Sommer im Hexengarten: Balkongeschichten

Jetzt aber husch, husch auf zum Sommerendspurt im Hexengarten. Ich weiß nicht wie es euch geht mit diesem Frühherbst, aber ich vergesse tagsüber immer mal wieder, dass eigentlich schon Herbst ist. Die Wiesen sind noch so schön grün, bei uns blühen noch Sommerblumen wie Johanniskraut (!) und Flockenblumen und die Sonne wärmt tagsüber ordentlich. Dabei ist heute schon astronomischer Herbstanfang. Da muss ich natürlich schnell noch rechtzeitig Andreas‘ Beitrag online stellen, der mich schon am Wochenende erreicht hat. Hier sind seine Balkongeschichten:

Nachdem ich letztes Jahr darum gebeten wurde, möchte ich diesmal ein wenig zu meinem Balkon erzählen.
Vor ein paar Jahren kam ich durch einige geschenkte Pflänzchen auf die Idee, auf dem Balkon statt Hängepetunien lieber Gemüse und Kräuter anzubauen. Mit Tomaten und Kürbissen hatte ich auch schon einigen Erfolg und konnte letztes Jahr auch einiges davon einkochen.

Dieses Jahr waren bei den Tomaten Zebra Red, Zakopane (Fleischtomate) und Heinz (die auch zur Ketchupherstellung verwendet wird) am Start. Die ersten beiden hatte ich selbst nachgezogen, da sie zum Glück keine der allseits beliebten F1 Hybriden sind. Bei Heinz muss ich das nächstes Jahr erst noch herausfinden, bin aber guter Dinge. Leider habe ich mit Tomaten durch den eher feuchten und kühlen Sommer diesmal die gleichen Probleme wie wahrscheinlich die meisten von Euch. Von den wenigen Früchten, die sie tragen waren einige auch noch am Stock verfault. Für ein paarmal Brotzeit reicht es immerhin trotzdem.

Von meinem Balkonkürbis aus dem letzten Jahr hatte ich ebenfalls einige Pflanzen nachgezogen. Hier blieb mir dieses Jahr die Ernte leider verwehrt. Der Kürbis ist zwar genauso störrisch wie sein Vorfahr (die Ranken lassen sich nicht so problemlos biegen und verlegen wie z.B. bei Hokkaidos), hat inzwischen zwei Stühle in Beschlag genommen, blüht prächtig und ist gerade dabei, die Strelitzie zu umgarnen, Früchte will er aber diesmal keine tragen.
Die ist nur im Sommer auf dem Balkon zu Gast und hat mich dieses Frühjahr noch in der Wohnung zum ersten Mal mit einer prächtigen Blüte erfreut.

Den Kräutern (und mir ;-)) hat das feuchte kühle Wetter dagegen sichtlich behagt. An Kräutern wachsen auf dem Balkon neben den üblichen Thymian, Majoran Rosmarin, Oregano und Petersilie auch Ysop und Muskatellersalbei. Der Ysop scheint sich auch als eher mediterrane Pflanze seit einigen Jahren auf meinem Balkon wohlzufühlen, erfreut mich mit vielen blauen Blüten und hat sich inzwischen auch schon von selbst vermehrt, so dass ich schon eine Pflanze weiterschenken konnte.

Der Muskatellersalbei stammt von einer Pflanze ab, die ich vor vielen Jahren gekauft hatte und fühlt sich im Hof und auf dem Balkon so wohl, dass er zum Dauergast geworden ist. Nachdem er letztes Jahr in der Nordostecke bei der Petersilie wuchs, sind dieses Jahr zwei Pflanzen im Nordwesten beim Oregano aufgetaucht. Auch der Salbei erfreut die Bienen und mich mit vielen prächtigen Blüten. Vor allem im Frühsommer, aber auch heute habe ich mich noch über eine neue Blüte freuen können.

Dieses Jahr hatte ich aber vor allem an zwei Pflanzen auf dem Balkon meine Freude: Dem neuen Birnbaum und den (Halb-) Wilden Möhren.

Ursprünglich wollte ich auf meinem Balkon dieses Jahr einen Stachelbeerstrauch pflanzen, da Stachelbeeren sich wohl auch im Topf wohlfühlen und ich die Früchte liebe. Bei der Onlinesuche nach Stachelbeeren während des Lockdowns stieß ich bei einem Gartenmarkt in der Nähe aber auf Apfel- und Birnensorten, die auch für die Haltung in Töpfen geeignet sind. Schließlich legte ich mir statt der Stachelbeere eine Sommer-Blutbirne zu, eine sehr alte Birnensorte mit rotem Fruchtfleisch. Damit die Birne auch wächst und gedeiht, habe ich sie in einen 80 cm Topf gesetzt (der ersten Blumentopf, für den ich die Rücksitzbank im Auto umklappen musste). Bis jetzt scheint es ihr auf dem Balkon gut zu gefallen und sie hat über den Sommer gute Fortschritte gemacht. Nur gegen den Birnengitterrost muss ich nächstes Jahr rechtzeitig etwas unternehmen. Als ich die ersten Anzeichen bemerkt hatte, war es schon zu spät im Jahr. Zum Glück beschränkte sich der Befall auf einige wenige Blätter.

Nachdem in dem Topf ausreichend Platz war, habe ich ihn gleich noch als Kräuterbeet zweckentfremdet und außerdem einige der Wilden Möhren eingepflanzt, die seit einigen Jahren auf meinem Balkon heimisch sind. Bei so viel frischer Erde sind sie dieses Jahr besonders prächtig gewachsen und erfreuen nicht nur mich:

Auch jetzt treiben sie noch neue Blüten und für die nächste Generation ist ebenfalls reichlich vorgesorgt:

Auch die Hängepetunien sind dieses Jahr wieder auf den Balkon zurückgekehrt. Um den Birnbaumtopf, der von unten aus dem Hof doch recht mächtig wirkt, etwas zu kaschieren, habe ich einige davon in dem riesigen Topf angepflanzt. Leider hat ihnen wohl niemand gesagt, dass sie Hängepetunien sind, denn obwohl sie sich sichtlich wohl fühlten, haben sie sich nie wirklich über den Topfrand getraut.

Inzwischen geht die Gartensaison auf dem Balkon langsam zu Ende, aber ich freue mich schon auf das nächste Jahr mit neuen Pflanzen und alten Bekannten.

Ganz herzlichen Dank, lieber Andreas, für diese schönen Einblicke auf deinen Balkon! Oder eigentlich eher schon Balkongarten, jetzt wo es sogar einen Birnbaum dort gibt. Ich finde es immer wieder faszinierend, was für grüne Oasen auf kleinem Raum entstehen können, wo eine liebevoll gärtnernde Hand am Werk ist. Dein Rosmarin ist auch eine Pracht und auf die dicke Tomate bin ich ganz schön neidisch. Bei mir haben es dieses Jahr die größeren Tomaten gar nicht geschafft zu reifen, bevor sie die Fäule erreicht hat. Dafür gefällt es deinem Ysop bei mir sehr gut. Im Moment zeigt er sogar noch ein paar letzte Blüten. Und mir geht es ganz ähnlich: ich genieße noch das schöne Ende der jetzigen Gartensaison, freue mich auf die nächste und auch auf das Planen derselbigen im Winter 🙂

5 Kommentare zu “Sommer im Hexengarten: Balkongeschichten

  1. 23. September 2021 um 09:23

    Hallo Andreas

    So toll was auf deinem Balkon alles wächst. Ich bin gespannt wie die Blutbirne im Topf den Winter überlebt, die Früchte (hab gegoogelt) sehen genial aus. Wilde Möhren sind wunderschön vor allem kurz bevor sie ihre Blüten öffnen das Foto ist perfekt.
    Hokkaido habe ich dieses Jahr schon 24 Stück geerntet eigentlich die einzige Pflanze die sich bei diesem nasskalten Wetter wohlgefühlt hat. Leider auch Tomaten und Krautfäule und die paar Kartoffeln die ich zu ernten erhoffte war eine Wühlmaus schneller.
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Andreas
      6. Oktober 2021 um 21:28

      Hallo Claudia,

      das war wohl allgemein kein Gemüsejahr. Aber 24 Hokkaidos können sich echt sehen lassen! Ich muss meine dieses Jahr leider vom Markt holen. Naja, neues Jahr, neues Glück! 😉

      Viele Grüße
      Andreas

  2. Iris & Bernd
    26. September 2021 um 13:41

    Hallo Andreas,

    eine so beeindruckende Gläsergalerie mit leckerem Eingemachten haben wir schon lange nicht mehr gesehen!
    Ans Einwecken haben wir noch gar nicht gedacht, aber der Anblick Deiner Werke ist schon sehr inspirierend…
    Dein Balkongarten ist wahrlich ein grüne Oase, und Deine Wilde Möhre und der Muskatellersalbei haben wir uns als Idee fürs „Eintopfen“ gemerkt. Die Beete in unserem Garten, die für solche Pflanzen in Frage kämen, sind ziemlich voll. Aber für Töpfe finden wir noch ein Plätzchen, zum Beispiel neben den Kastenbeeten 🙂 .

    Viele Grüße

    Iris + Bernd

    • Andreas
      6. Oktober 2021 um 21:24

      Hallo Iris und Bernd,

      für einen Blumentopf ist immer noch Platz! 😉 Die Gläser auf dem Bild habe ich alle benötigt, um den einen Kürbis aus dem letzten Jahr einzuwecken. Sind aber auch sehr kleine dabei, die kleinsten fassen nur 75 ml, sind aber ideal für eine bis zwei Portionen Ketchup, Barbecuesoße, etc.

      Viele Grüße
      Andreas

  3. 1. Oktober 2021 um 10:00

    Wow, die Birne ist ja ein Traum! Sowas fehlt mir noch 😀 Wirst du den Topf irgendwie vor Frost schützen?

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