich etwas Zeit zum Durchschnuppern nehmen. Zwei ganz besondere Duftschätzchen sind dann mit uns nach Hause gefahren. Die eine ist „Fair Ellen“, eine Eichenlaubpelargonie (Pelargonium quercifolium). Ihre Blätter sehen schon sehr schmuck aus – satt grün mit leicht gekräuseltem Rand und einer bräunlichen Zeichnung im Zentrum. Außerdem duftet sie einfach lecker, irgendwie fruchtig ohne an eine bestimmte Frucht zu erinnern. In manchen Beschreibungen ist zu lesen „balsamischer Duft“. Aber so ist das eben mit Düften, da versagt die Sprache oft schnell in puncto Treffsicherheit. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass ich an ihr riechen durfte, sonst hätte sie vielleicht nicht so schnell zu mir gefunden.

Mitgenommen hatte ich das „Minzebäumchen“ ganz eindeutig wegen seines Duftes, aber mit den kleinen Blüten und dem aparten Laub ist es auch optisch eine Freude

Die andere ist auch ein ganz besonderes Schätzchen, wahrscheinlich sogar ein richtiges Unikat. Als ich beim Gärtner die Sorten nachgefragt habe (Schildchen waren nämlich keine dran, aber auch nicht schlimm, so konnte ich ganz unbefangen schnuppern), hat er zu diesem Pflänzchen so schön geantwortet: „… ein Sämling ohne Namen, der mal bei mir in einem Kübelpflanzentopf aufgegangen ist. Mutter denke ich ist denticulatum-filicifolium. Aber wer ist der Vater??? Wie im richtigen Leben…“ Das Aussehen passt auf jeden Fall Balsam- oder Pinienduftpelargonie Perlargonium denticulatum-filicifolium, allerdings hat sie für mich auch eine ganz eindeutig minzige Aromanote. Jedenfalls auch sehr intensiv und frisch, ein Guter-Laune-Wach-Mach-Duft. Bei mir heißt sie jetzt Minzbäumchen, weil sie in der kurzen Zeit von einem handlichen Pflänzchen zu einem kleinen Busch herangewachsen ist. Sehr zu meiner Freude zeigt sie jetzt erste Blüten in einem zarten Rosa.

Eine weitere Freude hat mir die alt eingesessene Rosenpelargonie auch noch beschert. Bei ihrem Frühlingsschnitt sind diesmal so viele Zweiglein gefallen, dass ich mehr als genug Material für Tee hatte. So dachte ich mir: Warum nicht einfach mal probieren, wie sich Ableger ziehen lassen? Ein paar Triebspitzen habe ich einfach in ein Wasserglas auf die fensterbank gestellt und gewartet, ob sich etwas tut. Ich war schon nahe dran, zu glauben, dass das nichts mehr wird, da zeigten sicht erste Würzelchen. Inzwischen haben die meisten gewurzelt und sind schon in Töpfchen umgezogen. Da werde ich mich wohl bald nach neuen Duftgeranienfreunden umschauen müssen, die ihnen ein gutes Zuhause schenken wollen, denn alle werde ich nicht behalten können. Zumal es ja noch so viele andere Sorten zu entdecken gibt 🙂

6 Kommentare zu “Sommer im Hexengarten: Duftwunder

  1. 21. Juni 2021 um 12:00

    Wie spannend! Bei mir sind Geranien ja immer gleich als insektenunfreundlich eingestuft, hauptsächlich kennt man ja auch nur diese knalligen Farben und die stinken, sofern ich mich recht erinnere. Bzw. riechen sie weniger angenehm 😀 Wie ist es denn mit dem Überwintern bei diesen Arten, stellst du alle ins Treppenhaus? Ich bin ja ein bisschen faul 😀 Zitronenverbene muss bei mir auch immer draußen bleiben, in diesem Jahr wollte ich sie auch mal lieber ins Treppenhaus stellen.

    • mirjam
      26. Juni 2021 um 15:55

      Ja, die Duftpelargonien müssen zum Überwintern ins Treppenhaus. Kältere Temperaturen oder Frost vertragen sie gar nicht. Dafür war die Rosenpelargonien die letzten zwei Winter sehr pflegeleicht, braucht nur ab und an ein bisschen Wasser und duftet auch im Winter weiter. Meine Zitronenverbene hat es draußen nicht über den Winter geschafft. Ich hatte sie extra schon geschützt gestellt, aber der letzte harte Frost hat bei mir einige Opfer gefordert, die die letzten Winter gut überstanden hatten.

  2. Doris
    16. Juli 2021 um 22:28

    Hallo Miri,
    ich habe schon länger keine Duftgeranien mehr, aber ich hatte welche, die wunderbar nach Zitrone geduftet haben. Ja, wirklich erstaunlich, was es da alles gibt – wir kennen ja meistens nur die Dinger von den Fensterbänken oder Balkonen. Und die duften so gar nicht.. 😉 Wie sieht denn die Rosenpelargonie aus, ist die auf einem der Fotos? Ich kenne zwar welche, aber die duften nicht so toll; wird wohl doch was anderes sein.
    Liebe Grüße,
    Doris

    • mirjam
      17. Juli 2021 um 12:41

      Die Rosenperlagonie siehst du hier. Sie hatte letztes Jahr sogar geblüht mit ganz zierlichen rosa Blüten. Das Aroma ist so zwischen Rose und Zitrone. Ich habe so viele Ableger von ihr, dass ich gerne einen abgeben kann. Gut eingepackt, wird sich so ein Pflänzchen ja irgendwie verschicken lassen. Meine „Fair Ellen“ blüht jetzt ganz üppig und sogar die Hummeln mögen die Blüten und die Apfelduftgeranie hat sogar Samen gebildet.

      • Doris
        17. Juli 2021 um 21:03

        Hallo Mirjam,
        da schau her, ich habe in 2020 wohl ein paar Posts nicht richtig mitbekommen. Die sieht ja hübsch aus. „Zitronige Rose“ oder „rosige Zitrone“ klingt interessant! Wie groß sind deine Ableger denn schon? 😉 Das mit dem Überwintern ist immer ein bisschen schwierig, weil bei uns die Plätze oft entweder zu warm oder zu dunkel sind. Ich müsste überlegen, wieviel Fensterbankplatz ich im Winter habe…
        Liebe Grüße,
        Doris

        • mirjam
          18. Juli 2021 um 17:19

          Die Ableger sind noch ganz klein und handlich. Allerdings waren meine beiden neuen – die Fair Elken und das Minzbäumchen – im Frühling auch noch kleine Ableger und sind inzwischen schon fast zu groß für die Fensterbank. Auf der anderen Seite steht in meinem schlauen Buch, dass Leute mit wenig Platz auch einfach immer Ableger aus dem Herbst überwintern können. Kannst mir gerne einfach mailen, wenn du einen haben magst 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.