Sommer im Hexengarten: Duftwunder

„Man bereut nie, was man getan hat, sondern immer, was man nicht getan hat“ soll der römische Kaiser und Philosoph Marc-Aurel gesagt haben. Vielleicht kann man das nicht so pauschal sagen, aber dran ist auf jeden Fall was. Mir ging es in puncto Duftgeranien so. Meine erste Begegnung mit Duftgeranien hatte ich im Parc Floral de Paris, einem der Botanischen Gärten in Paris, der wunderschön draußen im Wald von Vincennes liegt. Neben Staudenbeeten, Kräutergärten, einem Schmetterlingshaus, einem Bonsai-Wäldchen und anderen grünen Sehenswürdigkeiten gibt es dort auch eine große Geraniensammlung. Verschlungene Pfade fürhen dort durch hunderte Töpfe mit allen nur erdenklichen Geraniensorten und natürlich auch jeder Menge Duftgeranien. Und was habe ich gemacht? Gestaunt, wie viele Geranien es gibt, ihre kleinen eher unaufdringlichen Blüten bewundert und ihre fantasievollen Namen. Und was habe ich nicht gemacht? Dran gerochen! Zu der Zeit wusste ich nämlich einfach nicht, dass es auch Duftgeranien gibt, und habe wahrscheinlich im Geranienwald das entsprechende Infoschild dort übersehen. Meine Liebe zu den Duftgeranien habe ich erst ein paar Monate später durch eine geschenkte Rosengeranie entdeckt. Und wenn ich mir vorstelle, wie viele ich dort direkt vor der Nase gehabt hätte zum Erschnuppern, da passt der Spruch von Marc-Aurel leider zu gut.

Meine kleine Duftpelargoniensammlung 🙂

Von meiner Rosengeranie hatte ich euch hier ja schon einmal berichtet. Eine meiner liebsten Teezutaten ist sie immer noch und wirft auch reichlich Ernte ab. Da es die Duftgeranien oder eigentlich botanisch korrekter Duftperalgonien in unterschiedlichsten Duftrichtungen gibt, habe ich dieses Jahr nicht widerstehen können und mir noch drei weitere Sorten ins Haus bzw. auf die Terrasse geholt. Und ich liebe sie alle. Es macht einfach sofort gute Laune, ihnen über die Bläter zu streicheln und den Duft zu genießen.

Blüht fleißig und hat ganz streichelzarte Blätter, die herrlich nach Apfel duften – die zierliche Apfelduftperalrgonie

Die erste ist eine kleine zierliche Apfelduft-Pelargonie, deren Blätter wirklich nach Apfel duften. Seit sie bei mir eingezogen ist, blüht sie unablässig mit zierlichen weißen Blüten. Sie wohnt jetzt mit meiner Orangen-Verbene zusammen in einem Kübel und scheint sich dort sehr wohl zu fühlen. So wie es aussieht scheint sie sogar Samenstände auszubilden. Insektenmagnete sind ihre hübschen Blüten zwar nicht, aber es hat sich doch immer mal wieder ein Bienchen darum gekümmert (sie steht auch gleich neben dem Wildbienenhäuschen).

Die Blätter sehen nicht nur hübsch aus, sondern duften auch ganz fruchtig-lecker

Eines der gärtnerischen Highlights in diesem Frühjahr war wieder der Besuch in unserer Lieblings-Spezialitäten-Gärtnerei. Im Fokus waren zwar Tomaten- und Chilipflänzchen, aber dort gibt es auch eine schöne Auswahl an Duftpelargonien. Da musste ich mir natürlich etwas Zeit zum Durchschnuppern nehmen. Zwei ganz besondere Duftschätzchen sind dann mit uns nach Hause gefahren. Die eine ist „Fair Ellen“, eine Eichenlaubpelargonie (Pelargonium quercifolium). Ihre Blätter sehen schon sehr schmuck aus – satt grün mit leicht gekräuseltem Rand und einer bräunlichen Zeichnung im Zentrum. Außerdem duftet sie einfach lecker, irgendwie fruchtig ohne an eine bestimmte Frucht zu erinnern. In manchen Beschreibungen ist zu lesen „balsamischer Duft“. Aber so ist das eben mit Düften, da versagt die Sprache oft schnell in puncto Treffsicherheit. Jedenfalls bin ich sehr froh, dass ich an ihr riechen durfte, sonst hätte sie vielleicht nicht so schnell zu mir gefunden.

Mitgenommen hatte ich das „Minzebäumchen“ ganz eindeutig wegen seines Duftes, aber mit den kleinen Blüten und dem aparten Laub ist es auch optisch eine Freude

Die andere ist auch ein ganz besonderes Schätzchen, wahrscheinlich sogar ein richtiges Unikat. Als ich beim Gärtner die Sorten nachgefragt habe (Schildchen waren nämlich keine dran, aber auch nicht schlimm, so konnte ich ganz unbefangen schnuppern), hat er zu diesem Pflänzchen so schön geantwortet: „… ein Sämling ohne Namen, der mal bei mir in einem Kübelpflanzentopf aufgegangen ist. Mutter denke ich ist denticulatum-filicifolium. Aber wer ist der Vater??? Wie im richtigen Leben…“ Das Aussehen passt auf jeden Fall Balsam- oder Pinienduftpelargonie Perlargonium denticulatum-filicifolium, allerdings hat sie für mich auch eine ganz eindeutig minzige Aromanote. Jedenfalls auch sehr intensiv und frisch, ein Guter-Laune-Wach-Mach-Duft. Bei mir heißt sie jetzt Minzbäumchen, weil sie in der kurzen Zeit von einem handlichen Pflänzchen zu einem kleinen Busch herangewachsen ist. Sehr zu meiner Freude zeigt sie jetzt erste Blüten in einem zarten Rosa.

Eine weitere Freude hat mir die alt eingesessene Rosenpelargonie auch noch beschert. Bei ihrem Frühlingsschnitt sind diesmal so viele Zweiglein gefallen, dass ich mehr als genug Material für Tee hatte. So dachte ich mir: Warum nicht einfach mal probieren, wie sich Ableger ziehen lassen? Ein paar Triebspitzen habe ich einfach in ein Wasserglas auf die fensterbank gestellt und gewartet, ob sich etwas tut. Ich war schon nahe dran, zu glauben, dass das nichts mehr wird, da zeigten sicht erste Würzelchen. Inzwischen haben die meisten gewurzelt und sind schon in Töpfchen umgezogen. Da werde ich mich wohl bald nach neuen Duftgeranienfreunden umschauen müssen, die ihnen ein gutes Zuhause schenken wollen, denn alle werde ich nicht behalten können. Zumal es ja noch so viele andere Sorten zu entdecken gibt 🙂

Sommer im Hexengarten: Pflanz‘ dir Urlaub!

„Wenn ich die anschaue, fühle ich mich sofort wie in Spanien“ hat eine liebe Freundin zu unseren Mittagsblümchen gesagt. Kann man sich ein bisschen Urlaub einfach auf die Terrasse holen?

Auch wenn im Moment so eine allgemeine Urlaubseuphorie auszubrechen scheint, ich bin mal lieber ganz zurückhaltend mit Urlaubsplanung dieses Jahr. Und wie ich letztes Jahr gelernt habe: Urlaub machen daheim hat auch seinen ganz eigenen Zauber. Obwohl ich sonst schon immer gerne viel draußen unterwegs war, habe ich durch die Ferien zuhause noch einige schöne Fleckchen Erde ganz in der Nähe kennengelernt, die ich vorher nicht kannte. Manche sind inzwischen für mich richtige Sehnsuchtsorte geworden, an die ich im Winter oft gedacht habe und die alle nicht weiter als eine halbe Autostunde weg sind. Und natürlich habe ich den ganzen Winter davon geträumt, wieder auf der Terrasse zu sitzen und Gerüche, Farben, Geräusche des Garten genießen zu können. Jetzt ist es soweit. Und gegen das Fernweh habe ich mir auch ein paar passende grüne Freunde gesucht.

Meine kleine griechische Ecke im Garten 🙂

Einen meiner Lieblinge habe ich euch neulich schon im Beitrag über meine Haustees vorgestellt: den Griechischen Bergtee. Oder inzwischen eigentlich eher: die Griechischen Bergtees. Was mit einem etwas mühsam aus Samen angezogenen Pflänzchen des Parnassischen Bergtees (Sideritis raeseri) angefangen hat (die Bergtees sind nämlich etwas heikel beim Keimen), ist inzwischen zu einer kleinen griechischen Ecke geworden. Aus dem alten Kübel, den mir der letzte Frost dieses Winters endgültig zerlegt hat, ist ein mediterranes Rahmenbeet im Kleinformat geworden. Dort wohnen jetzt zwei Kretische Bergtees (Sideritis syriaca) und daneben ein Diptam-Dost (Origanum dictamnus). Alles liebenswerte pelzige Pflänzchen, die zum Streicheln einladen und vor allem die Trockenheit in der Ecke dort gut wegstecken. Eine kleine Ziestrose kommt bald auch noch dazu, die steht im Moment aber noch ein bisschen regengeschützter. Nicht so mediterran, aber ebenso liebenswert ist der Aufrechte Ziest (Stachys recta). Mit seinen hübschen hellen Blüten ähnelt er den Bergtees in gewisser Weise und wir bestimmt auch helfen, eine meiner schönsten Erinnerungen an Griechenland lebendig zu halten: das Summen unzähliger Bienen in den blühenden Bergwiesen. Habt ihr das schon einmal erlebt, dass außer vielleicht ein paar Vögelchen und gelegentlichen Geräuschen wie einem vorbeifahrenden Auto nichts zu hören ist außer dem Summen der Bienen? Die Tage hatte ich tatsächlich das Glück auf einem Magerrasen diese Geräuschkulisse wiederzufinden. Ein Stückchen davon habe ich in ruhigen Momenten aber auch in meinem Garten 🙂

Ein wichtiges Puzzelsteinchen gegen Frankreichsehnsucht ist für mich zweifelsohne der Estragon. Ich weiß gar nicht, wie wir hierzulande ohne dieses wunderbare Kraut auskommen. Jahrelang habe ich versucht, gute Salatsoße zu machen. Irgendwas hat immer gefehlt, obwohl ich mit vielen verschiedenen Kräutern experimentiert habe. Irgendwann hielt ich es eher für eine Verklärung meiner Geschmackserinnerung, dass in Frankreich sogar die Salatsoße in der Mensa lecker war. Ich meine, wie sollte eine Einrichtung, die einem das Mittagessen mit halbrohen Hacksteaks und als Kartoffeln getarnten Steckrüben zum Abenteuer werden lässt, es schaffen, gute Salatsoße zu machen? Tja, mit den Zweifeln musste ich leben, bis ich mir – damals noch in den Balkonkasten – ein Pflänzchen französischen Estragon ins Haus holte. Da schmeckte plötzlich auch meine Salatsoße richtig. Nachdem mein letztjähriger Versuch, den Estragon im Garten heimisch werden zu lassen, leider von den Schnecken zu Nichte gemacht wurde (ob die auch mit Estragonbutter schmecken?), bin ich dieses Jahr auf Nummer sicher gegangen. Ich habe zwei Pflanzen besorgt. Eine steht außer Schneckenreichweite im Kübel auf der Terrasse, die andere im Tomatenbeet. Ich hoffe sehr, dass sie sich beide gut machen.

Hoffentlich fühlt sich der Estragon hier im Tomatenbeet wohl.

Geografisch etwas weiter und wachstumstechnisch noch etwas ferner in der Zukunft liegen meine botanischen Urlaubserinnerungen an Neuseeland. Durch das eher subtropische Klima der Nordinsel Neuseeland, wo wir damals unterwegs waren, ist das hierzulande natürlich nicht so einfach. Manuka und Pohutukawa als typisch neuseeländische Gewächse wäre bei uns wohl eher so etwas wie Zimmerpflanzen. Zwei, die ich mit Neuseeland verbinde, obwohl sie dort keine ganz einheimischen Gewächse sind, sind Kiwi und Fejoa. Die werden dort in größerem Stil angebaut und als Obst angeboten. Kiwis kennt man ja auch hierzulande, Fejoas (oder Ananasguaven) sind eher unbekannt, dabei wachsen sie bei uns mit Schutz wohl auch in mildem Klima. Einen wuchsfreudigen Kiwibaum haben wir von unseren Vorbewohnern geerbt. Und wenn ich wuchsfreudig sage, ist das eher noch eine Untertreibung. Zuerst dachte ich ja, ich bilde mir was ein, dann habe ich nachgemessen: seine rankenden, pelzigen Triebe schaffen bei guten Wetter sowas wie 30 cm die Woche. Pro Vegetationszeit können es wohl bis zu 9 m sein, die eine Kiwiranke wachsen kann. Kiwis hat es bei uns im Garten letztes Jahr allerdings keine gegeben, weil Kiwis normal zweihäusig sind. Jetzt habe ich im Kübel mit einer angeblich selbstbestäubenden Kiwi-Pflanze aufgerüstet. Mal sehen, was die blüht. Die selben pelzigen Ranken, die übrigens abgeschnitten auf unsere Nachbarskatzen eine ähnliche Wirkung entfalten wie Baldrian, hat das kleine Exemplar jedenfalls. Falls jemand von euch also eine schnellwachsende Berankung für Spalier oder Pergola sucht, die Kiwi könnte das richtige sein. Eine Bekannte von mir hat ihre Terrasse mit Mini-Kiwis überdacht und hat gewöhnlich im Spätherbst eine reiche Ernte an den leckeren kleinen Früchten. Bei meinen Fejoas werde ich wohl, wenn es denn klappen sollte, noch einige Jahre auf die erste Ernte warten müssen. Die habe ich nämlich erst aus Samen gezogen, aber drei muntere kleine Pflänzchen sind es schon geworden. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich machen.

So, dass sind einige meiner grünen Lieblinge, die für Urlaubsfeeling auf der Terrasse sorgen. Habt ihr auch so welche? Oder vielleicht sogar Pflanzen, die ihr aus fernen Ländern mitgebracht habt, quasi grüne Urlaubserinnerungen?

Blog-Event: Sommer im Hexengarten 2021

Endlich Sommer 🙂

Dieses Jahr hat das Sommer-Feeling wettermäßig ja etwas auf sich warten lassen. Das Frühjahr war doch eher kühl und regnerisch, was auch seine Vorteile hatte. Immerhin hat es mir als Gärtnerin bisher das Gießen größtenteils erspart und Flieder, Schlüsselblumen und andere Frühlingsblüten haben uns extra lange erfreut. Die Vegetation ist gefühlt so etwa zwei Wochen hinter dem, wie sie letztes Jahr um die Zeit war, aber nachdem ich nun schon den zweiten Abend in Folge ohne Jacke auf der Terrasse sitzen konnte und die Grillen fleißig zirpen, finde ich: jetzt ist Zeit für ein bisschen Sommer, oder? Deswegen möchte ich euch wieder zum „Sommer im Hexengarten“ einladen. Aus meinem Garten wird es wieder Einblicke und natürlich auch Rezepte geben und ich freue mich schon darauf, auch wieder (virtuell) über eure Gartenzäune spitzen zu dürfen. Egal ob Rezept, Kräutergeheimnis, Blumengeschichten oder, was sonst noch so aus eurem Hexengarten kommt, ihr seid alle herzlich eingeladen, es zu teilen. Mitmachen geht wieder wie gewohnt mit und ohne eigene Webseite.

So geht’s…

1. Schreibt einen oder gerne auch mehrere Beiträge über euren Hexengarten. Habt ihr vielleicht einen oder mehre grüne Lieblinge, die dort wachsen und mit denen man etwas Leckeres, Gesundes oder Schönes machen kann? Oder ganz viele verschiedene Pflanzen, die hübsch blühen oder fleißig Früchte produzieren? Eine, auf die ihr ganz besonders stolz seid? Gebt einfach einen kleinen Einblick in euren Hexengarten, gerne auch mit passendem Rezept. Das Banner hier dürft ihr euch natürlich genau dafür mitnehmen.

2. Hinterlasst einen Kommentar mit eurem Namen und eurer Blog-URL unter diesem Beitrag, damit ich weiß, wer alles mitmacht.

3. Die Aktion läuft passend zum Namen bis zum Herbstanfang, der diesmal auf den 22. September fällt. Wer bis dahin einen oder mehrere Beiträge verfasst hat (und nicht ausdrücklich widersprochen), hüpft mit in den Lostopf. Unter allen Teilnehmern verlose ich dann eine kleine Überraschung zum Thema Hexengarten. Falls wieder besonders Fleißige dabei sind, behalte ich mir auch diesmal wieder vor, einen kleinen Fleißsonderpreis zu vergeben. Ich werde versuchen in regelmäßigen Abständen eine Link-Sammlung mit euren Beiträgen hier zu posten, damit wir uns virtuell über die Gartenzäune schauen können

Wer kann mitmachen?

Wie immer natürlich alle, die selbst einen Blog haben, aber auch meine Leserinnen ohne eigenen Blog will ich nicht ausschließen. Wahrscheinlich sind letztere inzwischen in der Überzahl, weil bloggen nicht mehr ganz so in ist. Wenn du keinen Blog hast und auch mitmachen willst, schreibe mir doch einfach eine mail (mirjam[at]kleine-miri.de), dann darf dein Beitrag gerne auf meinen Blog als Gastbeitrag erscheinen.

Bis wann?

Bis einschließlich 22.9.2021. Dann ist der Sommer zumindest astronomisch vorbei.

Ich freue mich schon sehr darauf, von euren Hexengärtchen zu lesen und natürlich auch aus meinem zu berichten. In meinem ersten Gartenjahr habe ich so einige grüne Lieblinge dazugewonnen und das werden jetzt im zweiten sicher noch mehr 🙂

Gastbeitrag: Beute machen – Gedanken nach einem Jagderlebnis im Garten

Die Woche hat mich ein ganz besonderer Hexengarten-Beitrag erreicht und das ganz ohne „Sommer im Hexengarten“. Denn sommerlich fühlt es sich bisher wirklich nicht an. Heute Mittag hat die Sonne zwar schön gelacht, aber meinen Platz auf dem Terrassenstuhl unter dem Fliederbusch habe ich schnell wieder gegen den auf dem Sofa getauscht. es war einfach zu kühl. Nicht einmal die Bienchen und Schmetterlinge mögen fliegen, nur die unermüdlichen Hummeln gehen ihrer Arbeit an den Blütenbäumen nach. Die Kräuter stehen auch noch alle schön geschützt an der Hauswand. Ein bisschen müssen wir wohl noch auf den Sommer warten. Umso schöner, dass Iris und Bernd uns auch ohne Sommer schon an dem Geschehen in ihrem Hexengarten teilhaben lassen – mit spannenden Beobachtungen und tiefgründigen Gedanken. Aber lest selbst.

Beute machen – Gedanken nach einem Jagderlebnis im Garten

Ein lauer Frühlingsabend. Wir sitzen im Garten beim Apéro und schauen zum Fichtenwipfel auf dem Nachbargrundstück hinauf. In diesem Baum hat vor kurzem ein Turmfalken-Paar ein verlassenes Krähennest übernommen. Die untergehende Sonne strahlt einen der beiden Greifvögel an, der sich auf dem höchsten Zweig wiegt. Immer wieder späht er in unseren Garten. Plötzlich stößt er in einem rasanten Bogenflug hinter unser Lavendelbeet auf den Boden und schwingt sich mit seiner Beute zurück in die Luft, keine drei Meter von unserem Tisch entfernt. Fürwahr kein alltägliches Gartenerlebnis.


Das Foto zeigt die beiden Turmfalken auf einer Douglasie neben ihrem „Nestbaum“. Dort oben war ihr bevorzugter Paarungsplatz.

Der Falke war so schnell, dass wir seine Beute nicht identifizieren konnten. Etwas Braun-Rötliches schimmerte in den Fängen, und wir dachten sofort: Er hat „unser“ Rotkehlchen erwischt! An der bewussten Stelle hängt ein Futterspender im Gehölz, unter dem auch das Rotkehlchen gern aufpickt, was Meisen und Spatzen an Körnern fallenlassen. Auch wenn wir die Beute nicht eindeutig erkannt hatten und uns daran erinnerten, dass Turmfalken sich nahezu ausschließlich von Mäusen ernähren (die in den Gärten unseres Wohngebietes alles andere als selten sind): Wir empfanden Traurigkeit.

Später fragten wir uns jedoch: Warum eigentlich? Ein Garten mag floral gesehen keine Natur sein. Aber die Fauna, die sich darin tummelt, bleibt den Naturgesetzen unterworfen. Falken müssen nun mal Beute schlagen. Vermutlich hätte es uns nicht so viel ausgemacht, wenn wir genau gesehen hätten, dass es sich bei dem Opfer um eine Maus gehandelt hätte. Aber warum rangiert der kleine Nager in unserer Mitleidsskala so deutlich unter dem Kleinvogel? Weil er sich mal am vergessenen Apfel auf dem Gartentisch bedient und dabei seine Köddelchen hinterlässt?

Solche „Falken-Situationen“ wecken in uns wohl an den Instinkt, die Schwachen (oder „Zarten“, „Süßen“, etc.) vor den Starken (oder „Bösen“, „Gemeinen“ etc.) zu beschützen. Aber springen wir den Würmern zur Seite, wenn unsere gefiederten Freunde sie im Schnabel haben?

Man muss ja nicht immer alles mit dem Verstand beantworten. Wir sind auf jeden Fall dankbar, dass in unserer unmittelbaren Stadtumgebung natürliches Leben stattfinden kann, dass Amsel, Meisen & Co. reichlich „würmeln“ können (und Körner- und Knödelfutter nur als „Beifang“ nutzen) und dass jetzt junge Turmfalken irgendwann zu ihrem ersten Flug starten – wenn nicht vorher ein Nesträuber tut, was die Natur ihn heißt…

Mit einem herzlichen Gruß in die Runde,
Iris + Bernd

Vielen lieben Dank, ihr beiden, dass ihr dieses Erlebnis und eure Gedanken dazu mit uns teilt! Ich habe mich in eurer Reaktion auch gleich wiedererkannt. Wenn die Nachbarskatze mit einem Mäuschen ankommt, bekommt sie noch ein Lob von mir. Das sähe sicher anders aus, wenn sie stattdessen ein Vögelchen erbeutet hätte. Und es ist eine zutiefst philosophische Frage. Wenn es eine von den zahlreichen und teils recht aufdringlichen Meisen erwischen würde, warum fiele mein Bedauern dann kleiner aus als bei den seltenen, scheuen Bluthänflingen? Woran bemisst sich unser Mitgefühl für eine Lebewesen und auch der Wert, den wir einem Leben zuschreiben? In der Natur geht es darum eben gerade nicht, wie ihr so schön schreibt. Und auch wenn ein Garten keine freie Wildbahn ist, Natur ist er auch. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt, wie eure Falkengeschichte weitergeht 🙂

Selbstversorgerträume

Sich mit frischem, leckeren Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten versorgen – davon träumen sicher viele Menschen. Ich muss zugeben, ich habe auch schon einiges darüber gelesen, Pläne geschmiedet, Beete gebaut und voller Vorfreude Pflänzchen gezogen. Mit einem eigenen Garten sollte ich diesem Traum jetzt doch näher sein als vorher mit meinem bunten Balkon. Mein ersten Gartenjahr war dann gesäumt mit Erfolgen und Misserfolgen, so wie ich das schon vermutet hatte. Die (wenig erstaunliche) Quintessenz für unseren Garten lautet ganz: Pflanze nix an, was viel Wasser braucht. Schließlich war unser Garten mal ein Weinberg, sicher nicht die sonnigste aller Lagen, aber doch sehr warm und trocken. Gurken, Zucchini & Co? Fehlanzeige. Radieschen und Mairübchen? So früh aussäen, dass sie vor den warmen, trockenen Frühlingstagen ordentlich gewachsen sind. Chilis und Tomaten? Tragen in Kästen auf der Terrasse wie blöd. Und mediterrane Kräuter sind absolut perfekt.

Die liebe Zitronen-Verbene hat so fleißig duftende Blätter produziert, dass sie mir jetzt noch Sommerlaune in die Teetasse zaubert.

Ein paar Experimente werde ich auch dieses Jahr wieder wagen und ein bescheideneres Ziel ins Auge fassen: Mich mit leckerem Kräutertee aus dem Garten selbst versorgen. Das hatte ich letzte Jahr schon so gut wie geschafft. Wenn ich tagein tagaus Minztee trinken würden, dann hätte ich das Ziel schon übererreicht. Davon habe ich nämlich massenweise verschenkt. An Zitronenverbene habe ich noch einen ordentlichen Vorrat. Der wird mir sicher bis zur ersten neuen Ernte reichen. Die Zitronenverbene ist auch schon wieder ganz fest in diese Saison eingeplant. Vielleicht schaffe ich es ja dieses Jahr, ein Exemplar ihrer orangigen Schwester zu ergattern. Wovon ich viel zu wenig hatte, war der Anis-Ysop (Anis-Agastache). Das war eine meiner absoluten Neuentdeckungen der letzten Saison. Ich mag Anis als Geschmack sowieso sehr gerne und das leicht minzige Anisaroma des Anis-Ysop hatte es mir auf den ersten Schlag angetan. Leider, leider hatte ich eindeutig zu wenig davon ausgesät und habe es nicht über’s Herz gebracht, ihn stark zu beernten. Er stellte sich nämlich nicht nur als eine meiner Lieblingspflanzen heraus, sondern auch als wahrer Hummel- und Wildbienenmagnet. Die Mäuse und die Schnecken haben ihn auch gerne angeknabbert. Deswegen habe ich für uns alle diesmal deutlich großzügiger ausgesät. Die ersten Keimlinge recken auf der Fensterbank schon ihre Blättchen ins Licht.

Gleichermaßen hübsch wie lecker – der Anis-Ysop.
Die Ernte war aber ganz eindeutig zu klein für so eine leckere Teepflanze.

Eine andere Pflanze, die als Tee einfach liebe und die unbedingt in den Garten muss, ist der Griechische Bergtee. Von dieser Liebesgeschichte habe ich euch ja schon einmal hier erzählt. Letztes Jahr ist es mir gelungen, mir zumindest eine Pflanze von der Art Parnassischer Bergtee (Sideritis raeseri) selbst zu ziehen. Geblüht hat sie in ihrem ersten Jahr noch nicht. Darauf hoffe ich dieses Jahr. Den Winter scheint sie im Topf jedenfalls dank ihrem dicken Pelz und der entsprechenden Herkunft gut überstanden zu haben. Ihre kleinen Geschwister warten auf der Fensterbank schon auf die Sommersonne. Für sie bin ich auch recht zuversichtlich, dass ich ihnen einen Wohlfühlplatz im Garten anbieten kann. Trocken, karg und sonnig – so mögen sie es gerne. Diesmal ist auch noch eine andere Art mit dabei, der Kretische Bergtee (Sideritis syriaca). Hoffentlich wird der auch, was auf dem Etikett steht. Letztes Jahr hatte ich nämlich noch eine Saatgutportion vom Spanischen Bergtee (Sideritis hyssopifolia) gezogen und war total aus dem Häuschen, dass er gleich im ersten Sommer geblüht hat. Allerdings nicht wie ein Bergtee, sondern wie unser Aufrechter Ziest (Stachys recta) – auch eine sehr schöne Staude, aber halt nicht das, was auf dem Etikett stand. Netterweise bekam ich für den Hinweis von der Gärtnerei einen Gutschein, den ich gleich wieder in neues Saatgut umsetzen konnte. Manchmal zahlt sich botanisches Wissen eben aus 😉

So klein und schon so pelzig – das war der Bergtee Anfang April.
Schon deutlich größer dufte er Anfang Juni in sein eigenes Eck in den Garten.
Wo er sich so wohl fühlte, dass er Ende Juni schon so gewachsen war.
So sah das „Bergtee-Eck“ im Herbst aus. Der vermeintliche Spanische Bergtee in voller Blüte.

Wer im Sommer auf der Terrasse natürlich auch wieder nicht fehlen darf, ist die liebe Rosengeranie. In der Mischung Bergtee-Rosengeranie mein absoluter Wohlfühltee. Da es Duftgeranien in so vielen unterschiedlichen Duftrichtungen gibt, bekommt sie dieses Jahr wahrscheinlich noch ein kleines Schwesterchen. Die Qual der Wahl ist allerdings recht groß – Apfel, Cola, Orange oder Weingummi? Mal sehen, was wird. So viele getrocknete Blätter wie ich noch von der letzten Ernte habe, muss ich mich demnächst mal ans Experimentieren machen. Mit dem Aroma lässt sich sicher noch ganz anderes zaubern als duftiger Tee.

Die Rosengeranie duftet nicht nur bezaubernd, sondern blüht auch ebenso 🙂

Eine andre Pflanze habe ich letztes Jahr in einer Blumenrabatte entdeckt. Zuerst hat sie mich mit ihren niedlichen Lippenblüten und ihrer offensichtlichen Wirkung auf Bienen angelockt. Dann hat mich ihr Aroma nicht mehr losgelassen, deutlich minzig, aber nicht so kühl-mentholartig. Die schlaue Pflanzen-App sagte: Bergminze. Und mir war sofort klar, die will ich auch im Garten haben. So warten jetzt zwei Arten im Saatgut-Schatzkästchen auf die Aussaat. Ich bin sehr gespannt und immer noch ein bisschen erstaunt, wie ich dieses hübsche Kraut so lange habe übersehen können.

Weil ihr in den Kommentaren so lieb nachgefragt habt, will ich euch jetzt noch meine Kräuterbeeterweiterung zeigen. Durch die extreme Hanglage ist unser Garten besonders und an manchen Stellen etwas herausfordernd. Da die Abendsonne natürlich oben am Hang am längsten scheint, wollte ich dort gerne noch ein paar Kräuterplätzchen schaffen. So entstand die Idee aus den vielen Haselruten, die ich im „Gestrüppteil“ des Hanges „ernten“ konnte, kleine Beete zu flechten. Mit ein paar flachen Steinen von Innen ausgelegt scheinen sie die Erde auch nach den heftigen Regenfällen der letzten Zeit zu halten. Vielleicht fragt sich jetzt der ein oder andere:“Warum gräbt sie nicht einfach Löcher und pflanzt die Kräuter da rein?“ Naja, weil „einfach graben“ dort nicht ist. Der Hang ist gut durchwurzelt von den Bäumen und Sträuchern. Das soll er ja auch sein, damit er bleibt, wo er ist, aber das Graben macht es schwer, vor allem wenn die Wurzeln heil bleiben sollen. Deswegen die kleinen Beet-Terrassen. Mal sehen, wie sie sich im Sommer bewähren werden. Klar ist jedenfalls, dass dort oben nur Trockenheitsspezialisten Überlebenschancen haben.

Schnittgutverwertung mal anders: die Flechtbeete, einmal in Weide und einmal in Hasel.
Ich bin schon sehr gespannt, wie sie sich bewähren.

Und was habt ihr so für Gartenpläne für diese Saison? Oder vielleicht noch einen Geheimtipp in Sachen Teekräuter? Ich freue mich auf eure Tipps und Gartengeschichten 🙂

Winter in der Hexenküche: Abschluss

Jetzt ist der Winter endgültig vorbei. Die letzten Nächte waren bei uns zwar noch recht frostig und am Freitag hatten wir ein bisschen Schneeregen, aber die Sonne leckt schnell allen Rauhreif weg, den sie morgens erreicht und im Garten blühen Schneeglöckchen, Winterlinge und die Haselsträucher. Die Zeichen stehen also alle auf Vorfrühling.

Winter adé 🙂

Damit ist es auch Zeit, noch einen kleinen Abschluss für unseren schönen „Winter in der Hexenküche“ zu finden. Ich muss sagen, mit euch zusammen macht das Bloggen wieder so richtig Spaß. So fleißig wart ihr dabei und mit so schönen Ideen und Geschichten. Hier noch einmal eine kleine Zusammenfassung:

  • Von Iris und Bernd gab es einen liebevollen Einblick in den winterlichen Garten.
  • Andreas hat uns zwei sehr leckere Plätzchenrezepte mit Familientradition verraten: Pfeffernüsse und Pfaffenkappen.
  • Doris hat uns gezeigt, wie man duftige Seifen mit Kräutern gießt, die obendrein total niedlich aussehen.
  • Bei Atessa gab es eine handgesiedete, winterliche Konfettiseife.
  • Claudia hat uns ihre blühenden Winterwunder vorgestellt und erzählt, wie sie in diesem besonderen Jahr ihre liebe zu Alpenveilchen und Weihnachtssternen entdeckt hat.
  • Und von mir gab es zwei Rezepte, einmal Quittenmarmelade als Sommererinnerung im Glas und einmal Galettes bretonnes zum leckeren Lichterfest.

So viele spannende Sachen. Ich hoffe, ich habe nichts vergessen. Schön war der Winter mit euch trotz allen Widrigkeiten! Ich möchte mich hier noch einmal ganz herzlich bei allen bedanken, die mitgewirkt haben, egal ob mit schönen Beiträgen oder lieben Kommentaren. Ich habe unseren Austausch hier sehr genossen. Ich hoffe, euch ging es ähnlich und geht so munter weiter.

Jetzt gehen meine Gedanken schon sehr Richtung Frühling und vor allem auch nächster Pflanzsaison. Auf dem Fensterbrett spitzen schon die ersten Keimlinge hervor. Im Garten sind Radieschen, Mairübchen und Winterprotulak ausgesäht und die Haselruten aus dem Vorfrühlingsschnitt habe ich zu kleinen Flechtbeeten verarbeitet, um im Hang noch ein bisschen Platz für Kräuter zu gewinnen. Bis zum „Sommer im Hexengarten“ gibt es da bestimmt einiges Neues zu berichten. ich hoffe, euch geht es gut und ihr freut euch auch über den Frühling und seine heiteren Vorboten!